Kommentar:Mehr Hilfe für kleine Firmen

Trotz Corona sorgten die Tölzer Unternehmen in diesem Jahr für sprudelnde Steuereinnahmen. Im Gegenzug sollte die Stadt ihre Firmen beim Thema Wohnraum für Mitarbeiter unterstützen

Von Klaus Schieder

Bad Tölz hat eine gesunde Unternehmensstruktur. Dafür sorgt eine Reihe kleiner und mittelständischer Firmen, die kreativ und wendig durch Krisen kommen, ohne gleich Personalabbau zu betreiben wie so mancher Konzernmanager. In der Kurstadt sitzt auch nicht das eine Großunternehmen, das, wenn es finanziell husten muss, die Kommune sofort mit einer Grippe ansteckt, Stichwort: Gewerbesteuer. Allerdings brauchen kleinere Firmen, die der Stadt Bad Tölz heuer trotz Corona sprudelnde Steuereinnahmen bescheren, gelegentlich auch mal Hilfe. Zum Beispiel dann, wenn sie ihren Betrieb erweitern möchten und dafür ein Grundstück suchen. Oder wenn sie endlich eine Fachkraft bekommen, die allerdings eine bezahlbare Wohnung benötigt. Und da sieht es in der Kurstadt schlecht aus.

Das ist zunächst einmal nicht so sehr die Schuld der Stadt. Sie kann nichts für die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die Anleger und Spekulanten auf den Immobilienmarkt treibt, sie kann nichts für hohe und höhere Baupreise durch immer mehr Vorschriften, sie kann ebenso wenig für die rücksichtslose Geldgier mancher Hausbesitzer - all jene Faktoren, die den Wohnraum so exorbitant verteuert haben. Allerdings hat der Stadtrat in vormaligen Besetzungen auch etliche Weichen falsch gestellt. Die Abschaffung des Sondergebiets Badeteil im Jahr 2005 und das folgende Rahmenkonzept führte zu einem Strukturwandel im Kurviertel, der nicht die erhoffte Wiederbelebung brachte. Im Gegenteil: Das Badeteil wurde zur Schlafregion für betuchte Senioren aus ganz Deutschland. Für Familien und Arbeitskräfte, die ein mittelmäßiges Gehalt beziehen, lässt sich dort kaum eine bezahlbare Wohnung finden.

Daraus sollten die amtierenden Stadträte die Konsequenzen ziehen. Und zwar dergestalt, dass sie es nicht mehr jedem Bauherrn durchgehen lassen, die Baugrenzen eines Grundstücks mit architektonischem Aberwitz in den allerletzten Winkel auszureizen. Sie sollten darauf schauen, für welche Klientel gebaut wird. Sie sollten dafür sorgen, dass sich die Planungshoheit der Stadt nicht im Gewirr kleiner und kleinster Bebauungspläne ausdrückt, sondern einem logischen Gesamtkonzept folgt. Und wenn eine Firma schon mal zehn Wohnungen für Mitarbeiter am Rand des Kurviertels bauen will, sollte man sich eine absurde Debatte darüber sparen, ob die paar zusätzlichen Autos zu einem Verkehrs-Gau vor einem benachbarten Dialysezentrum führen.

Die Stadt kann wegen ihrer Topografie auch nicht viel mehr Gewerbeareale ausweisen. Umso wichtiger ist es, das brach liegende Moralt-Gelände mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden als kleines, aber feines Gewerbegebiet für Handwerker und andere Kleinbetriebe zu reanimieren. Zwar gehört der Stadt dort nichts. Sie kann jedoch weiter mit Verve auf den Privateigentümer einwirken, dass dort ein Zuhause für Tölzer Firmen entsteht. Bald. Und nicht erst 2030.

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