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Kommentar:Macht Platz, Männer!

In Geretsried sollten die Ämter der Bürgermeisterstellvertreter den neuen Verhältnissen im Stadtrat angepasst und an Frauen vergeben werden.

Von Felicitas Amler

Man kann nur hoffen, dass es nicht bei dieser unbedachten Haltung bleibt: Der Geretsrieder CSU-Sprecher signalisiert für den neuen Stadtrat keine Bereitschaft zu demokratisch gewichteter Verteilung der Macht. Ewald Kailberth wünscht sich schlicht - und weil's, wie er sagt, so eine schöne Zusammenarbeit war - den bisherigen Zweiten Bürgermeister Hans Hopfner wieder. Der freilich gehört der SPD an, und die ist inzwischen mit nur vier Mandaten die zweitschwächste Fraktion. Zweitstärkste hingegen sind die Freien Wähler, knapp gefolgt von den Grünen.

Die beiden haben legitimen Anspruch auf eine Zweite und - ja, auch das! - eine Dritte Bürgermeisterin. Zuletzt hatten CSU und SPD die Posten rücksichtslos unter ihren Männern aufgeteilt: Zum vom Volk gewählten Bürgermeister Michael Müller (CSU) die vom Stadtrat bestimmten Hans Hopfner (SPD) und Gerhard Meinl (CSU). Das war vor sechs Jahren ein wirklich schändlicher Affront. Gegen die Freien Wähler und gegen die Frauen. Denn die FW hatten zugunsten der SPD auf den Zweiten Bürgermeister verzichtet - und wurden beim Versuch, Sonja Frank zur Dritten Bürgermeisterin zu küren, hemmungslos ausgebootet.

Der neue Stadtrat spiegelt ein anderes Bild der Geretsrieder Gesellschaft als der bisherige: Zwei Grüne mehr, zwei SPD-Sitze und ein CSU-Mandat weniger, eine ganz neue Fraktion dazu. Da werden CSU und SPD doch nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Die Mehrheit an Stimmen hätten sie. Aber es wäre eine blanke Dreistigkeit.

© SZ vom 18.03.2020

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