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Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:Kampfeslustig auch ohne Florett

Kommunalwahl 2020

Erst der Flyer, dann die Nominierung: Larry Terwey (Mitte), Schatzmeister Edmund Häner (links) und FDP-Ortssprecher Günther Fuhrmann waren sich ihrer Sache sicher.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zur Begeisterung seiner Parteifreunde tritt Larry Terwey in Geretsried für die FDP als Bürgermeister-Kandidat an. Er setzt auf Soziales, Umwelt und Sport

Er habe schon Florett gefochten, erzählt Larry Terwey. Und sprechen kann er im Tempo eines Hochleistungssprinters, das haben die Besucher der Nominierung des Geretsrieder FDP-Bürgermeister-Kandidaten am Donnerstagabend erlebt. Terweys Bereitschaft, gegen den amtierenden Bürgermeister Michael Müller (CSU) anzutreten, begeistert seine Parteifreunde. Und man hatte am Donnerstag im Restaurant am Bibisee den Eindruck: auch ihn selbst.

Sehr aufgeräumt und mit Dauerlächeln präsentierte er seinen bunten, an beruflichen wie familiären Stationen reichen Lebensweg von der Geburt 1965 in Berlin über München, den Chiemsee und Wolfratshausen bis Geretsried; vom Postbeamten über den Vertriebsspezialisten bis zum IT-Manager; vom Elternbeirat über die Waldorfschule bis zu den Wirtschaftsjunioren; von der kommunalpolitischen Kandidatur für die BVW in Wolfratshausen bis eben zur Bewerbung ums Bürgermeisteramt für die FDP: "Ich verstehe das als Auftrag, mich für Geretsried einzusetzen", sagte er. Und dass er sehr stark darin sei, zu erkennen, wo "in komplexen Organisationen was klemmt".

Der Kreis der FDP-Mitglieder hat nach den Worten des Vorsitzenden Günther Fuhrmann seit Gründung des Ortsverbands Geretsried-Wolfratshausen im Februar von 16 auf heute 25 zugenommen. An der Nominierung des Bürgermeister-Kandidaten nahmen sieben Stimmberechtigte teil, sechs votierten in schriftlicher Abstimmung für Terwey, einer enthielt sich. Wie sicher Terwey und der Vorstand sich der Wahl waren, zeigte sich danach: Der Kandidat legte einen gedruckten Vierfarbflyer vor: Auf der Titelseite ein nachdenklich in die Ferne blickender Larry Terwey in Anzug und Krawatte, innen seine Vita in Stichpunkten und - ganz im Stil amerikanischer Wahlkämpfe - ein Foto des Kandidaten im legeren Polohemd, Seit an Seit mit Ehefrau Diana; auf der Rückseite schließlich das, was er als "Werte" benennt: "familiär und sozial; direkt und ehrlich; professionell und transparent".

In der mündlichen Vorstellung konzentrierte sich Terwey auf drei Themenschwerpunkte: Klimaschutz, Familie und Wohnen in Geretsried, Digitalisierung. Er sei selbst adoptiert, erklärte er, und habe sich vermutlich dadurch motiviert 20 Jahre lang um Pflegekinder gekümmert. Eines sei "hängen geblieben", ein 17-jähriges Mädchen. Dass es außerdem zwei erwachsene leibliche Söhne gibt und fünf Kinder, die seine zweite Frau Diana mit in die Ehe gebracht hat, steht wiederum im Flyer.

Der FDP-Ortsverband, so hieß es an dem Abend mehrmals, arbeite seit langem an einem Programm. Mit inhaltlicher Arbeit habe die FDP Geretsried-Wolfratshausen schon vor ihrer förmlichen Gründung begonnen, erklärte Fuhrmann: mit einem Arbeitskreis Mittelzentrum. Der Ortsvorsitzende ist erkennbar animiert durch das starke Miteinander. Es sei "eine tolle Sache", so sagte er am Donnerstag, so intensiv zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen.

Fuhrmann hofft auf einen Schub für seine Partei bei der Kommunalwahl 2020, zu der sie mit einer Kreistagsliste und mit Stadtratskandidaten in Geretsried, Wolfratshausen und Bad Tölz antritt. Bei der Wahl 2014 sei er als einziger gewählt worden - in den Geretsrieder Stadtrat und in den Kreistag: "Das hält man nicht durch", sagte der 75-Jährige, "es ist zu anstrengend." Bei Terwey findet er jedenfalls Unterstützung, denn dessen erklärtes Ziel ist es, "die FDP sehr stark zu machen". Fuhrmann wiederum würdigte Terweys Bereitschaft zur Kandidatur, die für den Vorstand so überraschend wie erfreulich gewesen sei: "Das ist schon ein Akt, wenn man sich das zumutet."

Die Wahl wurde von einem prominenten Parteifreund geleitet: Thomas Ranft, der für die FDP im Münchner Stadtrat sitzt und in Geretsried Präsident des Eishockeyclubs River Rats ist. Als dann der offizielle Teil der Nominierung vorbei war und in eine Plauderei überging, sprach Ranft vom gerade erst wieder mit einem Dach versehenen Geretsrieder Eisstadion, den guten Teams der River Rats, die deutschlandweit für ihre Nachwuchsarbeit bekannt seien und damit für Geretsried "ein Image-Bringer". Terwey nahm den Ball auf, betonte die Bedeutung des Sports, der zu Inklusion und Integration beitrage, und erwähnte eben sein einstiges Florettfechten.