Kommentar zur Kreisklinik:Die schwierige Rolle des Landrats

Äußerst irritierend ist, mit welchem Bedauern und welcher persönlichen Angefasstheit der Landrat die Forderung aus der Bevölkerung diskreditiert, in die Entscheidungen besser eingebunden zu werden

Von Florian Zick

Es war eine durchaus bezeichnende Aussage. Anlass war die neuerliche Debatte im Kreistag über die Zukunft der Wolfratshauser Kreisklinik. Man müsse eben zur Kenntnis nehmen, sagte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) da mit einem resignierten Achselzucken, dass es "in einem demokratischen Prozess nicht so schnell geht wie in einem Unternehmen, in dem nur einer das Sagen hat". Tja, so ist das vermutlich. Bei so elementaren Dingen wie dem Umbau der Gesundheitsversorgung dauern Entscheidungsprozesse eben tatsächlich länger. Äußerst irritierend ist aber, mit welchem Bedauern und welcher persönlichen Angefasstheit der Landrat die Forderung aus der Bevölkerung diskreditiert, in die Entscheidungen besser eingebunden zu werden.

Schon klar: Niedermaier hätte die Umstrukturierung der Kreisklinik gerne möglichst widerstandslos durchgepeitscht. Die brisanten Ergebnisse der Vicondo-Gesundheitsstudie hat er deshalb lange unter dem Deckel gehalten. Und Klinikmitarbeiter, die aus Protest gegen die Pläne auf die Straße gehen und vor dem Krankenhaus Mahnwachen abhalten, stören da auch nur. Sicher, der ein oder andere Plakatslogan auf den Demos hat vielleicht auch etwas zu tief gezielt. Aber auch Niedermaiers Wortwahl wirkt in dem Zusammenhang mehr als unpassend: Von einem "Verräter" spricht er, wenn es darum geht, wer aus dem kleinen Kreis der Eingeweihten die Vicondo-Studie an die Öffentlichkeit gebracht hat. Ganz so, als wäre ihm da jemand persönlich in den Rücken gefallen.

Die Kreisklinik jedenfalls wird nun nicht an einen Investor zum Umkrempeln übergeben, der notwendige Umbau wird in homöopathischen Dosen passieren. Die Geschäftsführung, die Chefärzte und das Klinikpersonal sollen dafür Ideen entwickeln. Das ist eine niedrigschwellige Herangehensweise, wie man sie auch schon im ersten Anlauf hätte beschließen können. Von "handwerklichen Fehlern" im Entscheidungsprozess sprach SPD-Kreisrat Fritz Meixner deshalb in der Sitzung am Montag. Dass diese Fehler im Landratsamt aufgearbeitet werden, darf man allerdings nicht erwarten. Zu sehr gefällt sich Niedermaier in der Opferrolle. Fehler? Das waren doch immer die anderen, die seinen guten Plan torpediert haben. In einer Demokratie ist das ein schwieriges Selbstverständnis.

© SZ vom 28.07.2021
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