Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl in Bad Tölz-Wolfratshausen:Belloni fordert Sappl heraus

Die frühere BN-Kreisvorsitzende will vom Eurasburger Chefsessel aus grüne Politik umsetzen. Über ihre Nominierung entscheiden die Mitglieder am Donnerstag

Von Benjamin Engel

Auf eine Überraschung folgt bei den Eurasburger Grünen die nächste: Für die Partei unerwartet hatte Mathias Petito vor dem Jahreswechsel angekündigt, als Bürgermeister kandidieren zu wollen. Doch jetzt spricht vieles für eine weitere Bewerberin. Die Grünen-Listenführerin Carola Belloni will Amtsinhaber Moritz Sappl (GWV) herausfordern. Das bestätigen die Journalistin und frühere Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) selbst sowie Grünen-Kreissprecher und Ortsverbands-Mitglied Alexander Müllejans. Am kommenden Donnerstag will die Partei ihren Bürgermeisterkandidaten nominieren.

Erst im Dezember ist die 61-jährige Belloni Parteimitglied der Grünen geworden. Im Landkreis ist sie als BN-Kreisvorsitzende zwischen 2004 und Ende 2010 bekannt. Jüngst hatte sie sich auf die familieneigene, ökologische Landwirtschaft in Spanien konzentriert. Auf eine mögliche Kandidatur zur Bürgermeisterwahl hätten sie Ortsverbands-Mitglieder angesprochen, schildert Belloni. So habe sie beschlossen "ihren Hut in den Ring" zu werfen. Es sei an der Zeit, konkrete Schritte zum Schutz von Klima und Artenvielfalt umzusetzen, sagt sie. "Es gibt Möglichkeiten Eurasburg in eine blühende, innovative, Akzente setzende Gemeinde zu verwandeln."

Bislang ist für Belloni noch kaum "grüne Politik" in Eurasburg zu erkennen. Bürgermeister Sappl wirft sie vor, zu wenig vorangebracht zu haben. "Es ist nichts passiert außer einem Positionspapier", sagt sie. Damit spielt sie auf die sogenannten Meilensteinprojekte vom Radweg Richtung Baierlach, dem Kunstrasenplatz, der Mehrzweckhalle bis zur Schulhauszusammenlegung an. Davon sei seit Jahren nichts umgesetzt worden, beklagt Belloni. Ohnehin wäre ein kommunales Konzept für das Beuerberger Kloster für sie ein wirklich echter Meilenstein. Bisher habe dafür nur die Erzdiözese Pläne vorgelegt. Wird die Mutter eines Sohnes nach konkreten Zielen gefragt, sprudelt sie nur vor Ideen. In Eurasburg kann sie sich Blockheizkraftwerke für lokale Fernwärmenetze vorstellen. Rund um das Eurasburger Bienenhaus mit den Streuobstwiesen sei eine Art Allmende-Bewirtschaftung mit Gartenfeldern denkbar. Für mehr Wohnraum sollte über erleichterte Möglichkeiten für den Dachausbau nachgedacht werden. "Alles muss natürlich nachhaltig passieren", sagt Belloni. Eine Betonflut wie beim Bau des Supermarktes samt Wohnungen in Eurasburg müsse verhindert werden.

Dass Belloni zur Bürgermeisterwahl antreten könnte, hat Petito ausgelöst. Wie Müllejans sagt, freue sich die Partei über dessen Bewerbung. Doch sei der Elektromeister bisher nur italienischer Staatsbürger. Damit könne dieser für den Gemeinderat, aber nicht als Bürgermeister kandidieren. Das Verfahren zur doppelten Staatsbürgerschaft laufe noch. Intern hätten sich die Grünen auf Belloni als sicherere Kandidatin verständigt. Er hoffe aber, dass Petito auf der Gemeinderatsliste kandidiere, sagt Müllejans.

Aufstellung des Grünen-Bürgermeisterkandidaten: Donnerstag, 9. Januar, 19 Uhr, Café Stücklhof, Eurasburg

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SZ vom 08.01.2020
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