KommentarUnd sie lebt doch

Lesezeit: 1 Min.

Dank Flussfestival zeigt sich die Stadt Wolfratshausen von einer neuen Seite.

Von Felicitas Amler

Allein die Tribüne mit der muschelförmigen Überdachung strahlt schon Flair aus - mit und ohne Veranstaltung.
Allein die Tribüne mit der muschelförmigen Überdachung strahlt schon Flair aus - mit und ohne Veranstaltung. (Foto: Hartmut Pöstges)

Dieses Kultur-Spektakel tut der Stadt gut. Sehr gut. Das erste Wolfratshauser Flussfestival belebt, regt an, macht einfach Freude. Keineswegs nur, wenn man eine Vorstellung besucht. Auch tagsüber hat die Alte Floßlände mit der neuen Verwendung ein wunderbares Flair. Die schwimmende Bühne in der Loisach, die muschelförmig überdachte Tribüne und die Bewirtungsbuden daneben - mehr braucht es nicht, um ein Gefühl aufkommen zu lassen, das man in dieser Stadt sonst gar nicht so leicht hat. Das Gefühl: Sie lebt!

Ja, es rührt sich was in Wolfratshausen. Zwölf Abende Kultur in 14 Tagen. Musik, Kabarett und Theater unter freiem Himmel. Prominente Gäste und lokale Größen. Die Mischung von Piet Klocke bis zur Waldramer Tanzlmusi, von den Ganes bis zur Inszenierung der "Sendlinger Mordweihnacht" scheint gelungen zu sein. Dass die Stadt, die eine eigene Mitarbeiterin für Kultur beschäftigt, dazu eines Impresarios aus der Nachbarstadt bedurfte - sei's drum. Günter Wagner hat zum zweiten Mal bewiesen, dass er's drauf hat. Wie voriges Jahr in Geretsried, so hat er heuer in Wolfratshausen etwas geleistet, was Strahlkraft hat: Das Festival macht Lust auf Kultur. Und das nur wenige Schritte von der Loisachhalle entfernt, wo dergleichen Leidenschaft bisher nicht aufgekommen ist.

Eine eigene Pointe ist, dass man in der Stadt ja nur auf die Idee eines Flussfestivals kam, nachdem die sommerliche Kultur auf der - unüberdachbaren - Bergwaldbühne mit schöner Regelmäßigkeit verregnet war. Daher das Konzept mit einer überdachten Tribüne. Und endlich besann man sich dann eines wirklich einzigartigen Merkmals dieser Stadt - der herrlichen Lage an der Loisach. Die Attraktion des Flussfestivals zeigt, was sich aus dieser Lage machen ließe, wenn man nicht Parkplätze für den wichtigsten Magneten einer Innenstadt hielte. So gesehen kann das Flussfestival, wenn's gut geht, noch mehr bewirken, als der Kulturherbst es in der Nachbarstadt getan hat. Dort zeigte sich die Lokalpolitik kulturell äußerst inspiriert und zu mehr aufgefordert. Hier würde man sich einen Anstoß für Kultur und Stadtentwicklung wünschen. Damit der plakative Slogan des Flussfestivals Wirklichkeit wird: "Eine Stadt in Bewegung".

© SZ vom 17.07.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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