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Kommunalwahl in Penzberg:"Im Herzen eine Grüne"

Podiumsdiskussion Kommunalwahlen 2020

Bürgermeisterkandidatin Kerstin Engel nennt einen Wechsel im Penzberger Rathaus zwingend.

(Foto: Manfred Neubauer)

Bürgermeisterkandidatin Kerstin Engel und Team präsentieren ihr Programm

Klimaschutz gehört zu den Kernkompetenzen der Grünen. So verwundert es nicht, dass sich der Penzberger Ortsverband dafür stark macht. In jüngster Vergangenheit hat die Stadtratsfraktion mit zahlreichen Anträgen von sich reden gemacht. Sie wurden in einer eigens einberufenen Sitzung fast alle positiv beschieden. Kerstin Engel, Kandidatin fürs Bürgermeisteramt, nennt dies "prima platziert". Doch selbst wenn Anträge vom Stadtrat beschlossen würden, hieße dies noch lange nicht, dass sie auch umgesetzt würden. Engel hat damit in den vergangenen Jahren Erfahrungen gemacht. Umso wichtiger sei es, dass die Grünen nach der Kommunalwahl am 15. März stark im Stadtrat vertreten seien, sagte Engel.

Sie sei im Herzen eine Grüne, sagte die 51-Jährige am Freitagabend beim Neujahrsempfang im Wirtshaus zur Koinschaufe. Kurz umriss sie das Wahlprogramm ihres Teams. Wie bei den anderen Parteien und Gruppierungen ist die Stadtentwicklung ein Schwerpunkt. Engel bekannte sich zu einer innerstädtischen Verdichtung, um vor allem bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können. Doch dürften die Grenzen der Versiegelung nicht in dem Maße weiter überschritten werden, wie es laut der 51-Jährigen Usus sei. Die Versiegelung werde durch die Baunutzungsverordnung vorgegeben. In Penzberg werde die Vorgabe selten eingehalten. Engel nannte als Beispiel eine Baulücke an der Sindelsdorfer Straße. Dort sei eine Versiegelung in Höhe von 40 Prozent zulässig, der Stadtrat hat für das Areal 80 Prozent beschlossen. "Aber dort leben Menschen", sagte Engel. Und zwar in Wohnungen, "wo ich nicht sicher bin, ob wir selbst darin leben wollten".

Weil die Grundstücke dichter bebaut und in Folge die Gärten immer kleiner würden, müsse sich die Stadt ein Grünkonzept geben. Doch nicht nur in diesem Bereich sieht Engel den Bedarf eines Gesamtkonzepts. "Seit zwölf Jahren sind im Rathaus jedes Mal im April alle erstaunt, dass wir zwei Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt zu wenig haben." Was folge, seien Ad-hoc-Aktionen wie jüngst die neue Krippe auf dem Grundschulpausenhof an der Birkenstraße.

Was sie ärgere, sei, dass den Stadträten Zahlen vorgelegt würden, auf die kein Verlass sei. Als Beispiel nannte Engel die Prognose der Schülerzahlen. Laut den von der Verwaltung vorgelegten Daten wäre eine Erweiterung der Grundschulen nicht nötig. Die Realität spreche anderes, allein wenn man den Zuzug berücksichtige. Engel rechnet mit mindestens 120 Kindern im Neubaugebiet Birkenstraße. Dieses "Ich habe recht" ärgere sie, sagte die 51-Jährige.

Im Übrigen verstehe man sich untereinander im Stadtrat nicht schlecht. Der Graben verlaufe im Sitzungssaal vorne an der Stirnseite. Unter Bürgermeisterin Elke Zehetner sei Vertrauen zerstört und viel Porzellan zerschlagen worden. Ein Wechsel im Rathaus sei zwingend - "damit wir wieder mehr Miteinander in der Stadt haben".

Neben Engel trugen auch einige Stadtratskandidaten Punkte aus dem Wahlprogramm vor. Sebastian Fügener, Listenplatz 4, etwa hat sich dem Thema "Familien und Kinder" gewidmet. Spielplätze müssten wieder zu Treffpunkten für alt und Jung werden, sagt der 36-Jährige. Auch in diesem Bereich bedürfe es eines Gesamtkonzepts. Die Eintrittspreise im neuen Familienbad müssten bei fünf Euro liegen.

© SZ vom 20.01.2020