Kommunalwahlkampf in WolfratshausenEin Plastik-Klo erregt die Gemüter

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Stilles Örtchen des Anstoßes: die mobile Toilette der Wolfratshauser Liste am Bahnhof.
Stilles Örtchen des Anstoßes: die mobile Toilette der Wolfratshauser Liste am Bahnhof. Foto: Harry Wolfsbauer
  • Die Wolfratshauser Liste hat eine mobile Toilette am Bahnhof aufgestellt, da die Sanitäranlagen seit über zwei Jahren geschlossen sind.
  • Andere Parteien kritisieren die Aktion zwei Wochen vor der Kommunalwahl am 8. März als populistische PR-Maßnahme im Wahlkampf.
  • Die Deutsche Bahn steht kurz vor einem Pachtvertrag mit der Stadt und zeigt sich zuversichtlich für eine zeitnahe Lösung.
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Die Wolfratshauser Liste hat eine mobile Toilette am Bahnhof aufstellen lassen, weil dessen Sanitäranlagen seit mehr als zwei Jahren geschlossen sind. Andere Parteien halten die Aktion kurz vor der Kommunalwahl für Populismus.

Von Benjamin Engel, Wolfratshausen

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Nach den geflügelten Worten Helmut Kohls ist entscheidend, was hinten rauskommt. Mit dieser Äußerung trat der einstige Bundeskanzler in einer Pressekonferenz den Vorwürfen entgegen, Probleme einfach auszusitzen. Er meinte damit, dass Kompromisse akzeptabel seien, solange das Gesamtergebnis stimme. In der Wolfratshauser Bahnhofsklo-Misere wollte die Wolfratshauser Liste, die sich als Bewahrer der Innenstadt und Streiter für eine maßvolle Entwicklung positioniert, wohl keine Kompromisse mehr akzeptieren, sondern Tatsachen schaffen. Die Gruppierung von Bürgermeisterkandidat Manfred Fleischer ließ einen Monat vor der Kommunalwahl am 8. März eine mobile Toilette direkt am Eingang zum S-Bahnhof platzieren.

Die beiden Sanitäranlagen im Gebäude sind seit mehr als zwei Jahren geschlossen, seit die McDonald’s-Filiale Ende Oktober 2023 aus dem Bahnhof ausgezogen ist. Mehrere Versuche von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen), mit der Deutschen Bahn über eine Öffnung der drongend benötigten WCs zu verhandeln, blieben erfolglos. Nach Protestschreiben an Bahnvorstand sowie ranghohe Landes- und Bundespolitiker hat die Bahn zwar kürzlich eine vorübergehende Verpachtung der Anlagen an die Stadt in Aussicht gestellt, geändert hat sich für die Fahrgäste aber bislang noch nichts.

„Es geht nicht, dass in einem Endbahnhof keine Toiletten da sind“, begründet Helmut Forster, einstiger Bürgermeister und aktueller Wirtschaftsreferent im Stadtrat, die Aktion der Wolfratshauser Liste. Weil die Bevölkerung an der Situation verzweifle, habe seine Gruppierung gehandelt und die mobile Toilette für einen monatlich laufenden und verlängerbaren Vertrag angemietet und aufgestellt.

Der amtierende Rathauschef und manche Vertreter der anderen Parteien und Gruppierungen halten die Sache hingegen eher für eine populistische PR-Aktion im Wahlkampf. „Warum startet die Liste WOR jetzt die Aktion?“, fragt sich Bürgermeister Heilinglechner. „Die Bahnhofstoiletten sind seit zweieinhalb Jahren geschlossen.“ Inzwischen liege ihm ein Pachtvertrag der Deutschen Bahn für die Toiletten vor. Es brauche nur noch Anpassungen, um diesen zu unterzeichnen. „Wenn alles gut geht, dann könnten die Toiletten Anfang März schon geöffnet werden.“

„Aktionismus mit einem Touch Populismus“, lautet die Kritik

Auch Grünen-Kandidat René Beysel sieht in der Sache eine unangebrachte PR-Aktion. „Ich finde, das ist ein Stück weit Aktionismus mit einem Touch Populismus“, sagt er. Seine Partei werde jedenfalls ihren sachlichen Wahlkampf mit Veranstaltungen zu relevanten Themen wie der Mobilität fortsetzen. SPD-Bürgermeisterkandidat Renato Wittstadt hingegen findet die Aktion der Wolfratshauser Liste mit dem Dixi-Klo nach eigenen Worten richtig. Er habe selbst einmal in diese Richtung gedacht, so der Beamte im Ruhestand. Schließlich sei es eine „Unverschämtheit“ seitens der Bahn, so lange die Toiletten geschlossen zu halten. Über das Unternehmen ärgere er sich am meisten.

Statt eine mobile Toilette aufzustellen, fände es FDP-Bürgermeisterkandidat Patrick Lechner besser, „konstruktiv mit der Bahn zu verhandeln“. Die Aktion mit der mobilen Toilette bringe wenig voran und spreche zwei Wochen vor der Wahl für sich. „Ich halte nicht viel davon“, sagt Lechner. Auch wenn seine Partei in Wolfratshausen öffentlichkeitswirksamen Auftritten nicht abgeneigt ist: Bei ihrer Kampagne für mehr Digitalisierung im Rathaus haben sich Lechner und FDP-Mitstreiter für die sozialen Medien dabei filmen lassen, wie sie ein Faxgerät vor dem Sitz der Wolfratshauser Kommunalverwaltung zertrümmern.

Die Bahn verhandelt angeblich mit einem Mietinteressenten über Toiletten

Und was sagt die Deutsche Bahn zu alldem? „Grundsätzlich fällt der Betrieb öffentlicher Toiletten nicht in die Zuständigkeit der DB InfraGO, sondern in den Verantwortungsbereich der jeweiligen Kommunen“, erklärt dazu ein Bahnsprecher. In Wolfratshausen stehe das Management des Infrastrukturunternehmens – einer Tochter des Mutterkonzerns – seit Längerem mit der Stadt im Austausch. „Gespräche mit einem Mietinteressenten verlaufen aktuell sehr positiv und befinden sich auf der Zielgeraden“, so der Sprecher. Das Unternehmen habe der Kommune unterdessen ein weiteres konkretes Angebot zu einem vorübergehenden Betrieb der Anlage unterbreitet.

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Das Aufstellen der mobilen Toilette duldet die DB InfraGo ausnahmsweise, weil es nur für einen Monat vorgesehen sei. „Auch weil Zuversicht besteht, dass zeitnah eine Lösung für die Toiletten im Bahnhof gefunden wird“, so der Bahn-Sprecher.

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