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Kommunalwahl in Geretsried:"Ich bin mir klarer, wen ich wähle"

Kommunalwahl 2020

Ananas oder Zitrone - Gewinner oder Verlierer? SPD-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Werner (3.v.l.) kickt mit den Jugendlichen im "Saftladen". Rechts neben ihm steht der amtierende Bürgermeister Michael Müller (CSU).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Im Jugendzentrum "Saftladen" fühlen Jugendliche den vier Geretsrieder Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn und diskutieren über Themen wie bezahlbarer Wohnraum und Ökologie

Von Anja Brandstäter, Geretsried

"Ping pong" tönt es aus dem Sportraum im Geretsrieder Jugendzentrum "Saftladen". Martina Raschke (Grüne) schlägt vier Jugendliche elf zu neun beim Tischtennis. Dafür bekommt sie eine Ananas. Zur gleichen Zeit treffen weitere vier Jugendliche beim Air-Hockey auf Michael Müller (CSU). Er verliert und kassiert eine Zitrone. Nicht besser geht es Larry Terwey (FDP) am Billardtisch. Die Jugend hat acht zu neun gewonnen. Tapfer kickt Wolfgang Werner (SPD) gegen drei Jugendliche beim Tischfußball. Nach zehn Minuten erklingt ein Gong und die Politiker wechseln das Spiel und die Räume. Nach 40 Minuten hat jeder Jugendliche mit jedem Geretsrieder Bürgermeisterkandidaten gespielt.

"Es geht darum, dass die Jugendlichen merken, dass die Politiker ganz normale Leute sind", sagt Gastgeber und Geschäftsführer des Saftladens, Rudi Mühlhans. Allen vier Kandidaten scheint es Spaß zu machen. Der Einladung zu "Schlag die Bürgermeisterkandidaten" folgen etwa 25 junge Menschen. Die meisten kommen, so oft sie Zeit haben, in den Saftladen. Stammgäste sozusagen.

Die Jugendlichen sollen die Aspiranten persönlich kennen lernen. Theoretisch haben sie das schon getan. Im Saftladen hängen Porträts der vier Kandidaten. Dort ist zu erfahren, dass Müller als Kind Filmregisseur werden wollte, während sich der junge Terwey als Sprengmeister sah. Alle vier halten es für erstrebenswert, das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken. FDP-Mann Terwey verspricht den Jugendlichen, stets ein offenes Ohr für sie zu haben, sollte er denn Bürgermeister werden. Werner möchte Geretsried unter anderem mit Soccer-Five-Plätzen als Sportstadt ausbauen. Dagegen wirbt der amtierende Bürgermeister Müller mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und einem besseren Freizeitangebot. Raschke wünscht sich mehr Begegnungsstätten für Jugendliche.

Nach der Spielrunde wird den Kandidaten auf den Zahn gefühlt: Was wissen sie über die Jugendarbeit, die Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der jungen Menschen und welche Vorschläge haben sie? Um dies herauszubekommen, hat sich Mühlhans Fragen ausgedacht, welche die Kandidaten mittels Karten in den Farben weiß, rot und grün beantworten. Zur Sprache kommen Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Aufenthaltsplätze für Jugendliche sowie ein verbesserter öffentlicher Nahverkehr und Ökologie. Da kommt plötzlich eine Wortmeldung: "Schade, dass es notwendig ist, dass Jugendliche hierfür auf die Straße gehen müssen", sagt der 20-jährige Michael. "Wenn man selbst nichts tut, passiert nichts." Michael war im Jugendrat der Stadt Geretsried und saß schon oft in Stadtratssitzungen. Heute möchte er den Kandidaten persönlich begegnen. Noch ist er nicht festgelegt, wen er am 15. März wählen wird. "Mein Thema ist bezahlbarer Wohnraum, und ich möchte mit jedem Kandidaten darüber sprechen", sagt er.

Diese Gelegenheit bekommt Michael, denn zum Abschluss der Veranstaltung stehen die vier Kandidaten an Stehtischen Rede und Antwort. Wenn auch die meisten Anwesenden noch nicht wählen dürfen, so können sie online an der Jugendkommunalwahl teilnehmen. Insgesamt 1412 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sind im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgefordert, bis zum 14. März (18 Uhr) unter www.kjr-toel.de/jukowa an der Abstimmung teilzunehmen.

"Ich wähle auf jeden Fall online", sagt Jennifer. Die 14-Jährige erzählt: "In der Schule sprechen wir gar nicht über Politik. Ich finde es toll, dass die Kandidaten das mitmachen." Jakob ist 19 Jahre alt und Mitglied des Jugendrats. "Mir macht die Gremienarbeit großen Spaß. Zurzeit setzen wir uns für eine Blade Night ein", erzählt er.

"Wir wohnen hier, wir sind die Zukunft", sagt die 17-jährige Anna. Sie absolviert ein freiwilliges soziales Jahr. "Ich finde die Veranstaltung wichtig, um mich zu orientieren. Auf jeden Fall mache ich die Online-Wahl." Der 18-jährige Maxi ist Erstwähler: "Es hat Spaß gemacht, mit den Politikern zu sprechen. Ich bin mir jetzt klarer, wen ich wähle."

© SZ vom 24.02.2020

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