Kommentar Von den Bürgern für die Bürger

Der Stadtrat setzt um, was sich die Wolfratshauser wünschen.

Von Konstantin Kaip

Die Bürgerbeteiligung für die Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt ist zwar ganz formal eine Bedingung dafür, die von der Stadt angestrebte Städtebauförderung zu erhalten. Das aber schwächt ihre Aussagekraft nicht. 200 Wolfratshauser waren bei der Auftaktveranstaltung, 174 Vorschläge sind beim Online-Brainstorming eingegangen, 64 Bürger haben beim Kreativtag ihren Samstag geopfert, um in Gruppen ihre Vision einer besseren Marktstraße zu Papier zu bringen. Sie alle haben nicht resigniert, trotz zermürbender Erfahrung jahrelangen Aufschiebens von Entscheidungen im Rathaus. Laut Moderatorin Stephanie Pettrich und Stadtplanerin Claudia Schreiber, die den Prozess begleitet und Erfahrung mit derlei Veranstaltungen haben, war die Beteiligung erstaunlich gut. Sie als "nicht repräsentativ" zu bezeichnen, wie es Stadtrat Manfred Fleischer (CSU) getan hat, geht also an den Tatsachen vorbei. Zumal, wie die Organisatoren betont haben, der Konsens, auf den sich die Bürger am Ende einigen konnten, erstaunlich ist.

Sie wollen mehr Aufenthaltsqualität. Das heißt: mehr Platz für Menschen und weniger für Autos. Dazu gehört auch ein besser nutzbarer Marienplatz und ein Schwankl-Eck, das zum Verweilen einlädt. Planerin Schreiber hat das in einer Skizze so umgesetzt, dass der Marienbrunnen zur Straße versetzt wird und die Platanen verschwinden. Der Grundsatzbeschluss, den der Stadtrat nun mit großer Mehrheit gefällt hat, ist jedoch noch keine Fällgenehmigung für die beiden Bäume. Er macht den Weg frei für eine Planung der Marktstraße nach den Bürgerwünschen. Bei den konkreten Fragen, wie die Umgestaltung im Detail erfolgen soll, können die Wolfratshauser dann noch einmal mitreden.

Der Grundsatzbeschluss war wichtig - und zwingend erforderlich, wenn man Bürgerbeteiligung ernst nimmt. Weil sich das alle Fraktionen auf die Fahnen geschrieben haben, ist er nun Teil des Wahlprogramms. Der Beschluss ist ein Auftrag an den Stadtrat, der sich nach der Kommunalwahl 2020 konstituiert. Die Fraktionen müssen sich daran messen lassen, wie sie die Umgestaltung von Marktstraße und Loisachufer konstruktiv voranbringen und zu sichtbaren Ergebnissen führen. Das ist ihre Chance, sich vom Stigma eines "Stillstandshausen" zu befreien. Und das sind sie den Bürgern schuldig.