Konzerterlebnis:Zartes Blümchen mit großer Kraft

Lesezeit: 2 min

LIVE-Stream aus dem Hinterhalt

Livestream im Geltinger Hinterhalt mit dem "Acony Bell Trio" (v.l.): Mathias Götz (Posaune), Jörg Weber (Saxofon) und Benni Schäfer (Gitarre).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Geretsrieder Band "Acony Bell Trio" demonstriert ihr Können bei einem Abend im Hinterhalt

Von Susanne Hauck, Geretsried

Benjamin's Threesome - so hätten sie eigentlich heißen sollen, wenn es nach Freund und Kollege Sebastian Horn von den Bananafishbones gegangen wäre. "Ich fand es auch gut, aber manche hatten die falschen Assoziationen", scherzt Benny Schäfer auf der Bühne im Geltinger Hinterhalt. Kein Wunder - schließlich heißt "threesome" auf Deutsch so viel wie "flotter Dreier". So entschied sich Schäfer, seine noch junge Band lieber auf den unverfänglicheren Namen Acony Bell Trio zu taufen, nach einem Song der amerikanischen Folkkünstlerin Gillian Welch.

Überhaupt ist Schäfers Band als eine grandios freie Hommage an Welch entstanden. Nicht nur ihre Musik sei Inspiration gewesen, auch ihre Instrumentierung mit zwei Stimmen und Gitarre, gesteht er. Die "Acony Bell" ist eine kleine Bergblume, die in den amerikanischen Appalachen zu finden ist, sie hat zarte weiße Blüten und einen gelben Stempel. Keineswegs eine pompös-blühende Pflanze mit knalligen Farben, sondern ein seltenes Pflänzchen von zarter Schönheit, die sich dennoch kraftvoll in der rauen Bergwelt zu behaupten weiß.

So wie die namensgebende Blume sind auch Songs des Acony Bell Trios, das erst ein paar mal zusammen aufgetreten ist. Keine kraftmeierischen Gute-Laune-Stücke, sondern eine gekonnte Mischung aus vielen in sich gekehrten, dazwischen temporeicheren, immer angenehm melodischen und vom Folk Jazz inspirierten Stücken. Die Vorfreude von Freunden und Familie, die in reduzierter Anzahl persönlich in der Kleinkunstbühne sowie im Livestream den Auftritt verfolgen, ist groß. Schließlich handelt sich um die erste eigene Band des Geretsrieders Benny Schäfer, der in der Musikszene rund um München schon breite Spuren hinterlassen hat.

Der Musiker, der seit mehr als 20 Jahren in den verschiedensten Bands spielt, von max.bab und balloon pilot über Alien Ensemble bis Dreiviertelblut und Gerd Baumanns Parade, ist außerdem Musiklehrer sowie Leiter der Ickinger Gymnasiums-Bigband, und hat "über die Jahre immer wieder eigene Lieder komponiert", wie der gerade noch 41-Jährige erzählt, besonders in den vergangenen paar Jahren hätte er wegen Corona mehr Zeit zum Stoffsammeln gefunden. Jetzt einmal etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, sei seit Längerem im Raum gestanden. Mit den versierten Musikern Mathias Götz (Posaune), den man von der Unterbiberger Hofmusik und der Allotria Jazzband kennt, und Jörg Weber (Saxofon), der in den Livebands der Sportfreunde Stille r und Wir sind Helden spielt, ist er nicht nur schon lange eng befreundet. Die tiefen Stimmen der beiden Blasinstrumente seien eine wunderbare Ergänzung seiner Akustikgitarre, erklärt er.

Das Trio besticht mit einem virtuosen Arrangement aus Gitarre, Saxofon und Posaune, mit einem sehr wirkungsvollen konsequenten Verzicht auf eine Singstimme. Über die Hälfte der also rein instrumental vorgetragenen Lieder besteht aus Schäfers Eigenkompositionen, auch Götz steuert etwas bei. Kein Musiker spielt sich in den Vordergrund. Die Gitarre ist mal Fundament der Songs - dann darf sie ebenso dezente Solos übernehmen wie Posaune und Saxofon. Die Nöte des Komponisten liegen woanders: Einen passenden Titel für ein Instrumentallied zu finden, falle ihm nie leicht, gesteht Schäfer zwischendurch. So ist ihm mal "Am Boden" eingefallen, weil er ebendort geschrieben hat, während neben ihm seine kleine Tochter spielte. "Dunkelblau Blues" lautet ein anderer Titel.

Die Acony Bells interpretieren aber auch Songs von Gillian Welch, der Indierockband Yo La Tengo und Ex-Beatle Paul McCartney. "Jenny Wren" sei eines von McCartneys schönsten Stücke, findet Schäfer. Meilenweit entfernen sich die Musiker bei ihrer Interpretation von den Originalen, was ihr großes Können eindrucksvoll unterstreicht.

Bevor die drei ihre Instrumente nach eineinviertel Stunden und rund 15 Songs endgültig zur Seite legen, gibt es verdienten und langen Applaus im Hinterhalt.

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