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Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:CSU bleibt hinter Erwartungen zurück

Die Christsozialen verlieren zwei Sitze. Die stärkste Fraktion bilden künftig die Freien Wähler mit sieben Vertretern

Die Freien Wähler sind in Dietramszell die Gewinner der Kommunalwahl: Sie stellen mit Josef Hauser den neuen Bürgermeister der Kommune und lösen die CSU als stärkste Fraktion im Gemeinderat ab. Das Interesse an der Kommunalwahl war in der Gemeinde groß, entsprechend hoch ist die Wahlbeteiligung mit 71,9 Prozent ausgefallen. Dass er mit 56,6 Prozent auf Anhieb eine deutliche Mehrheit erhalten hat, hat den neuen Bürgermeister selbst erstaunt. Er habe mit einer Stichwahl gegen seinen CSU-Konkurrenten Ludwig Gröbmaier gerechnet, sagt Hauser. "Dass es so klar ausgeht, war für mich auch eine Überraschung."

Künftig sind die Freien Wähler auch im Gemeinderat die stärkste Fraktion. Sie haben drei Sitze dazugewonnen und stellen mit Thomas Kranz, Elisabeth Disl, Ingrid Grimm, Hubert Kanzler, Bernhard Fuchs, Martin Pallauf und Karl Johann März sieben Gemeinderäte. Die CSU hat zwei Sitze verloren. Künftig sitzen wieder Michael Häsch, Thomas Bachmeier und Uschi Disl im Gemeinderat, neu sind Ludwig Gröbmaier, Rudi Raßhofer und Florian Heuschneider.

Auch bei der Bürgermeisterwahl ist der CSU-Kandidat hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nur 24,7 Prozent haben für Ludwig Gröbmaier gestimmt. "Ich habe mir mehr erhofft", sagt er. Der Wahlkampf sei engagiert gewesen, die Liste für den Gemeinderat gut. Auch die Stimmung im Wahlkampf habe er als sehr positiv empfunden. Umso weniger könne er sich das Ergebnis erklären. Frustriert wirkt Gröbmaier indes nicht. "Der Wahlkampf hat Spaß gemacht und ist sehr fair gewesen." Er werde sich nun als neues Mitglied im Gemeinderat engagieren, sagt der 33-Jährige, "das Leben geht weiter."

Verloren hat auch die Bürgerliste Dietramszell: Die Gruppierung, die zwölf Jahre lang mit Leni Gröbmaier die Rathauschefin stellte, hat statt sieben nur noch vier Sitze: Wiedergewählt wurden Anton Huber und Jakob Pertold, neu sind Xaver Huber und Matthias Gams. Langjährige Vertreter der Bürgerliste wie Christa Poschenrieder und Ronald Künemund sind nicht mehr drin. Einen Sitz dazugewonnen haben die Grünen: Sie werden künftig von Hubert Prömmer, Teresa Wimmer und Maria Spindler vertreten. Ihr gemeinsamer Bürgermeisterkandidat Fabian von Xylander hat 18,7 Prozent geholt - ein respektables Ergebnis für einen Sozialdemokraten im Oberland. Von Xylander ist dennoch schwer enttäuscht. Er habe viel Zeit in den Wahlkampf investiert und auf eine Stichwahl gehofft. "Aber der Landkreis ist einfach sehr konservativ". Der 59-Jährige hatte als Bürgermeister kandidiert, nicht aber für den Gemeinderat. Denn für ein Ehrenamt könne er seinen Job als Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi nicht aufgeben, so seine Begründung. Ein Umzug aus Berlin sei nun kein Thema mehr. Dass er gerne nach Dietramszell und in die Kommunalpolitik zurückgekommen wäre - er war 24 Jahre Gemeinderat und 18 Jahre Kreisrat - hatte von Xylander im Wahlkampf stets betont.

© SZ vom 18.03.2020

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