Man kann nur hoffen, dass sich zwischen Icking und Lenggries nie ein Objekt findet, das für eine zentrale Asylbewerber-Sammelunterkunft geeignet wäre. Die Regierung von Oberbayern wartet nur auf eine solche Lösung. Die wäre für den Staat billiger und administrativ einfacher zu handhaben. Genau das aber ginge zu Lasten der Menschen. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beherbergt momentan 129 Asylsuchende. 143 sollen es bis Jahresende werden. 143 Personen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Mentalitäten, Religionen, Gewohnheiten unter einem Dach: Viel Fantasie braucht es nicht, um sich auszumalen, dass Flüchtlinge - Menschen, die schwere Schicksale und Traumata erlitten haben - dies als unerträglich empfinden. Als Getto oder, wie es in der Erklärung der Münchner Asylbewerber im Hungerstreik heißt: als Isolationslager.
Genau diese Situation ist seit Ankunft der ersten Asylbewerber in Bad Heilbrunn im Dezember 2011 verhindert worden. Bis heute sind die Flüchtlinge dezentral an mehreren Orten im Landkreis untergebracht. In Wohnungen und Häusern von überschaubaren Größen. In unmittelbarem Kontakt zur ansässigen Bevölkerung. Es ist kein Zufall, dass die Betreuung der Asylsuchenden von Wolfratshausen bis Wackersberg so gut funktioniert. Überall haben sich sofort Helferkreise gebildet. Oft haben sich die Bürgermeister und andere politische Repräsentanten vorbildlich für die Asylbewerber eingesetzt. Deswegen herrscht hier so ein gutes, man kann ruhig sagen: integratives Klima zwischen Einheimischen und Flüchtlingen.
Natürlich haben auch im Landkreis Asylbewerber Schwierigkeiten mit den entmündigenden Essenspaketen. Auch hier gilt die absurde Residenzpflicht. Und im Ausländeramt wird gelegentlich streng die, wie es eine Betreuerin formuliert, "bayerische Linie" des eher abwehrenden Umgangs mit Flüchtlingen praktiziert. Dennoch können sich Asylsuchende hier darauf verlassen, mit Sorgen, Nöten und Ängsten aufgefangen zu werden. Weil sie nicht in einem Sammelgetto leben. Sondern mitten unter uns.