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Kommentar:Stellprobe leicht verwackelt

CSU-Landratskandidatin Sabine Lorenz tritt selbstbewusst und couragiert auf, ist gut vorbereitet, aber in einem Punkt offenbar schlecht beraten.

Es ist sicher mehr als eine Äußerlichkeit: Sabine Lorenz hatte zu ihrer Nominierung einen Holzschemel mitgebracht. Auf diesem stellte sich wie selbstverständlich mit ihren ein Meter sechsundfünfzig hinters Rednerpult - weil sie's gewohnt ist, sonst dahinter zu verschwinden. Ein selbstbewusster Auftritt. Und genau so präsentierte sich die CSU-Frau als Landratskandidatin. Sie steht offenkundig mit beiden Beinen im Leben. Zur Versammlung hatte sie sich umfassend vorbereitet und spulte souverän eine Vielzahl von aktuell zu behandelnden Themen ab. Fast konnte man vergessen, dass sie erst die Zweite war, die von der CSU um diese Kandidatur gebeten wurde - nachdem der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl für alle schockierend zurückgezogen hatte. Kein Wort mehr davon auf der Nominierungsversammlung. Und auch manch anderes blieb ungesagt.

Mit ihrem Bekenntnis zur katholischen Kirche und zu einem traditionsverhafteten Familienbild mag Lorenz den ein oder anderen für sich eingenommen haben, der sonst nicht ohne Weiteres eine Frau unterstützt hätte. Sie kann hohe Kompetenz im Sozialen nachweisen, beruflich wie als CSA-Sprecherin. Ihr Plädoyer für den Verbleib der Kreisklinik in öffentlicher Hand, unabhängig von wirtschaftlichen Aspekten, wird nicht nur CSU-Anhänger beeindrucken. Sie ist couragiert. Und entschlossen, den Amtsinhaber herauszufordern.

Allerdings hat man sie gerade in diesem Punkt wohl nicht gut beraten. Dass die CSU-Kandidatin dem Landrat der Freien Wähler vorhält, er baue die Schulden nicht ab, ist entweder frech oder ahnungslos. Gerade der CSU verdankt der Landkreis die erdrückenden 25 Millionen Euro Schulden aus der missglückten Tölzer Kasernenkonversion. Unglücklich auch Lorenz' Äußerungen zur S-Bahnverlängerung. Man müsse eine Lösung finden, bei der die Interessen beider Städte - Geretsried und Wolfratshausen - gewahrt bleiben. Ach? Welche wäre das? Ähnliches ließe sich zu den nur stichwortartig genannten Themen sagen: Energiewende, Erhaltung von Natur und bäuerlichen Strukturen - schön und gut, aber wie? Die Delegierten forderten solch inhaltliche Auseinandersetzung nicht ein. Das werden im Wahlkampf hoffentlich die politischen Gegner nachholen, die Bachhuber als inaktiv bezeichnete oder in peinlicher Herablassung als "Bettvorleger des Landrats" apostrophierte. Dann muss Lorenz ihr eigentliches Standvermögen beweisen.