Die Wahlkampf-Podien im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind nahezu frauenfreie Zonen. Außer in Icking gibt es nur in Münsing und Bad Tölz Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ hat nun sechs Wahlprüfsteine aufgestellt, die den Fokus auf die Interessen sowie den Schutz von Frauen und Kindern lenken sollen. Alle Kandidaten (und eine Kandidatin), die sich in Bad Tölz, Wolfratshausen und Geretsried um das Amt des Bürgermeisters oder um das des Landrats bewerben, sind aufgerufen, bis 22. Februar zwölf Fragen zu beantworten.
„Als parteiunabhängiger, gemeinnütziger Verein, der ein autonomes Frauenhaus für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach unterhält, setzen wir uns seit mehr als drei Jahrzehnten für Zuflucht, Schutz, Unterstützung und Perspektive für Frauen und Kinder ein, die von körperlicher oder seelischer Gewalt betroffen sind“, heißt es in dem Schreiben. „Doch Gewaltschutz ist nicht nur eine soziale Aufgabe – er ist eine politische Verantwortung.“
Mit Pauschalantworten geben sich die Frauen nicht zufrieden. Ihre ersten Fragen lauten: „Welches Ausmaß hat Ihres Wissens geschlechtsspezifische Gewalt in unserer Region? Welche präventiven und unterstützenden Maßnahmen möchten Sie auf kommunaler Ebene stärken oder einführen?“ Weiter geht es mit: „Wie schätzen Sie das aktuelle politische Klima in unserer Kommune in Bezug auf Gleichstellung und Gewaltschutz ein? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?“ Weitere Prüfsteine betreffen die konkrete Unterstützung des Frauenhauses oder Zukunftsvisionen. Die Ergebnisse sollen rechtzeitig vor der Wahl am 8. März veröffentlicht werden.
Dieser Artikel wurde korrigiert. In der früheren Version hieß es, nur in Icking werde in den kommenden sechs Jahren eine Bürgermeisterin die Geschäfte führen. Tatsächlich kandidieren auch in Münsing und Bad Tölz Frauen für das Bürgermeisteramt.


