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Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:Exodus der Erfahrenen

13 der bisherigen 60 Kreisräte verpassen den Einzug ins neue Gremium

Es wird eine tief gehende Zäsur sein, wenn im Mai ein neuer Kreistag seine Arbeit aufnimmt. Denn in dem Gremium sitzen dann nicht nur zahlreiche Neue, weil sich einige langjährige und erfahrene Kreisräte nicht wieder haben aufstellen lassen. Auch viele arrivierte Kräfte, die ihre Arbeit fortführen wollten, werden fehlen. Denn 13 der bisherigen 60 Kreisräte, die erneut kandidierten, wurden nicht wiedergewählt - trotz ihrer Erfahrung, Bekanntheit und in den meisten Fällen auch aussichtsreicher Listenplätze.

Aufstellungs-Versammlung SPD Ortsverein Kochel

Nicht wieder im Kreistag: Klaus Barthel.

(Foto: Manfred Neubauer)

Hier trifft es die SPD am härtesten: Klaus Barthel ist einer von insgesamt vier SPD-Kreisräten, die in der neuen Amtsperiode nicht mehr im Kreistag sitzen werden. Er gehörte dem Gremium seit 2002 an. Damit verliert die Fraktion nicht nur ihren Sprecher. Barthel verfügt zudem als ehemaliger Bundestagsabgeordneter - er saß von 1994 bis 2017 in Bonn beziehungsweise Berlin - über großes politisches Wissen. Ebenfalls nicht mehr im Gremium sein wird der bisherige stellvertretende SPD-Kreisfraktionssprecher Willi Streicher - und das nach 18 Jahren, die er sich dort engagierte. Auch Edith Peter und Gabriele Skiba müssen sich zurückziehen. Vor sechs Jahren hatte sich Skiba noch für das Amt der Landrätin beworben.

Doch die SPD ist nicht die einzige Fraktion, die nun auf Erfahrung verzichten muss. Bei der CSU muss Peter Plößl seinen Platz im Kreistag abgeben, ebenso wie der Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher. Bei den Freien Wählern erhielten sowohl der amtierende Zweite Bürgermeister von Bad Tölz, Andreas Wiedemann, nicht genug Stimmen für den Wiedereinzug als auch der ehemalige Wolfratshauser Bürgermeister Helmut Forster. Ihm bleibt damit nur das Mandat im Wolfratshauser Stadtrat, das er nun für die Wolfratshauser Liste annehmen wird.

Die Grünen konnten zwar ihre aktuellen Mandatszahlen deutlich steigern, nämlich von neun auf dann 13 Sitze. Doch auch in ihrer Fraktion werden künftig zwei arrivierte Kräfte fehlen: Mechthild Felsch verpasste den Wiedereinzug knapp um weniger als 50 Stimmen und landete auf Platz 14. Volker Witte hingegen landete abgeschlagen auf dem 25. von 30 Plätzen.

Jeweils einen Wechsel gibt es bei der FDP und der Bayernpartei. Beide Parteien konnten zwar ihren jeweils einzigen Sitz erhalten. Künftig aber wird für die Freien Demokraten nicht mehr Günther Fuhrmann aus Geretsried, sondern Larry Terwey die Kreispolitik mitlenken, der fast 700 Stimmen mehr holte als Fuhrmann. Und bei der Bayernpartei erhielt der Lenggrieser Wolfgang Morlang über 3850 Stimmen mehr als der bisherige Kreisrat Robert Mayr. Bei der FUW, deren Mandate von zwei auf eines schrumpften, wird Aniela Müller künftig nicht mehr dabei sein.

© SZ vom 21.03.2020

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