Kommentar zur gelben TonneAlter Müll in neuen Säcken

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Die Logik der grundsätzlich begrüßenswerten Neuregelung gibt Rätsel auf

Von Wolfgang Schäl

Irgendwie hatten wir braven Sortierer an den Wertstoffinseln schon immer den Verdacht, dass am Ende doch alles wieder zusammengeschüttet wird. Denn auch mit viel Fantasie vermochte sich der Entsorger nicht vorzustellen, wo der Unterschied sein sollte zwischen einer Plastiktube, einer Plastikfolie, einer Plastik-Shampooflasche und einem Plastikbecher - alles getrennte Fraktionen mit eigener Einwurföffnung.

Zu Beginn des neuen Jahres wird jetzt alles anders: Jetzt landet der ganze Wertstoffmüll in einem einzigen, schwarzgelben Behälter, genannt Verpackungstonne, Wertstoffinsel ade. Nicht dass wir darüber böse wären, ganz im Gegenteil, aber überraschend ist dann doch, wie Kreisverwaltung und WGV diese Neuregelung begründen: Sie habe sich "wegen zunehmender Abfallablagerungen" als notwendig erwiesen, und die seien eine Zumutung für die jeweiligen Anlieger.

Und weiter: Die erfassten Mengen seien zu gering und die Wertstoffe zu wenig sortiert gewesen. Zu wenig sortiert? Darüber wundert man sich schon, denn jahrelang ist die Sortiermoral der Kreisbürger als vorbildlich gelobt worden, nur deshalb, hieß es, habe die Müllgebühr stabil gehalten werden können. Vielleicht hätte die Kreisverwaltung der Ehrlichkeit halber aber auch zugeben können, dass sich die unsortierten Abfallhalden oft genug deshalb gestapelt haben, weil die Wertstoffinseln, besonders nach Feiertagen, übergequollen waren.

Da muss man den schwarzen Peter nicht den braven Entsorgern zuschieben. Die Logik der ansonsten grundsätzlich ja höchst begrüßenswerten Neuregelung erschließt sich jedenfalls nicht. Mit der neuen Abfallordnung müssen wir uns jetzt ein paar Sachen neu merken, und nach intensivem Studium der WGV-Hausmitteilung wird vielleicht sogar irgendwann klar, was "gut ausgebeutelte Kunststoffsäcke" und was "Plastik-Nichtverpackungen" sind - behördliche Wortschöpfungen, zu denen wir der Kreisverwaltung mit dem gebotenen Nichternst gratulieren.

© SZ vom 05.12.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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