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Konzert in Bad Tölz:Ouvertüre im Kleinen Kursaal

Das Duo Gruber Eschke mit Jan Eschke (Klavier) und Rainer Gruber (Akkordeon, Steirische Harmonika, Gitarre).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bad Tölz führt seine Reihe "Stadt mit besonderer Note" fort

Von Sandra Freudenberg, Bad Tölz

Nach der vorläufigen Unterbrechung der Tölzer Veranstaltungsreihe mit dem Namen "Stadt mit der besonderen Note" hat am Donnerstag das erste Konzert im Kleinen Kursaal stattgefunden. "Ich heiße Sie alle herzlich zu einem skurril-schönen Abend willkommen", begrüßte die Veranstaltungsleiterin Susanne Frey-Allgaier die rund 30 maskierten Gäste. Hatte das Duo Gruber Eschke mit Jan Eschke (Klavier) und Rainer Gruber (Akkordeon, Steirische Harmonika, Gitarre) anfänglich noch mit der Situation gefremdelt, fanden sie beim Stück "Nordischer Sonnenaufgang" endgültig zueinander. Gruber gab seiner Kontragitarre angenehm viel Zeit zu räsonieren. Eschkes Piano klang beim Bolero "Bésame Mucho" rassig und glitt dann nahtlos bei der Komposition "Tölz bei Nacht" in einen Tango über, der bedenklich nach einer Satire auf das Tölzer Nachtleben klang.

Die Isar führte nach der langen Regenphase braunes Hochwasser, in der Luft lag der süße Duft blühender Linden und aus dem Kleinen Kursaal drangen nach lateinamerikanischen Stücken auch eigene Kompositionen der Musiker, die beide an der Musikschule Bad Tölz unterrichten, in den lichten Abend. In den vergangenen Monaten hatten beide nicht genügend Inspirationen für neue Kompositionen gefunden, jedoch diszipliniert geübt. Dennoch gibt der Pianist Jan Eschke in diesem Jahr seine Existenz als reiner Profimusiker auf und eröffnet mit seiner Frau eine Postfiliale. Rein von der Kunst zu leben sei ihm jetzt zu unsicher geworden.

Das Publikum goutierte den einstündigen Auftritt der akademisch geschulten Musiker mit dankbarem Applaus und erklatschte und erjubelte sich damit zwei Zugaben.

Zum Konzert gekommen waren junge Musikschüler, Einheimische und Gäste. Paare durften nebeneinander Platz nehmen, während sich die einzeln Eingetroffenen ein wenig ausgegrenzt fühlen mussten auf ihren weit auseinander stehenden Stühlen, die im ganzen Raum verteilt waren; sechs davon blieben sogar leer. Dem Kleinen Kursaal, der sich den Vorwurf der Altersschwäche gefallen lassen muss, hatte man ansonsten keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und ihn ganz schmucklos gelassen; auf der Bühne stand sogar ein offenbar vergessener Notenständer in der Kulisse.

Frey-Allgaier hatte das Konzert nicht groß angekündigt, um einen Ansturm zu vermeiden, der somit auch ausgeblieben war. Ursprünglich waren mehr als 100 Veranstaltungen für den Zeitraum von März 2020 bis Mitte Oktober 2020 geplant und vorbereitet gewesen. Nun muss auf die Vorgaben der Behörden gewartet werden, um dann kurzfristig weitere Konzerte im angepassten Rahmen anzusetzen.

Voraussichtlich werden an diesem Wochenende zwei weitere Künstler auftreten: Am Samstag, 20. Juni, liest Klaus Wittmann im Kleinen Kursaal von 19.30 Uhr an alte poetisch-romantische Rosenmärchen, begleitet nochmals von Rainer Gruber, bei freiem Eintritt. Am Sonntag, 21. Juni, folgt ein Jazz-Konzert auf der Kurhaus-Terrasse. Begonnen wird um 10.30 Uhr, sofern das Wetter dies zulässt. Der Eintritt ist auch hier frei.

© SZ vom 20.06.2020

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