Eine leichte Brise fährt sanft über die Wasseroberfläche, die Blätter der Birken am Ufer rascheln – dazwischen Kindergejohle, bräsig in der Sonne fläzende Badegäste allen Alters, ein hitzemüder Hund. Bunte Sonnenschirme mit sich im Wind wiegenden Fransen ziehen die Blicke vor dem kernsanierten Kiosk auf sich – der Schriftzug „Lago di Bibi“ ist überall zu sehen. Dieser neue Name des Kiosks soll bewusst nicht nur Urlaubssehnsucht stillen, sondern auch das Flair der Sechziger- und Siebzigerjahre verströmen.
Der Name stammt von Jana Frech, die den Kiosk betreibt. Ihm hat die 36-Jährige Künstlerin eine komplett neue Ästhetik angedeihen lassen. Poster machen Werbung für Yoga-Einheiten, die hier in regelmäßigen Abständen von ihren Freunden angeboten werden. „Die Plakate hat Luisa Brendl, eine befreundete Grafikerin aus Königsdorf entworfen“, berichtet Frech. Auch alles andere, das es im und um den Kiosk herum zu kaufen und zu sehen gibt, hat regionalen Bezug.
Das Fleisch stammt vom Loisachtaler Bauernladen, das Bier vom Tölzer Mühlfeldbräu, Eis liefert der Beindlhof aus Wackersberg und die Merchandising-T-Shirts werden ein Stückchen weiter am Irschenberg bedruckt. „Wir wählen die Produkte mit Herz und Verstand aus“, sagt die Chefin. Die Pommes-Rezeptur ist indes ein Betriebsgeheimnis. „Da haben wir lange gesucht“, gibt Jana Frech zu, die nur darauf gewartet hat, den vom Opa gegründeten Kiosk nach Jahren der Verpachtung übernehmen zu können. „Wir spüren, dass so etwas hier gefehlt hat.“
Ihr Mann Jakob entschuldigt sich derweil: „Die Wasserrutsche muss noch eine halbe Stunde anlaufen”, sagt er während er an der Pumpe werkelt, die schon Generationen von Bibisee-Besuchern Juchzer entlockt hat. Auch sie hat einen neuen Anstrich bekommen.
Anpacken können beide: Jana Frech arbeitete als Tätowiererin in München und hat einen Master von der Berliner Universität der Künste (UdK), Jakob Frech ist gelernter Kunstschmied, praktizierte sein Handwerk an der renommierten Rixdorfer Schmiede in Berlin und arbeitet bei Lüst Metallgestaltung in Schäftlarn. Gute Voraussetzungen also, um mit allen möglichen und unmöglichen mechanischen Herausforderungen rund um den Bibisee und den Kiosk zurechtzukommen. „Keiner von uns kommt aus der Gastro“, geben die Frechs zu. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser.“


Dass der sich gelohnt haben könnte, zeigt ein Blick auf den regen Betrieb an der Getränkeausgabe. „Gleich am Eröffnungstag Ende Mai wurden wir überrannt“, berichtet Frech – nicht das einzige Mal in diesem an Fahrt aufnehmenden Sommer. Die Leute am kleinen See lechzen bei den hohen Temperaturen nach Erfrischung, von innen und von außen. Bei Hochbetrieb kann es durchaus sein, dass einzelne Produkte ausgehen. „Nachdem wir viel Wert auf Regionalität legen, können wir nicht immer gleich für Nachschub sorgen“, sagt Jana Frech und appelliert auch an die Besucher, etwaige Engpässe nicht ganz so eng zu sehen.
Den Trubel am kleinen Gewässer kannte schon Frechs Großvater Cornelius „Bibi“ Kutschke, nach dem der See benannt ist. Er hat ihn zusammen mit seiner Frau Hannelore einst zu dem gemacht, was er heute ist: Naherholungsgebiet für die Geretsrieder Bevölkerung, willkommene Abkühlungsmöglichkeit für überhitzte Königsdorfer und Treffpunkt für Turteltauben allen Alters im Herzen des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen.
Mitte der Siebzigerjahre baute er am Ostende des Sees einen umgebauten Möbelwagen in einen Kiosk um, in den Achtzigern wurde der erste stationäre Kiosk gebaut. „Die Achtziger- und Neunzigerjahre – das war hier die Hochphase“, berichtet seine Enkelin. Großvater Bibi und seine Frau hatten alle Hände voll zu tun, schon damals mit bis zu acht Mitarbeitern. Die Frechs haben heute bereits ein Team von zehn Leuten um sich geschart, Verstärkung für alle möglichen Tätigkeiten wird gesucht.
Dass es im Gastronomiegefüge rund um Königsdorf eine Lücke gab, die geschlossenen werden musste, zeigte sich schon bei der Eröffnung vom Lago di Bibi am 31. Mai. „Dass wir so überrannt werden, hätten wir nicht gedacht“, blickt Jana Frech zurück. Doch bei aller Betriebsamkeit wollen die Frechs und ihr wachsendes Team Ruhe bewahren. Das sei ihnen wichtig, sagt die Betreiberin. Schließlich soll ein Besuch des Lago di Bibi „wie ein Tag Urlaub sein“.


