MeinungKommentar zu Marvel FusionPenzberg schafft das!

Kommentar von Alexandra Vecchiato

Lesezeit: 1 Min.

Nur weil es das, was Marvel Fusion in Penzberg herstellen möchte, noch nicht gibt, sollte man in Penzberg nicht von einem Hirngespinst ausgehen.

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Mehr Mut! Das ist es, was man jenen zaudernden Penzbergern entgegenrufen möchte, die wegen des Münchner Start-ups Marvel Fusion schlimmste Befürchtungen hegen. Natürlich geht es nicht darum, der Firma die letzte Industriefläche im Nonnenwald ohne kritisches Hinterfragen in den Rachen zu werfen. Einen Freibrief darf es nicht geben.

Aber mal ehrlich: Nur weil es das, was Marvel Fusion eines Tages produzieren möchte, nämlich stets verfügbare, kohlendioxidfreie Energie mittels Trägheitsfusion, noch nicht gibt, darf man nicht davon ausgehen, alles sei ein großes Hirngespinst. Die Welt zu erforschen, ist seit jeher ein tiefer Drang des Menschen. Ohne ihn - wo wären wir? Wenn kluge Köpfe immer aufgegeben hätten, wenn ein Experiment nicht gleich klappte, dann hätten wir - plump ausgedrückt - noch nicht einmal einen Dosenöffner. Was spricht dagegen, Marvel Fusion weiter an der Trägheitsfusion forschen zu lassen? Wäre es nicht toll, wenn dieser für den Klimawandel so wichtige Durchbruch in Penzberg gelänge?

Zugegeben, Marvel Fusion hegt äußerst ambitionierte Ziele. Das geben auch die Verantwortlichen zu. Seit vielen Jahren versuchen Wissenschaftler, stets verfügbare, saubere Energie zu erzeugen. Ein Misslingen wäre aber zunächst allein das Problem des Start-ups. Marvel Fusion ist keine Einrichtung einer Universität, dort will man Geld verdienen. Entsprechend werden die Anstrengungen sein, zum Ziel zu kommen. Und wenn es schiefgeht, dann hat die Stadt Penzberg hoffentlich entsprechend wasserdichte Verträge mit Marvel Fusion geschlossen. Das liegt in der Verantwortung des Stadtrats.

Sicher, auf Penzberg kommt viel zu. Eventuell Marvel Fusion, langfristig die Erweiterung von Roche, dann das Pandemie-Zentrum von Fraunhofer, Geiger Automotive auf dem HAP-Gelände und andere Firmen, die expandieren möchten. Das ist definitiv eine Herausforderung für die Infrastruktur. Aber nicht jeder, der dort arbeitet, will in Penzberg wohnen. Wer herzieht, zahlt Einkommenssteuer. Das mag fehlende Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die - siehe Roche - keine sichere Bank sind, ausgleichen. Also bitte, mehr Mut!

© SZ vom 11.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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