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Kommunalwahl 2020:Frauen vor!

Kommunalwahl 2020

Martina Raschke ist Nachhaltigkeitsberaterin und Mitbegründerin der Bürgerstiftung Energiewende Oberland.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Geretsrieder Grünen nominieren Martina Raschke als Bewerberin ums Bürgermeisteramt und übererfüllen mit der Stadtratsliste die Quote

Auf Facebook postet die Bewerberin am Tag danach: "Dankeschön, liebe Grüne, dass ich jetzt Bürgermeisterkandidatin in Geretsried bin." Am Donnerstagabend haben zwölf stimmberechtigte Grüne in den Ratsstuben die parteilose Nachhaltigkeitsberaterin Martina Raschke, 57, aufgestellt. Sie soll nicht nur Amtsinhaber Michael Müller (CSU) herausfordern, sondern führt auch die Stadtratsliste an - als Erste und als erste Frau, der elf weitere folgen. Damit haben die Geretsrieder Grünen mehr als die bei ihrer Partei vorgeschriebene 50-Prozent-Quote erfüllt. Sie haben insgesamt 20 Personen nominiert. Um keine der 30 pro Wähler möglichen Stimmen für den Stadtrat zu verschenken, haben sie einen Teil davon doppelt oder dreifach benannt.

Die meisten Kandidaten stellten sich als überzeugte Umwelt-Grüne vor. Die Themen Nachhaltigkeit, Natur- und Ressourcenschutz, "grüne Lunge", Radwege, bessere Busverbindungen, weniger Individualverkehr tauchten in den Vorstellungsminuten - jede und jeder hatte davon strikt nur drei - immer wieder auf. Die zeitliche Begrenzung galt auch für die Präsentation der Bürgermeister-Kandidatin. Raschke hielt nach ein paar Sätzen zur Person und ihren politischen Positionen inne und sagte in Richtung Wahlleiter Alexander Müllejans, dem Kreisverbandssprecher der Grünen: "Oh, du zeigst mir schon die Uhr!"

Raschke nannte als eines der Motive für ihre Bewerbung "eine Demokratiefrage"; sie finde es nicht gut, wenn es nur einen Kandidaten gebe. Dies schien der Fall zu sein, als sie ihre Bereitschaft erklärte; inzwischen hat Müller außer ihr noch zwei Gegenkandidaten, Larry Terwey (FDP) und Wolfgang Werner (SPD).

"Gute Teilhabe"

Inhaltlich sprach sich Raschke für eine soziale und ökologische Stadtentwicklung aus. Gerade bei einem prognostizierten Einwohnerwachstum von derzeit 26 000 auf 36 000 in den kommenden Jahren sei dies wichtig. "Gute Teilhabe und gute Integration von allen Menschen, die hier leben", sei ein weiteres Ziel, sagte die Kandidatin. Als sie anhob, von der Energiewende zu sprechen, kam der Blick auf die Uhr dazwischen, und Raschke beeilte sich noch einen Slogan zu erwähnen, den sie sich als Kontrapunkt zum derzeit heftig diskutierten Mobilfunkstandard 5 G ausgedacht hat: "Grün, gemeinsam, Geretsried - 3G."

Auf der Liste stehen neben älteren Bewerbern und den drei bereits amtierenden Stadträten wie Detlev Ringer, 70, Volker Witte und Beate Paulerberg, 63, einige Jüngere. Betriebswirtschaftsstudent Peter Curtius, 22, gehörte dem ersten Geretsrieder Jugendrat an, ist in der Grünen Jugend aktiv und möchte erklärtermaßen "mehr junge Leute in den Stadtrat reinbringen. Der 31-jährige Florian Gschwendtner, der Brauwesen in Freising studiert hat, wünscht sich bezahlbare Wohnungen und eine gute Infrastruktur mit ausreichend Kitaplätzen für Geretsried. Per Videobotschaft stellte sich die persönlich nicht anwesende Stephanie Kern als 37 Jahre alt und Mutter zweier Kinder vor. Sie pries die Demokratie als "hohes Gut", das gelebt werden müsse, und wünschte sich Geretsried weiterhin als "weltoffene Stadt".

Bezahlbare Wohnungen wurden in verschiedenen Vorstellungen genannt. Einzig Maler und Grafiker Volker Witte brachte ein anderes Thema zur Sprache. Er forderte mehr Kunst im öffentlichen Raum und eine Galerie.

Die Stadtratsliste: 1. Martina Raschke, 2. Peter Curtius, 3. Beate Paulerberg, 4. Detlev Ringer, 5. Stephanie Kern, 6. Volker Witte, 7. Gabriele Riegel, 8. Florian Gschwendtner, 9. Inge Cameron, 10. Karin Brox, 11. Marilena Cassandra, 12. Horst Haslach, 13. Josefine Hopfes, 14. Thomas Martin, 15. Petra Frost, 16. Michael Kling, 17. Lena Gneist, 18. Jan Regnet, 19. Barbara Gschwendtner, 20. Klaus Weißbach

© SZ vom 23.11.2019
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