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Kommentar:Signal für liberale Asylpolitik

Man muss ja nicht gleich Torten werfen - aber artikulieren sollte sich die Ablehnung der Geretsrieder gegen die AfD schon

Von Felicitas Amler

Man muss ja nicht gleich Torten werfen - aber artikulieren sollte sich die mehrheitlich ablehnende Haltung der Geretsrieder gegen die AfD schon. Die Partei, die sich Alternative für Deutschland nennt, hält in der größten Stadt des Landkreises ihre erste Kundgebung im Oberland ab. Eine Chance für alle, die eine menschliche, aufgeschlossene, liberale und rechtsstaatlich einwandfreie Asylpolitik wollen, das Terrain abzustecken. Insofern hat die AfD mit Geretsried eine gute und eine schlechte Wahl getroffen: Schlecht für sich selbst, weil sie starken Gegenwind bekommen wird, aber gut für die Gegner, die hier zusammenfinden.

Geretsried gilt ebenso wie Penzberg als eine Stadt im Oberland, die Übung hat im offenen gesellschaftlichen Umgang mit sogenannten Fremden. Sie ist von jeher gewohnt, Menschen eine neue Heimat zu geben. Man nennt das integrieren, aber die Geretsrieder haben das schon geleistet, bevor es dieses Etikett gab. Und sie tun es heute, in der Flüchtlingskrise, geradezu mustergültig - von den vielen engagierten Ehrenamtlichen bis zum Rathaus. Das Bündnis, das gerade im Entstehen ist, macht diese Aufgeschlossenheit noch einmal sehr deutlich. Für eine klare Haltung gegen die fremdenfeindliche AfD finden Menschen über Parteigrenzen hinweg und auch über Parteien hinaus zusammen. Es dürfte wenig andere Themen geben, bei denen sich etwa Freie Wähler und Linke so einig sind. Oder die älteren Semester aus der SPD mit den jungen Grünen.

Manche, auch in der CSU, vertreten die Meinung, man gebe der AfD durch eine Gegendemo zu viel Aufmerksamkeit und werte sie damit unabsichtlich noch auf. Erfrischend, wie Demo-Organisator Robert Lug auf diese Einwände reagiert. Entweder mache man Politik oder nicht, sagt er. Gut so. Denn am 12. März hat Geretsried die Chance, die Richtung der Politik mitzubestimmen.

© SZ vom 01.03.2016
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