Konzerte in Bad Tölz und Iffeldorf Neue Hörperspektiven

Mit dem "Dover Quartet" und dem "Jerusalem Quartet" gastieren an diesem Wochenende zwei Spitzenensembles in der Region. Das Programm reicht von Beethoven über Bartók bis Barber

Von Paul Schäufele, Bad Tölz/Iffeldorf

Wer weiß, warum der Gattung Streichquartett immer mehr Raum in den Konzertprogrammen gegeben wird. Vielleicht, weil die Atmosphäre in kammermusikalisch nutzbaren Sälen ein direkteres Erleben der Musik und des einzelnen Musikers ermöglicht. Vielleicht, weil die Selbstdarstellung virtuoser Einzelkämpfer bei aller Großartigkeit schon immer etwas Fragwürdiges hatte - das Streichquartett ist da das deutlich kommunikativere, wenn nicht demokratischere Genre. Vielleicht aber auch nur, weil in den vergangenen Jahren vielversprechende Quartette gegründet wurden oder junge Quartette sich nach einem vielversprechenden Start zu reifen Formationen entwickelt haben. Zwei Konzerte geben an diesem Wochenende Gelegenheit, sich davon ein Bild zu machen. Oder man nutzt die Auftritte des Dover Quartets in Bad Tölz und des Jerusalem Quartets in Iffeldorf einfach dazu, herausragende Musik zu hören.

Vor mehr als 20 Jahren haben sich die Musiker des „Jerusalem Quartets“ zusammengefunden. Sie verstehen sich auch als kulturelle Botschafter.

(Foto: Carlin Ma/OH)

Mit dem Konzert des Dover Quartets am Freitag, 15. März, im Tölzer Kurhaus endet die erste Runde der "quartettissimo"-Reihe, die renommierte Ensembles internationaler Prägung für ihren Konzertzyklus gewinnen konnte. Die vier Musiker des Dover Quartets, die alle auch als Solisten in Erscheinung treten, lernten sich vor etwa zehn Jahren am Curtis Institute for Music kennen, einer der nordamerikanischen Kaderschmieden des Klassikbetriebs. Unter den Absolventen finden sich Namen wie Leonard Bernstein oder Hilary Hahn. Oder auch der Komponist Samuel Barber, nach dessen Komposition "Dover Beach" für Bariton und Streichquartett sich die Formation benannt hat.

Das "Dover Quartet" startet seine diesjährige Europa-Tournee am Freitagabend im Tölzer Kurhaus.

(Foto: Carlin Ma)

Auf dem Konzertprogramm findet sich daher auch Barbers Quartett in h-Moll Opus 11. Die Streichorchester-Bearbeitung des emotional intensiven, langsamen Satzes fand als "Adagio for Strings" Verwendung als Bestandteil zahlloser Filmmusiken. Die kaum von der Stelle schreitende Melodie, die sich langsam in immer verzweifeltere Höhen schraubt, hat jeder im Ohr. Das Stück in Originalgestalt zu hören, ermöglicht jedoch neue Hörperspektiven.

Flankiert wird Barbers Quartett von Robert Schumanns A-Dur-Quartett und Dvořáks Quartett Nummer 14 in As-Dur, einem der Glanzstücke im Œuvre des Tschechen und einer der eher virtuosen Vertreter der Literatur für diese Besetzung, die vielleicht als die intellektuellste, intimste Gattung der Kammermusik gilt.

Dass das Dover Quartet Zugang zu den verschiedensten Ebenen des Ensemblespiels gefunden hat, zeigen die Partner, mit denen es im Laufe seines Bestehens zusammengearbeitet hat: Marc-André Hamelin, Peter Serkin und Janine Jansen, um nur wenige zu nennen.

Eine noch längere Karriere kann das Jerusalem Quartet aufweisen. Es fand vor mehr als zwanzig Jahren zusammen und hat sich seitdem zu einem der führenden Streichquartette sowie zu einem kulturellen Botschafter Israels entwickelt. An den Konzertabenden des israelischen Ensembles lässt sich so gelegentlich auch jiddische Musik hören. Einer der Schwerpunkte des Jerusalem Quartets bleibt hingegen die kontinuierliche Beschäftigung mit Brahms' Schaffen, häufig zusammen mit Partnern wie Pinchas Zukerman oder Sharon Kam. Zahlreiche CD-Aufnahmen belegen dies. Doch im Zentrum des Konzerts, das am Samstag, 16. März, in Iffeldorf stattfindet, stehen zwei andere Größen, zwei andere "große B's" der klassischen Streichquartett-Literatur: Bartók und Beethoven.

Von Béla Bartók werden das zweite und fünfte Streichquartett zu hören sein, Werke, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Gattung für die aufkommende Moderne interessant blieb; hochenergetische Werke, in denen traditionelle Formen, Rhythmen und Harmonien über Bord geworfen werden zugunsten neuer Ausdrucksmöglichkeiten und der Integration osteuropäischer Melodien, die der ungarische Komponist während seiner Feldstudien zur Volksmusik sammelte.

Beethovens frühes, dem Lehrer Haydn nacheiferndes Quartett G-Dur Opus 18 Nummer 2 wirkt da gewissermaßen als Hinweis darauf, woher die Gattung einmal gekommen ist. Zudem wird dieser Programmteil auch als Einstimmung in das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 zu verstehen sein.

Vom jungen Beethoven über Schumann und Bartók bis zu Barber: Mit den Konzerten in Iffeldorf und Bad Tölz kann die Entwicklung einer Gattung mitverfolgt werden, die heute so lebendig ist wie vor 250 Jahren. Dynamische Ensembles wie das Dover und das Jerusalem Quartet sorgen dafür.

Dover Quartet: Freitag, 15. März, 19.30 Uhr, Kurhaus Bad Tölz, Ludwigstraße 25, Karten zu 30/35 Euro; Jerusalem Quartet: Samstag, 16. März, 19 Uhr, Gemeindezentrum Iffeldorf, Hofmark 9, Karten zu 22/25/30 Euro