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Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:Einzelkämpfer im Quartett

Der Krankenkassenfachwirt Wolfgang Morlang will ins Rathaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bayernparteiler Wolfgang Morlang ist vierter Bewerber ums Chefamt

Lange sah es so aus, als wolle keiner so recht Bürgermeister werden in Lenggries. Inzwischen gibt es mit Christine Rinner (CSU), Markus Landthaler (FW) und Tobias Raphelt (SPD) drei nominierte Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Werner Weindl (CSU) bewerben, der nach 24 Jahren nicht mehr antritt. Nun hat sich ein vierter Aspirant ins Spiel gebracht: Wolfgang Morlang, der für die Bayernpartei ins Rennen gehen will. Der 48-Jährige ist ein Einzelkämpfer; einen Ortsverband der Bayernpartei gibt es nicht in Lenggries. Aber immerhin eine "Handvoll Mitglieder", wie Morlang sagt, von denen sich aber nicht genügend für eine Gemeinderatsliste zur Verfügung stellen wollten. Bei einer internen Aufstellungsversammlung vorige Woche haben die Mitglieder unter Wahlleitung des BP-Landesvorsitzenden Florian Weber Morlang einstimmig nominiert. Für eine Kandidatur reicht das aber nicht: Weil die Bayernpartei nicht im Gemeinderat vertreten ist und bei den jüngsten Landtags- und Europawahlen an der fünf Prozent Hürde scheiterte, braucht Morlang 180 Unterstützerunterschriften, damit er antreten kann. Die Listen liegen ab 17. Dezember im Lenggrieser Rathaus aus. Morlang ist seit 30 Jahren bei der AOK, seit 14 Jahren als stellvertretender Direktor in Bad Tölz. Über kommunalpolitische Erfahrung verfügt der ledige 48-Jährige nicht. Er singt mit Werner Weindl im Kirchenchor, "ich kenne ihn seit Jahren gut", sagt Morlang. Angetreten wäre er gegen den amtierenden Bürgermeister nicht.

Weil dieser aber aufhört und er von einigen Bürgern angesprochen worden sei, habe er sich zur Kandidatur entschlossen. "Ich probier das jetzt einfach", sagt Morlang, der in Lenggries aufgewachsen ist. Als Außenseiterkandidat rechnet er sich keine allzu großen Chancen aus. Aber es sei doch gut, wenn Bürger eine Wahl zwischen mehreren Kandidaten hätten und auch Einzelpersonen ohne Gruppierung anträten. "Das ist echte Demokratie". Morlang ist seit über 20 Jahren Mitglied bei der Bayernpartei. Mit CSU und Freien Wählern gebe es relativ große Schnittmengen, sagt er. Was aber die Bayernpartei auszeichne, sei ihr Eintreten für einen "unabhängigen, bayerischen Weg". Denn nicht alles dürfe zentralistisch von Berlin aus geregelt werden. "Die Menschen sollen über das, was sie unmittelbar betrifft, selbst entscheiden können", findet er. Das Subsidiaritätsprinzip stehe in keinerlei Widerspruch zu Europa. Die Bayernpartei stelle die Europäische Union nicht in Frage; "sie ist als Friedensprojekt absolut wichtig." In Lenggries würde er sich dafür einsetzen, den dörflichen Charakter der Brauneckgemeinde zu erhalten, das Vereinsleben zu stützen und bürgerschaftliches Engagement zu fördern.

Morlang selbst ist Mitglied im Kirchenchor und seit 25 Jahren im Vorstand des Männerchors "Liederkranz". Er ist Kreisvorsitzender des Jagdverbands und, als ehemaliger Zeitsoldat, Vorsitzender der Gebirgsjägerkameradschaft Isarwinkel. Dass die Bayernpartei in Lenggries keine Liste aufstellt, findet er nicht so schlimm. "Die Lösung von Problemen ist wichtig, nicht das Parteibuch", sagt er.

Ganz alleine auf weiter Flur ist Morlang freilich nicht: Es gibt einen Kreisverband der Bayernpartei, die mit Josef Eichner und Robert Mayr zwei Kreisräte stellt, und Ortsverbände in Dietramszell und Kochel. Den Wahlkampf müsste er aber weitgehend alleine stemmen, auch finanziell. "Das wäre mein Privatvergnügen", sagt er. Seine politischen Ziele will er in einem Flyer zusammenfassen und als Postwurfsendung an Lenggrieser verteilen. Außerdem soll es eine Podiumsdiskussion aller Bürgermeisterkandidaten geben. Da wolle er mit dabei sein, wenn er zugelassen werde. Mit Weindl habe er über die Arbeitsbelastung gesprochen, die das Amt mit sich bringt. Die sei hoch, sagt Morlang. "Aber ich traue mir das zu."