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Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:Verkehr raus, Leben rein

Kommunalwahl 2020

Großer Andrang herrschte beim SZ-Podium zur Bürgermeisterwahl im Spätberufenenseminar St. Matthias in Waldram.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Beim SZ-Podium sind sich die Bürgermeisterkandidaten in Wolfratshausen einig: Die Altstadt muss aufgewertet werden. Welche Rolle Autos dort künftig noch spielen können - dazu gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen.

So langsam geht es beim Kommunalwahlkampf in die heiße Phase. Am Montagabend haben nun auch die Bürgermeisterkandidaten in Wolfratshausen versucht, die versammelten Wähler von ihren Ideen zu überzeugen. Bei einer von den Redakteuren Florian Zick und Konstantin Kaip moderierten Podiumsdiskussion der SZ Bad Tölz-Wolfratshausen stellten sich in der voll besetzten Aula des Waldramer Kollegs St. Matthias die Bewerber vor, die in der Stadt die Geschicke in die Hand nehmen wollen: Neben Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) sind dies die Stadträte Manfred Menke (SPD), Annette Heinloth (Grüne), Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) und Günther Eibl (CSU).

Die persönlichen Profile der Kandidaten könnten unterschiedlicher kaum sein: Da ist die Psychologin Heinloth, die schon die verschiedensten Führungspositionen ausgeübt hat, der begeisterte Motorradfahrer und bodenständige Spenglermeister Kugler, der zahlen- und statistikorientierte Mathematiklehrer Menke und schließlich der Unternehmer Eibl, besonnener Chef eines hiesigen Elektrobetriebs. Heilinglechner selbst sieht sich nicht nur als Vorgesetzter der Rathausverwaltung, sondern auch als Gebieter über seine 25 gehörnten "Damen", die der Weidacher Bio-Landwirt morgens vor Dienstantritt stets eigenhändig zu füttern pflegt. Denn im Stall fühle er sich noch "geerdet".

Heinloth zeigte sich auf die Frage hin, wie sie sich denn beim aktuellen Höhenflug der Grünen fühle, sehr entspannt: "Ich empfinde da keinen persönlichen Druck, sondern nur Freude." Kugler wiederum gewährte einen Einblick in die kommunalpolitische Strategie seiner neu gegründeten Gruppierung, die den Ruf genießt, grundsätzlich gegen alles zu sein. So war auch sein geäußertes Credo unmissverständlich: "Wenn ich bei einer Abstimmung nicht das Maximale herausholen kann, dann sage ich Nein. So einfach ist das." Ganz anders wiederum gab sich der unternehmerisch denkende Eibl, der erklärtermaßen auf Kooperation und Kompromisslösungen bedacht ist - sowohl zwischen den Rathausfraktionen als auch im Umgang mit der Nachbarstadt Geretsried.

Bei der anschließenden Debatte über das Wolfratshausen 2030 kam die gesamte Palette der örtlichen Reizthemen zur Sprache: der viele Verkehr, die Umgestaltung der Marktstraße, die S-Bahn-Verlängerung und die geforderte Dreifachturnhalle, aber auch der umstrittene Untermarkt 10, die Surfwelle, der Badweiher, das Loisachufer und nicht zuletzt auch die teure Sanierung der Hammerschmiedschule, mit der die Stadt finanziell an ihre Grenzen stößt.

Heilinglechner beschwor die Vision 2030 mit einem "großen Traum", in dem all die genannten Themenbereiche abgearbeitet sind. Allerdings werde man auch in zehn Jahren "am Auto nicht vorbeikommen". Selbst dann noch müssten motorisierte Verkehrsteilnehmer, Fußgänger und Radfahrer "ein verträgliches Miteinander finden". Heinloth indes sieht in der idealen Innenstadt "den gesamten Autoverkehr verschwinden". Stattdessen schwebt ihr eine "kleine Flotte von E-Bussen" vor, "die durch ein gemütliche Zentrum fährt". Auch Menke schwelgt in der Vorstellung einer Altstadt, "in der Radfahrer und die Elektrobusse gleichberechtigt sind", die Durchfahrt von Autos durch die Altstadt müsse "unattraktiv werden". Als Realist präsentierte sich Eibl: Die Stadt müsse einschätzen, was sie sich angesichts der sündteuren Schulsanierung überhaupt noch leisten könne. Auch er hegt aber zumindest eine Hoffnung: "Dass die Sportler bis 2030 eine weitere Turnhalle bekommen." Heilinglechner würde zudem am liebsten sofort die "Mama-Taxis" verbannen. "Da fahren die Mütter ihre Kinder fast direkt bis ins Klassenzimmer und lassen dort sogar noch den Motor laufen." Da brauche man über Klimaschutz nicht zu reden.

Auch Bürger hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Wegen der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angestoßenen Debatte um eine flächendeckende Schließung kleiner Kliniken wurde dabei auch die Sorge um den Bestand der Wolfratshauser Kreisklinik geäußert. Da schalteten jedoch alle fünf Kandidaten auf Kampfmodus. "Das darf mit uns nicht passieren", erklärte Heilinglechner.

Beim Dauerthema Baumschutzverordnung zeigten sich die Kandidaten dagegen uneinig: Eibl und Heilinglechner vermuten, dass schon bei der Ankündigung einer solchen Bestimmung die Hauseigentümer zur Axt greifen, um später nicht dafür belangt werden zu können. Heinloth dagegen setzt auf Einsicht bei den Bürgern: "Die Menschen sind vernünftig, die hauen doch die Bäume nicht einfach weg."

© SZ vom 19.02.2020
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