Kampf gegen Krebs "Sterben war nie eine Option"

Zwei, die sich vertrauen: Julia Sattelberger mit Xalli. Die Hündin hat Sattelberger durch die vergangenen sechs Jahre begleitet und ist immer an ihrer Seite.

(Foto: Privat/OH)

Julia Sattelberger hat durch den Krebs eine Hand verloren. Nun hat die 22-jährige Frau aus Schäftlarn die Krankheit überwunden und sich mit ihrer eigenen Hundeschule einen Lebenstraum erfüllt.

Von Katharina Schmid

Wenn Julia Sattelberger mit ihrer Hündin spricht, wird ihre Stimme ganz hell. "Xalli, los jetzt, wir gehen!" Xalli springt auf, läuft die Treppe hinunter, es geht zum Hundetraining. Die sechs Jahre alte Labrador-Hündin ist Sattelbergers treueste Begleiterin, seit 2012. Die Hohenschäftlarnerin war 15, bei ihr war gerade Krebs diagnostiziert worden. Ihre Mutter erfüllte ihren sehnlichsten Wunsch und schenkte ihr einen eigenen Hund. Seitdem ist Xalli ein Fixpunkt in Julia Sattelbergers Leben. "Sterben war für mich nie eine Option", sagt die 22-Jährige. "Ich wollte nicht, dass Xalli alleine ist."

Wenn Julia Sattelberger die Geschichte ihres Lebens erzählt, klingt ihre Stimme tiefer. Nur selten stockt sie ein wenig, kaum hörbar ist das. Sattelberger spricht gefasst über ihr Leben, ohne Groll oder Verbitterung. Und das, obwohl ihr Leben, vor allem die Jugend, gezeichnet ist von einer langen Krankengeschichte, Fehldiagnosen, einer Krebserkrankung, großen Schmerzen, einer Amputation. Viel Stoff für ein erst 22 Jahre altes Leben. Heute - krebsfrei und um ihre linke Hand ärmer - sagt Sattelberger: "Wenn ich das nicht alles erlebt hätte, wäre ich jetzt nicht so glücklich."

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Julia Sattelberger kommt in München zur Welt, zieht im Alter von drei Jahren nach Schäftlarn und wünscht sich schon als kleines Kind nichts sehnlicher als einen Hund. Mit sechs bekommt sie zwei Katzen. Eine Alternativlösung, die sich die Eltern für ihr tiervernarrtes Kind ausdenken. Eine dieser Katzen, Lilly, ist heute 16 Jahre alt. Sie kann die gleichen Kunststücke wie Hündin Xalli. "Sitzt, platz, dreh dich, Pfötchen geben, das macht sie alles", erzählt Sattelberger. "Sie war mein Hundeersatz."

Mit zehn Jahren beginnt das Mädchen, sich Pflegehunde in der Nachbarschaft zu suchen. Beim Spazierengehen klingelt sie überall dort an der Tür, wo ein Hund im Garten spielt. Aus Spaziergängen mit der Mutter werden Gassigänge mit Pflegehunden. Mit einem von ihnen beginnt sie Sport zu machen, Dogdancing, Tanzen mit Hund. Sie nimmt an Turnieren teil, geht auf Hundemessen, liest Sachbücher und schaut Dokumentationen. Julia Sattelberger ist das, was eine Hundenärrin genannt wird.

Dann werden die Schmerzen in ihrem linken Handgelenk immer stärker. Mit elf bekommt Sattelberger die Diagnose Rheuma. Sie ist falsch. Erst vier Jahre später stellen Ärzte fest, was ihr wirklich fehlt. Das Mädchen hat Krebs. Ein halbes Jahr ist Sattelberger vom Unterricht befreit, sie stürzt sich in die Erziehung ihres Welpen. Zwischen den beiden entsteht eine enge Bindung. "In die Natur gehen, mit dem Hund gemeinsam raus, das lässt viele Ängste leichter werden", sagt die 22-Jährige. "Ich hatte Todesängste. Und ich hatte Stress durch die vielen Arztbesuche." Die Beschäftigung mit Xalli habe sie den Krebs zumindest zeitweise vergessen lassen. Ihre Hündin bekommt alles mit, Angstattacken genauso wie tagelanges Weinen. "Aber wenn ich weine, das mag sie nicht, da läuft sie auf und ab. Deshalb hab ich oft überlegt, ob ich wirklich weinen soll."

Seit Herbst 2018 bietet Sattelberger in Hohenschäftlarn Hundetraining an.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Tumor im Handgelenk ist bösartig, extrem schlecht behandelbar und wenig erforscht. Weder Bestrahlung noch Chemo kommen für die Therapie in Frage. Die Familie kontaktiert Ärzte in Kanada, Japan, den USA, Sattelberger beschäftigt sich mit Immuntherapie, stellt ihre Ernährung um, beginnt zu meditieren. "Es war ein harter Kampf", sagt sie, "aber ich wollte immer weiter machen. Ich hatte nie den Gedanken, dass ich wirklich sterben könnte."