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Kommunalwahl in Wolfratshausen:Nähen gegen Corona

Coronavirus

„Wor näht“ nennt sich die Initiative von Ines Lobenstein. Mehr als 200 Baumwollmasken mit Gummiband haben sie und ihre rund 50 Helfer inzwischen gefertigt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Auf Initiative von Ines Lobenstein stellen 50 Wolfratshauser Atemschutzmasken aus Baumwolle her - auch für Wahlhelfer. Die Schutzwirkung der Mundverhüllung ist umstritten

Die Auszählung der Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag im Wolfratshauser Rathaus wird bunt. Denn die zahlreichen Wahlhelfer, die sich in Corona-Krisenzeiten über Tausende Wahlbriefe beugen werden, um zu notieren, wo die Kreuze gemacht wurden, werden Gesichtsmasken aus Baumwollstoffen tragen, die unterschiedlich gefärbt und gemustert sind. Mehr als fünfzig Freiwillige haben sie in den vergangenen Tagen genäht, um mit ihrer Heimarbeit dazu beizutragen, die Ausbreitung des Virus ein bisschen mehr einzudämmen.

Entstanden ist die Masken-Aktion auf Initiative von Ines Lobenstein. Die Leiterin der Caritas-Wohnungslosenhilfe in Wolfratshausen hat sich intensiv mit dem Thema befasst, wie sie sagt. "Ich habe viel darüber gelesen, auch Studien, die besagen, dass selbst genähte Masken nicht schlecht sind", erklärt sie. Zunächst habe sie Masken für sich selbst genäht, berichtet Lobenstein. Schließlich sei sie gerade krank. Zwar habe sie nicht das Coronavirus, das habe ein Test nach fünf Tagen Fieber ergeben. Aber sie hatte sich mit Grippe angesteckt. Noch ein Virus wollte sie sich nicht einfangen. Und: "Ich wollte die anderen Leute nicht gefährden."

Viele Anfragen

Lobenstein hat eine Anleitung zum Selbernähen aus dem Internet in den sozialen Netzwerken gepostet - und viele Anfragen bekommen, wer solche Masken nähen könne, wie sie sagt. Daraufhin habe sie einen Aufruf gestartet, auf den viele reagiert hätten. "Inzwischen haben wir 50 Leute", sagt Lobenstein.

Mehr als 200 Baumwollmasken mit Gummiband seien so schon entstanden. "WOR näht", wie sich die Initiative nennt, hat laut Lobenstein bisher eine Physiotherapiepraxis beliefert und zahlreiche Masken an Risikopatienten ausgegeben. Die freiwilligen Helfer fertigen sie zu Hause an und bringen sie dann bei Lobenstein vorbei - "vor die Tür", wie sie betont. Demnächst werde ihr Mann Peter 50 Stück an das AWO-Demenzzentrum am Paradiesweg liefern und am Sonntag dann 100 ins Rathaus mitnehmen - für die Wahlhelfer, zu denen der frisch gewählte Grünen-Stadtrat selbst gehört. Sie habe aber auch schon einige Masken an Bürger abgegeben, die sich besser fühlen, wenn sie eine tragen, etwa weil sie wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören, berichtet Lobenstein.

Das Tragen selbst genähter Gesichtsmasken propagieren derzeit auch zahlreiche Prominente unter dem Hashtag #maskeauf im Internet. Da hochwertige Einwegmasken kaum zu bekommen sind und zudem vom medizinischen Personal in den Krankenhäusern dringend benötigt werden, rufen sie dazu auf, sich mit selbstgemachten Baumwollstoffen zu verhüllen. "Die Idee: Wenn alle Menschen im öffentlichen Raum Atemschutzmasken tragen, kann die Ausbreitung von Sars-CoV-2 verlangsamt werden", heißt es auf der Webpage maskeauf.de. Die Wirkung dieser Masken zum Virenschutz ist in der Wissenschaft umstritten. Ihre Verfechter argumentieren jedoch damit, dass sie einen Teil der Tröpfchen abhielten und vor allem dazu dienten, dass die Träger ihre Mitmenschen schützten.

Auch Lobenstein betont, dass die genähten Masken keinen hundertprozentigen Schutz bieten können. "Natürlich gibt das nicht die absolute Sicherheit", sagt sie. "Ich kann nicht sagen: Ich trage eine Maske, ich mache alles wie vorher." Die Vermummten müssten auch weiterhin die derzeit geltenden Hygieneregeln befolgen, die das Robert-Koch-Institut vorgibt. Auch mit Maske muss man also soziale Kontakte wenn möglich vermeiden, Sicherheitsabstand zu den Menschen halten, sich regelmäßig die Hände waschen und in die Armbeuge husten. Der Baumwollschutz könne aber wesentlich dazu beitragen, die Ausbreitung von Corona einzudämmen, glaubt Lobenstein. Schließlich wüssten die meisten gar nicht, ob sie infiziert seien. "Wenn jeder so eine Maske trägt, stecken sich weniger an", meint die Wolfratshauserin. Das habe sich etwa in Japan gezeigt, wo Gesichtsmasken weit verbreitet seien.

Einfach herzustellen

Sie herzustellen ist laut Lobenstein einfach. Wichtig sei es, nur einen Baumwollstoff zu verwenden, der auch kochbar sei. Schließlich müssten die selbst genähten Masken nach jedem Tragen in die Kochwäsche. Deshalb gebe sie meist auch gleich zwei Stück an die Bürger aus. Die Wahlhelfer am Sonntag bekämen allerdings je nur eine, da sie nur zur Auszählung zusammenkämen.

Sie sei zwar noch krank, sagt Lobenstein. Aber kleine Spaziergänge mache sie schon. "Dann setze ich immer eine Maske auf, auch um zu zeigen, dass das einfach besser ist." Außerdem, findet sie, sehen die bunten Baumwollmasken "auch witzig aus". Und sie hätten einen weiteren, in Corona-Zeiten nicht zu unterschätzenden Vorteil: "Man fasst sich nicht ständig ins Gesicht."

© SZ vom 28.03.2020
Ines Lobenstein mit Atemschutzmaske, Initiative "WOR näht", Corona

Die Masken müssen jeden Tag in die Kochwäsche.

(Foto: Privat/oh)

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