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Kreisklinik-Debatte:"Unsäglich"

Die Diskussion über die Zukunft der Kreisklinik ist aufgeheizt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Landrat Josef Niedermaier will die Vorwürfe des Geretsrieder Bürgermeisters Michael Müller nicht im Einzelnen kommentieren

Von Felicitas Amler

Der Landrat betont, er wolle sachlich bleiben - jedenfalls nicht so emotional werden wie der Geretsrieder Bürgermeister am Mittwoch in der Bürgerversammlung. "Ich bin nur dem Wohl und Wehe der Klinik verpflichtet", sagt Josef Niedermaier (Freie Wähler) am Freitag. Was und wie sich hingegen Michael Müller (CSU) zu diesem Thema und über ihn, den Landrat, geäußert habe, sei "eines Bürgermeisters nicht würdig" - oder, so Niedermaier mit einem einzigen Wort: "Unsäglich." Jedenfalls habe er dergleichen in 26 Jahren Kommunalpolitik noch nie erlebt.

Die Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen treibt seit Wochen viele Menschen um. Bleibt das Haus kommunal, oder wird es eines Tages privat betrieben? Wird die Grundversorgung gesichert, oder werden nur einzelne Bereiche bestehen bleiben? Und wird überhaupt in transparenten Prozessen darüber entschieden? All das bewegt die Mitarbeitenden genauso wie die Bevölkerung. Und nicht zuletzt die Politik. Dem Landrat halten etliche, insbesondere aus der CSU, anfängliche Geheimniskrämerei und zuletzt Zahlenspiele und Stimmungsmache vor.

Landrat Josef Niedermaier betont: "Ich bin der Klinik verpflichtet."

(Foto: Ralf Gerard/oh)

Die Stadt Geretsried fühlt sich wie Wolfratshausen als direkte Nachbarin der Klinik besonders betroffen. Nicht zuletzt deswegen hatte Müller den - sonst stets üblichen - Besuch des Landrats bei der jährlichen Bürgerversammlung erwartet. Niedermaier aber sagte ab. Und zwar eben wegen der, wie er sagt, aufgeheizten Debatte über die Klinik, weil diese dabei Schaden nehme. In einem persönlichen Brief und mit "sachlicher Begründung", so Niedermaier am Freitag auf Nachfrage der SZ, habe er dies dem Bürgermeister dargelegt. "Ich habe ja nicht abgesagt wie ein frecher Schulbub."

Müller aber holte in offener Versammlung gerade wegen der Absenz zu einem Rundumschlag gegen den Landrat aus. Er warf ihm schlechte Manieren und Feigheit vor, eine Überrumpelungstaktik gegenüber den Kreisräten - zu denen Müller selbst zählt - und eine Spaltung des Landkreises. Er insinuierte, man könne Niedermaier nichts mehr glauben. Und spekulierte gar, dieser habe die Pandemiesituation, in der öffentliche Versammlungen nicht möglich waren, bewusst genutzt, um Entscheidungen durchzudrücken.

Niedermaier geht auf all dies nicht im Detail ein. Er könnte manches widerlegen oder als "Lüge" identifizieren, sagt er, wolle die Sache aber nicht noch schlimmer machen. "Ich scheue die politische Auseinandersetzung nicht", betont er. Aber in der von Müller angeschlagenen Tonlage könne man nicht über die Zukunft eines Unternehmens sprechen.

Wie er und Müller einander künftig begegnen, diese Frage lässt der Landrat erst einmal offen. Zum weiteren Vorgehen in Sachen Klinik sagt er, er habe sich mit den Fraktionssprechern im Kreistag verständigt; am Montag werde er den Kreisausschuss darüber informieren, dass der Kreistag am 26. Juli über ein Moratorium zur Klinik befinden soll.

Die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn er am Mittwoch in Geretsried erschienen wäre, verneint der Landrat entschieden: "Dann wäre es noch schlimmer geworden."

© SZ vom 19.06.2021
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