Kommentar Geschichte wird greifbar

Entschlossenheit, Leidenschaft und Engagement kann viel erreichen - wie die Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald bewiesen haben

Von Felicitas Amler

Es war alles schon seit Jahrzehnten da. Aber wer konnte es sehen, hören, nachempfinden? Die Geschichte des Lagers Föhrenwald, die schreckliche und die Hoffnung gebende, war natürlich schon lange bekannt und wissenschaftlich belegt. Aber dass sie nun für alle, die das wollen, intellektuell wie emotional derartig begreifbar wird, das ist einzig einer unglaublich entschlossenen, zupackenden, leidenschaftlich engagierten Gruppe von Bürgern zu verdanken. Die Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald haben mit dem kleinen Museum am Wolfratshauser Kolpingplatz etwas Großartiges geschaffen.

Fotos, Dokumente, Objekte existieren aus jeder Ära Föhrenwalds: aus der Nazi-Zeit, aus der Phase des jüdischen Schtetls und vom Beginn des Heimatvertriebenen-Orts Waldram. Doch was für eine Leistung, all dies aufzuspüren, aufzutreiben, zu recherchieren, zu sichten, zu sortieren und auszuwerten. Was für eine Arbeit, ein System zu schaffen, das Interessenten von allem einen Eindruck gibt, ohne sie zu überfrachten. Was für ein Unterfangen, zu all dem Zeitzeuginnen und Zeitzeugen einfühlsam zu befragen und in nachvollziehbaren Kapiteln zu Wort kommen zu lassen. Und was für ein Kunststück schließlich, eine Ausstellung zu gestalten, die didaktisch so gelungen und optisch so ansprechend ist. Vom Keller, in dem an der Stelle der nicht mehr vorhandenen Mikwe, quasi aus dem früheren Wasserbecken heraus, ein Film über das rituelle Bad der Jüdinnen und Juden informiert, bis unters Dach, wo sich Besucher in angenehm ruhiger Atmosphäre niederlassen können, um einzelne Schicksale zu studieren: Ein beeindruckendes Haus. Ein wunderbarer Erinnerungsort. Und, so viel kann man schon vorhersagen, eine Gedenkstätte, die international wirken wird.

Es war höchste Zeit, die Geschichte Föhrenwalds in einem so angemessenen Rahmen zu präsentieren. Danke dafür. Und: Chapeau!