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Neuer Bürgermeister:Bad Tölz wählt Ingo Mehner

Der CSU-Kandidat setzt sich mit 50,77 Prozent überraschend schon im ersten Wahlgang gegen seine drei Mitbewerber durch. Franz Mayer-Schwendner von den Grünen ist mit 27,82 Prozent noch stärkster Rivale.

Ingo Mehner tauchte mit seiner Frau Stephanie und seinen beiden Kindern als erster Kandidat im Sitzungssaal des Tölzer Rathauses auf. Trotz Coronavirus hatte die Stadt lange an einer Präsentation der Wahlergebnisse festgehalten, schwenkte dann am Wochenende jedoch um: Alle Bewerber für den Stadtrat und sonstige Gäste wurden wieder ausgeladen. "Das sorgt für eine seltsame Stimmung", sagte Mehner im beinahe leeren Saal. Für den 42 Jahre alten Christsozialen sollte sich das Kommen indes lohnen.

Überraschend setzte er sich mit 50,77 Prozent der Stimmen bereits im ersten Wahlgang durch. Ihm folgte Franz Mayer-Schwendner (Grüne) mit 27,82 Prozent. Auf Michael Lindmair (FWG) entfielen 15,14 Prozent, Michael Ernst (SPD) kam auf 6,27 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,82 Prozent, fast zehn Prozent mehr als vor sechs Jahren.

Mit einem solchen Sieg hatte Mehner nicht gerechnet. "Das Ergebnis ist der Wahnsinn", sagte er, als 17 von 20 Stimmbezirken ausgezählt waren. Da lag er schon knapp über der 50-Prozent-Marke. Wenig später stand fest, dass er nicht mehr darunter rutschen würde. Am liebsten hätte der neue Bürgermeister von Bad Tölz mit seinem gesamten Wahlkampfteam gefeiert, aber das ging wegen Corona nun mal nicht. Die weitgehende Absage der Wahlparty im Rathaus sei "die einzig richtige Entscheidung" gewesen, betonte Mehner.

Kommunalwahl Bürgermeister 2020

Ein Prosit auf gute Zusammenarbeit (v.l.): Ingo Mehner, Michael Lindmair, Franz Mayer-Schwendner und Michael Ernst.

(Foto: Manfred Neubauer)

Seine Dankesrede hielt er deshalb mehr oder weniger vor seinen drei Mitbewerbern. Auch wenn der Startschuss für seine Zeit als Bürgermeister wegen der Virus-Pandemie "ziemlich traurig" sei, freue er sich doch über den eindeutigen Wahlausgang. "Ich bin überwältigt von dem Ergebnis, mit dem kein Mensch rechnen konnte in so einem starken Feld an Bewerbern", sagte Mehner. Alle hätten einen Wahlkampf geführt, wie er fairer nicht hätte sein können. Nun gelte es, die nächsten sechs Jahre im Interesse der Kurstadt zusammenzuarbeiten. "Das ist für mich kein 51-zu-49-Prozent-Sieg, sondern es geht darum, gemeinsam Tölz zu gestalten", rekurrierte er seinen Wahlslogan.

Um ein Haar hätte es Franz Mayer-Schwendner (Grüne) in die Stichwahl geschafft. Enttäuscht zeigt er sich darob jedoch nicht. Der Stimmen-Abstand zwischen ihm und Mehner sei so groß, dass die Stichwahl ohnehin eine klare Sache geworden wäre, sagte der 60-Jährige. Bad Tölz sei eben nicht München, "wir befinden uns in der Herzkammer der CSU", sagte Mayer-Schwendner. Ingo Mehner sei "der Platzhirsch - das war klar". Allerdings räumte der Grünen-Kandidat ein, er habe nicht daran geglaubt, dass die Wahl schon nach der ersten Runde entschieden sei. Sein persönliches Ergebnis mit fast 28 Prozent bewertete er als "sehr gut".

Kommunalwahl Bürgermeister 2020

Staunen über die Eindeutigkeit der Zahlen: Ingo und Stephanie Mehner.

(Foto: Manfred Neubauer)

Für Michael Lindmair (FWG) war es ein Wahlsonntag zum Vergessen. Der 42-Jährige erschien mit einer geschwollenen Nase im Saal des Rathauses, die er sich beim Spielen mit seinen Kindern zugezogen hatte. Und dann auch noch dies: Nur 15,17 Prozent konnte der in so vielen Vereinen aktive Kandidat der Freien Wähler auf sich vereinigen. "Das ist natürlich enttäuschend", sagte Lindmair. "Mein Ziel war es, die Stichwahl gegen Mehner zu erzwingen, aber, na ja ..." Auch der bisherige Zweite Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) hatte an eine Stichwahl geglaubt. Das Ergebnis sei aber "überraschend deutlich", sagte er.

Als Sozialdemokrat und Newcomer in der Tölzer Lokalpolitik hatte sich Michael Ernst von vornherein keine großen Chancen ausrechnen dürfen. So kam es denn auch: Der 39-Jährige landete abgeschlagen mit 6,27 Prozent auf dem letzten Platz. Ein bisschen mehr hätte er sich denn doch gewünscht. Er sei etwas enttäuscht, räumte Ernst ein. "Ich hätte schon mit zehn Prozent plus x gerechnet."

Am Ende reichten sich alle vier Kandidaten versöhnlich den Ellbogen und stießen mit einer kleinen Flasche Bier an. Ohne Berührung, versteht sich. Der neue Bürgermeister von Bad Tölz wirkte dabei seltsam ruhig. Aber das täuschte. "Ich bin geplättet von der Situation, innerlich ist da ein starkes Beben", sagte Mehner.

© SZ vom 16.03.2020

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