Kommentar zum Verein "Kinderrechte jetzt":Perfide Strategie

Lesezeit: 1 min

Wenn sich mehr Erwachsene impfen lassen würden, müsste es keine Diskussionen um die Immunisierung Minderjähriger geben...

Von Konstantin Kaip

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Corona-Impfung inzwischen auch für Zwölf-bis 17-Jährige, weil "die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen" überwiegen, wie es heißt. Dennoch sind Bedenken mancher Eltern nachvollziehbar. Schließlich stellen auch die Stiko und das Robert-Koch-Institut fest, dass es bei dieser Altersgruppe kaum zu schweren Verläufen kommt. Eine sachliche Entscheidung, auch unter der Abwägung möglicher Langzeitfolgen durch Long Covid, sollte also möglich sein. Und das ist sie. Schließlich werden keine Kinder ohne Einverständnis der Eltern geimpft. Und die Stiko spricht sich ausdrücklich dagegen aus, "dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird".

Der von den Wolfratshauser Anwälten Hingerl und Müller gegründete Verein "Kinderrechte jetzt" lehnt eine Impfung Minderjähriger kategorisch ab und dürfte damit einigen aus der Seele sprechen. Nicht nur Querdenkern, sondern womöglich auch Eltern, die etwa schon geimpft sind, aber ihre Kinder nicht immunisieren lassen wollen. Sie aber sollten, wenn sie den Agitatoren auf Demos applaudieren oder ihre Petition unterzeichnen, zwischen den Zeilen lesen. Denn die Anwälte, das erkennt man in ihren medienwirksam gestellten Strafanzeigen, sprechen auch der Impfung an sich, den verschärften Regeln sowie Tests und Masken ihre Wirksamkeit ab und verharmlosen ein Virus, das weltweit schon mehr als fünf Millionen Tote gefordert hat.

Dass sie dabei die Kinderrechte vorschieben, ist besonders perfide. Die Jüngsten der Gesellschaft, die am meisten unter der Pandemie leiden, werden als eine Art Trojanisches Pferd genutzt, um die Wirksamkeit der Impfung zu verleugnen. Eltern seien unnötig in Panik versetzt worden, erklären Hingerl und Müller - und schüren selbst eine Angst vor den Vakzinen, die den dringend benötigten Impffortschritt im Landkreis bremst. Dabei müsste es keine Diskussion über die Impfung Minderjähriger geben, wenn sich mehr Erwachsene die Spritze abgeholt hätten. "Jetzt sind die Älteren gefordert, ihren Anteil an Solidarität für die jungen Menschen zu zeigen", heißt es in der Petition des Vereins. Wenn Hingerl und Müller das ernst nehmen, sollten sie sich endlich impfen lassen.

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