Kommunalwahlen 2020 in Geretsried Alternative gesucht

Außer der CSU hat in Geretsried bisher keine Partei einen Bürgermeisterkandidaten. Freie Wähler und SPD haben noch nicht aufgegeben. Dominik Irmer erwägt eine überfraktionelle Lösung

Von Felicitas Amler

Die einen tun sich schwer, überhaupt genügend Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 zu motivieren, die anderen wollen keinen "verheizen": In Geretsried reißt sich gerade niemand darum, gegen Amtsinhaber Michael Müller (CSU) zur Bürgermeisterwahl anzutreten. Aktuell hat keine der anderen Fraktionen - Freie Wähler, SPD, Grüne - einen Bewerber oder eine Bewerberin. Die Grünen, derzeit mit drei Personen im Stadtrat, sind sogar schon ziemlich sicher, dass sie auf eine solche Kandidatur verzichten werden. Stadtrat und Umweltreferent Volker Witte sagt, er sei mit Müllers Politik weitgehend einverstanden. In der Haushaltssitzung hatte er ihm heuer sogar ausdrücklich "Mut und Durchhaltevermögen" attestiert.

Die Freien Wähler (FW) überlegen noch. Die Gruppierung war bei der Wahl 2014 mit Robert Lug als Bürgermeisterkandidat angetreten. In der Stichwahl hatte Müller ihn damals fast mit Dreiviertelmehrheit geschlagen. Lug hat sich vor Kurzem ganz aus dem Stadtrat zurückgezogen. Dominik Irmer, der die siebenköpfige Fraktion inzwischen führt, sagt, aktuell sei die Tendenz eher, bei der nächsten Wahl keinen Bürgermeisterkandidaten zu präsentieren. Entschieden werde dies aber frühestens in der Klausur, zu der sich die FW am 5. April treffen. "Es tut zwar der Demokratie gut, wenn es mehrere Kandidaten gibt", sagt Irmer, "aber man will keinen ins Rennen schicken, der keine Chance hat. Man verbrennt ja sonst Leute."

Die Freien Wähler waren 2014 nicht nur bei den Bürgern mit ihrem Bürgermeisterkandidaten unterlegen, sondern auch unter den Kollegen im Stadtrat mit ihrer Kandidatin für die Stellvertretung: Eine Mehrheit aus CSU und SPD hatte der zweitstärksten Fraktion damals das Ehrenamt verweigert. Sonja Frank wurde nicht zur Dritten Bürgermeisterin gewählt - und dies, nachdem die Freien Wähler zugunsten des SPD-Kandidaten Hans Hopfner auf den Zweiten verzichtet hatten.

Freie Wähler mit Quote

Irmer sagt, die Freien Wähler hätten in den vergangenen Wochen schon zwei Klausuren zu Personalfragen gehabt, bei denen es um die Stadtratskandidaturen gegangen sei. Dabei sei beschlossen worden, die Liste soweit wie möglich "paritätisch" zu besetzen, also abwechselnd mit einer Frau und einem Mann. Auch bei der Bürgermeisterkandidatur wäre für die Freien Wähler eine Frau wünschenswert. Einen Namen gibt es aber nicht. Sonja Frank jedenfalls, die nach der Wahl 2014 nicht Dritte Bürgermeisterin, sondern zunächst Referentin für Jugend, dann für Integration und Soziales wurde, winkt ab. Einerseits weil sie ihre Arbeit mit Kindergruppen nicht aufgeben möchte. Andererseits weil sie sich, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, "in viele Bereiche erst einarbeiten müsste", wie sie sagt. Ein typisches Argument von Frauen, die nach einer Kandidatur gefragt werden: "Ja, das ist mir auch schon gesagt worden."

Ganz entschieden sagt Kerstin Halba (SPD) Nein zu einer Bürgermeisterkandidatur. Als Stadträtin will sie sich zwar wieder bewerben, aber für mehr stehe sie nicht zur Verfügung: "Dafür mache ich andere Dinge viel zu gern." Sie nennt den Vorsitz im Geretsrieder Trägerverein für Jugend- und Sozialarbeit und ihre Selbständigkeit als Tier-Heilpraktikerin. Halba erklärt, für die SPD es sei schon schwierig, die Stadtratsliste entsprechend der 1 : 1-Quotierung mit Männern und Frauen zu besetzen. Ohnedies tue sich die SPD, die bei der bayerischen Landtagswahl 2018 auf unter zehn Prozent gefallen ist, "doppelt schwer". Halba sagt: "Die Grünen haben es, glaube ich, in dem Wahlkampf leichter."

Hans Hopfner (SPD), Zweiter Bürgermeister von Geretsried, sagt, bisher habe seine Partei erst eine Besprechung zur Kommunalwahl 2020 gehabt: über die Stadtratsliste. Sicher sei, dass alle amtierenden Stadträte bis auf Walter Büttner sich wieder bewerben wollen. Ob es einen SPD-Bürgermeisterkandidaten geben werde, sei "noch in der Diskussion". Für sich selbst schließt er dies jedoch anders als 2014 aus. Damals hatte Hopfner im ersten Wahlgang 26,7 Prozent der Stimmen erhalten (Müller 46,3 Prozent, Lug 27). Im kommenden Jahr werde er 64 Jahre alt, sagt Hopfner: "Da hätte ich, wenn ich gewählt würde, genau eine Amtszeit." Aber seiner Ansicht nach brauche ein Bürgermeister, "wenn er etwas erreichen und bewegen will", mindestens zwei Perioden. Hopfner findet, es würde der SPD "natürlich gut zu Gesicht stehen", wenn sie mit einer eigenen Bewerbung ums Bürgermeisteramt anträte, umso mehr, wenn es eine Frau wäre. Er hat noch nicht aufgegeben: "Man muss Gespräche führen."

Das hält auch FW-Sprecher Irmer für angezeigt. "Wir wollen mal schauen, was die anderen Fraktionen machen", sagt er und schließt eine gemeinsame Kandidatin oder einen Kandidaten nicht aus. Die Frage, ob es denn inhaltlich Positionen zu vertreten gäbe, die von jenen Müllers abweichen, bejaht Irmer. "Vor allem im schulischen Bereich. Die anstehenden Sanierungen hätten wir Freien Wähler gern mehr und konsequenter angeschoben." An ihrem Wahlprogramm arbeiteten die Freien Wähler auch bereits, sagt Irmer, verrät aber noch keine Details.