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Kommunalwahlen im Landkreis München 2020:Frischer Wind bei den Christsozialen

Die Schäftlarner CSU verjüngt sich bei ihrer Aufstellungsversammlung zur Kommunalwahl 2020, die Unterstützung für den Bürgermeisterkandidaten Christian Fürst bleibt

Von Susanne Hauck, Schäftlarn

Stoiber könnte bald wieder in der Politik mitmischen. Wenn auch erst mal nur im Schäftlarner Gemeinderat. Edmund Stoibers Sohn Dominic, der seit einiger Zeit im Ortsteil Hohenschäftlarn wohnt, tritt nämlich in seinem neuen Heimatort für die CSU an und wurde dort nun auf einen aussichtsreichen vierten Listenplatz gewählt.

Bei der Aufstellungsversammlung der Schäftlarner CSU am Dienstag im Klosterbräustüberl beschränkte sich der 39-jährige Sohn des einstigen Ministerpräsidenten darauf, sich als Vater von zwei, bald drei Kindern vorzustellen sowie als Pressesprecher - für den Automobilkonzern BMW, wie auf eine Nachfrage hin geklärt wurde. Stoiber ist einer aus der recht jungen christsozialen Unions-Mannschaft mit vielen neuen Gesichtern, die der seit September designierte CSU-Bürgermeisterkandidat für Schäftlarn, Christian Fürst, hinter sich versammelt hat. Denn von den neun amtierenden CSU-Gemeinderäten wollen viele nicht mehr kandidieren: Ulrike Prölß und Theresia Bader scheiden ebenso aus wie Franz Strobl und Andreas Mock. Der derzeit amtierende Rathauschef Matthias Ruhdorfer, der aus Altersgründen nicht erneut als Bürgermeister antreten will und dessen Sohn Martin im Mittelfeld kandidiert, rückte freiwillig auf den hintersten Platz.

Ob es in der Wählergunst bei dem als aussichtslos geltenden Rang 20 bleibt, ist eine andere Frage. "Die Leute lesen nur die vordersten Namen, sind dann zu faul und machen mit dem Ende weiter", orakelte Wahlausschussleiter Hartmut Osterburg. "Die, die ganz hinten stehen, kriegen meist viele Stimmen."

Der altgediente Georg Lang erklärte, er wolle seinen Sessel für Jüngere freimachen, deswegen ließ er sich nur noch als Ersatzkandidat aufstellen. Noch einmal wissen will es dagegen die 65-jährige Susanne Dichtl, die ihre Erfahrung als langjährige Gemeinderätin und Dritte Bürgermeisterin von Schäftlarn eine weitere Amtszeit lang einbringen will. Ebenso tritt der Polizeibeamte Maximilian Urban wieder an, der hinter Dichtl auf Platz Drei der Liste kommt.

"Den Christian unterstützen", diesen Wunsch bekräftigte eine Mehrheit der erstmals kandidierenden Bewerber, von denen überdurchschnittlich viele in den Feuerwehren und Vereinen vernetzt sind. Nur drei sind älter als 50 Jahre, nur ein Viertel der Plätze belegen Frauen.

Es habe Probleme gegeben, die Liste voll zu kriegen, räumte Christian Fürst bei der Aufstellungsversammlung freimütig ein. "Es war eine sportliche Sache, wir waren noch bis letzte Woche dran." Jetzt sei er froh über die "altersmäßig und ortsteilmäßig gut aufgestellte Liste" und sich sicher: "Mit so einem Team ist es leicht, Bürgermeister zu werden."

Beim Wahlvorgang selbst ließ sich der Ortsvorstand der Partei auf keine Überraschung ein. Abgestimmt wurde im Block über alle 20 Kandidaten der Gemeinderatsliste, die vorgegebene Reihenfolge wurde nicht verändert; lediglich einzelne Namen konnten gestrichen werden, so die Vorgabe.

Zuvor hatte der Bürgermeisterkandidat Fürst sein Wahlprogramm noch einmal zusammengefasst. Der 42-jährige ist Politikwissenschaftler und beruflich als Stimmkreisbüroleiter für die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer (CSU), tätig. Seit 2002 vertritt er die CSU im Schäftlarner Gemeinderat.

Christian Fürst erklärte, er wolle den eingeschlagenen Weg fortsetzen und weiter entwickeln. Seine Themen sind demnach unter anderem die Wohnraumförderung, der Umgang mit dem zunehmenden Siedlungsdruck auf die Kommune nahe der Landeshauptstadt München, die Ortsgestaltung, der Umweltschutz und die Landschaftspflege. Auch möchte er nach eigener Auskunft die bislang nicht in Vereinen eingebundenen Bürger der Kommune künftig mehr am Ortsleben beteiligen und ein "offenes Ohr dafür haben, wie sich Schäftlarn entwickeln soll".

Die Kandidaten der Schäftlarner CSU auf den ersten zwölf Plätzen: 1. Christian Fürst, Politikwissenschaftler, 42 Jahre; 2. Susanne Dichtl, Sozialpädagogin, 65; 3. Maximilian Urban, Polizeibeamter, 30; 4. Dominic Stoiber, Pressesprecher, 39; 5. Thomas Gebauer, Geschäftsführer, 39; 6. Michael Geisenhofer, Bauingenieur, 46; 7. Irene Schrag-Presti, Veterinärmedizinerin, 48; 8. Stefan Höne, Projektkoordinator, 38; 9. Christian Doll, Bankbetriebswirt, 35; 10. Regina Böck, Qualitätssicherungsmanagerin, 51; 11. Robert Lutz, Architekt, 38; 12. Martin Schmid, Landwirt, 48.

© SZ vom 07.11.2019

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