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Kommunalwahl in Geretsried:Der Solist fühlt sich vom Bürgermeister frustriert

Kommunalwahl 2020

Günther Fuhrmann übt massiv Kritik an Bürgermeister Michael Müller.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Günther Fuhrmann hofft auf FDP-Fraktionsstärke im nächsten Stadtrat. Listenaufstellung ohne Personenvorstellung

Günther Fuhrmann hat vor allem ein Ziel: Die FDP soll mit Fraktionsstärke - das wären drei Sitze - im nächsten Geretsrieder Stadtrat vertreten sein. Fuhrmann sitzt dort bisher als FDP-Solist und findet das nach bald sechs Jahren äußerst "frustrierend", wie er am Freitagabend bei der Aufstellung der Stadtratsliste im Restaurant am Bibisee sagte. Fuhrmann sparte nicht mit Kritik an Bürgermeister Michael Müller (CSU), der ihn von Kenntnissen ausgeschlossen habe, wie sie die Fraktionen auf kürzerem Weg erhielten. Im Übrigen hielt er Müller vor, sich "Maßregelungen" gegenüber anderen Stadträten "anzumaßen". Er spielte vor allem auf den in der CSU nicht mehr gelittenen Volker Reeh an.

Die FDP nominierte ihre 15 Kandidaten für die möglichen 30 Stadtratsplätze jeweils doppelt, um keine Stimmen zu verlieren. Die Bewerber stellten sich weder inhaltlich noch auch nur namentlich vor. Vielmehr heftete der Ortsvorstand Zettel mit ihren Namen auf eine Stellwand. Die Versammlung mit acht Stimmberechtigten wurde gefragt, ob sie die von Fuhrmann vorgewählte Reihung verändern wollte. Das war nicht der Fall. Die Frage von Armin Prokscha, ob die Frauen - es sind nur zwei auf den Plätzen neun und 13 - nicht weiter vorne stehen sollten, wurde damit beantwortet, dass diese das nicht wollten.

So wählten die acht Mitglieder die Liste einstimmig en bloc. Listenführer ist Bürgermeister-Kandidat Larry Terwey, der zwei Wochen zuvor nominiert worden war. Auch er sprach in der Versammlung nicht. Stattdessen würdigte Fuhrmann ihn: Terwey sei "ein Mann, der wie kein Zweiter die soziale Marktwirtschaft repräsentiert"; er habe soziale Kompetenz, die Familie sei ihm wichtig, und er werde sich für Gesundheits- und Schulpolitik einsetzen. Insofern, so Fuhrmann, werde sich die FDP im nächsten Stadtrat "dem dagegenstellen, was uns in den letzten sechs Jahren geboten wurde". Der Ortsverband sei durch viel inhaltliche Vorarbeit zu einem Team zusammengewachsen. Es gehe nicht darum, "schnell mal zu kandidieren"; auch künftig sollen regelmäßige Treffen zur politischen Arbeit stattfinden. Zur Politik gehörten, so Fuhrmann, Haltung und der Mut, "sich nicht von so autoritären Menschen ins Bockshorn jagen zu lassen".

Tiefgarageneinfahrt verschieben

Fuhrmann legte der Versammlung s einen Antrag dar, der im nächsten Stadtrat am Dienstag auf der Tagesordnung steht. Es ist sein Veto gegen die in der Egerlandstraße geplante Tiefgarage in der jetzt geplanten Version. Fuhrmann hält eine Ein- und Ausfahrt nur wenige Meter von der Einmündung des Fasanenwegs für unmöglich. Nach seiner Vorstellung könnte sie entweder vollständig entfallen oder weiter nach Süden geschoben werden. Der FDP-Stadtrat räumte ein, er könne die Situation nicht auf der Grundlage exakter Pläne beurteilen, da er solche trotz Nachfrage im Rathaus nicht bekommen habe.

Fuhrmann kritisierte auch den Mangel an Autostellplätzen, wie er sich beim geplanten Sparkassen-Neubau an der Ecke Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße abzeichnet. Die Tiefgarage, welche die Sparkasse baut, reicht für den Bedarf nicht aus, das hatte Vorstandssprecher Christian Spindler vor Kurzem auch im Gespräch mit der SZ erklärt. Spindler sagte, sein Unternehmen verhandle gerade darüber, Stellplätze abzulösen. Fuhrmann sagte, an Stellplätze für Fahrräder, vor allem die zunehmend beliebten und wertvollen E-Bikes sei gar nicht gedacht. Bürgermeister Müller habe sich nicht für Fußgänger oder Radfahrer eingesetzt, so Fuhrmann, der daraus die Schlussfolgerung ableitete: "Nicht nur die Stadträte, auch die Bürger werden verarscht."

Die FDP-Liste: 1. Larry Terwey; 2. Edmund Häner, 3. Günther Fuhrmann, 4. Torsten Mohr, 5. Markus-René Lisy, 6. Patrick Weiß, 7. Armin Prokscha, 8. Johann-Georg Wagner, 9. Rita Golling, 10. Andreas Fuhrmann, 11. Diana Terwey, 12. Christoph Kühbauch, 13. Sarah Häner, 14. Mario Tunjic, 15. Martin Hindelang.

© SZ vom 25.11.2019
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