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Kommunaler Wohnungsbau:Einfach zu teuer

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Hochpreisige Bestlage: Icking gehört zu den teuersten Gemeinden im Landkreis, wenn es um Grundstückspreise geht. Der Quadratmeter kostet dort aktuell durchschnittlich 1200 Euro.

Der Ickinger Gemeinderat lehnt mehrheitlich einen SPD-Antrag ab, jährlich Reserven für Grundstückskäufe zu schaffen, um bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Die Preise in der Isartalgemeinde seien dafür zu hoch

Von Susanne Hauck

Icking ist bekanntlich eines der teuersten Pflaster im Landkreis, wenn es die Liste nicht sogar anführt. Aber in der Isartalgemeinde wollen und sollen eben nicht nur Rechtsanwälte und Professoren leben, sondern auch Menschen mit kleinerem Budget, wie Erzieherinnen oder Krankenpfleger. Doch Icking hat gerade einmal fünf Sozialwohnungen. Bezahlbarer Wohnraum wird also dringend benötigt. Schon lange treibt es die Kommune um, wie sie dieses Problem lösen soll - bislang ohne Erfolg. Dabei wäre sie einmal nahe dran gewesen. Auf der so genannten Huberwiese hätte sie vor fünf Jahren vergünstigt ein Grundstück kaufen können. Doch die Ickinger wollten sich den freien Blick ins Isartal bewahren und verhinderten die Bebauung per Bürgerentscheid.

Auch auf dem Areal der abgebrannten Reitschule sollten einige günstige Mietwohnungen entstehen. Seit dem Tod des Eigentümers Johann Abfalter sind aber alle Pläne auf Eis gelegt. Ohne Ergebnis ist die Gemeinde auch ihre wenigen eigenen Grundstücke immer wieder durchgegangen, die sich entweder aus topografischen Gründen oder wegen ihrer zu geringen Größe nicht zur Bebauung eignen.

Die Ickinger SPD mochte sich nicht mit der Misere zufrieden geben und stellte den Antrag, eine Reserve für künftige Grundstückskäufe anzusparen. Zwar ist der Posten "Grunderwerb" im Haushalt schon vorgesehen - allerdings nur mit gerade einmal 11 000 Euro für Straßenbaumaßnahmen wie Geh- oder Radwege. "Wir beantragen jährlich eine Rückstellung von drei Prozent des Haushalts oder einen festen Betrag von 500 000 Euro", erklärte der einzige SPD-Gemeinderat Julian Chucholowski. Mit dem Budget sei man handlungsfähig, um sich Wohnungen im Altbestand oder ein Grundstück für gemeindeeigene Bauten oder soziale Einrichtungen zu sichern, "wenn sich etwas ergibt". Statt teuren Bauplätzen hatte er "Randgrundstücke" im Auge.

Mit seinem Vorstoß traf er bei Teilen der Grünen und der PWG einen Nerv. Für die Mehrheit im Gemeinderat war die Bevorratung jedoch nicht der Königsweg. Georg Linsinger (UBI) sah das Problem woanders. "Es ist unmöglich, im freien Markt an billige Grundstücke zu kommen", erklärte er. "Bei Quadratmeterpreisen von 1000 Euro und mehr ist das aussichtslos." Maximal 250 Euro dürfte gemäß der Empfehlung der Baugenossenschaften der Quadratmeter kosten, um wirtschaftlich bauen zu können. "Ich weiß nicht, wo so etwas in Icking hergehen würde." Die Gemeinde könne nicht damit rechnen, etwas geschenkt zu bekommen, pflichtete ihm Matthias Ertl (PWG) bei. Josef Mock (UBI) war dafür, die Bürgermeisterin zu schnellen Deals zu ermächtigen. Denn die Grundstücke seien fort, "sobald es andere mitkriegen. Wir haben schon öfter verhandelt und waren zu langsam, weil sechs Wochen diskutiert wurde", mahnte er. In früheren Zeiten sei so ein Kauf "am Biertisch eingehakt" worden. Deswegen müsse die Bürgermeisterin "die Hosen anhaben, auch mit dem Risiko, dass einer im Gemeinderat mal schimpft". Parteikollege Stefan Schneider tat Reservegelder mit dem Verweis auf die Strafzinsen der Banken als unsinnig ab. Es sei sinnvoller, sich Vorkaufsrechte per Satzung zu sichern oder einem Bauherrn mehr Baurecht zu geben, verknüpft mit der Auflage, für die Gemeinde Wohnraum zu entwickeln.

© SZ vom 17.07.2021
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