KönigsdorfDer Traum des Astronomen wird wahr

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Die Isartal-Sternwarte ermöglicht bald den Blick in die Weiten des Weltalls. Schon im Juli sollen die Bauarbeiten beginnen, und auch der 60-Zentimeter-Spiegel für das Teleskop ist schon bestellt.

Von Wolfgang Schäl

Der Blick in den Sternenhimmel wird für Kurt Motl und seine Mitstreiter nun einfacher. Die Sternwarte Rotherain (hier als Modell) wird bald gebaut.
Der Blick in den Sternenhimmel wird für Kurt Motl und seine Mitstreiter nun einfacher. Die Sternwarte Rotherain (hier als Modell) wird bald gebaut. (Foto: Manfred Neubauer)

Der Griff nach den Sternen ist sprichwörtlich. Der Astronomen und Astrophysiker Kurt Motl war als Jugendlicher schon fasziniert beim Blick in den Sternenhimmel. Das ferne Funkeln hat ihn ergriffen und nie mehr losgelassen. Als junger Lehrer am Geretsrieder Gymnasium hat er die Begeisterung weitergegeben, er hat viel Zeit verbracht in der Schulsternwarte, hat den Lauf der Planeten erforscht und erläutert. 1976 wurde der Verein Schulsternwarte gegründet, der sich nicht nur den Schüler wandte, sondern an die Öffentlichkeit. Seit 1977 steht die Sternwarte allen zur Verfügung. Wo andernorts Stadtführungen veranstaltet werden, gibt es hier: Sternenführungen.

Mittlerweile ist Motl pensioniert, die Begeisterung ist geblieben. Sie ist sogar neu entfacht, seit sich ein lange geplantes Vorhaben als realistisch erwiesen hat, das wegen der astronomisch anmutenden Kosten zunächst Lichtjahre entfernt schien: Der Bau einer neuen Sternwarte, die unter besseren Bedingungen ganz neue Perspektiven eröffnet. Denn die Astronomen wollen es dunkel, und in Geretsried ist es nachts zu hell. Noch im Juli soll der Bau beginnen, auf einem Hügel in Königsdorf. Und auch der Spiegel für das Teleskop ist in den USA bestellt, 60 Zentimeter Durchmesser wird er haben. Er wird es ermöglichen, auch Asteroiden und Kometen ausfindig zu machen, die bislang noch nicht bekannt und erforscht sind. Was an solchen Entdeckungen so faszinierend ist? "Der Mensch hat das Bedürfnis, zu Erkenntnissen zu gelangen, Antworten auf die Fragen nach dem Woher und dem Wohin zu finden", sagt Motl. Die Astronomie beinhalte so viele Disziplinen der Naturwissenschaft, sie habe viel mit der Kulturgeschichte der Menschen schlechthin zu tun. Mit geringen technischen Mitteln die Ringe des Saturn erkennen zu können, "das ist ein Erlebnis, von dem man nicht mehr loskommt".

Der zunächst anvisierte Standort war der Peretshofener Berg. Die Alternative mit geeigneten Bedingungen tat sich erst nach aufwendiger Suche auf, sie wird nun auch den pädagogischen Ambitionen Motls gerecht: Das Teleskop wird nahe der stark frequentierten Jugendsiedlung Hochland mit ihren mehr als 50 000 Übernachtungen im Jahr aufgebaut. Mindestens 50 Jugendgruppen plant Motl pro Jahr als Besucher ein, und die sind auch aus ökonomischen Gründen notwendig, denn der Betrieb muss finanziert werden.

Zusammenbringen muss Motl gemeinsam mit Christian Müller, dem zweiten Vorsitzenden des Sternwarten-Vereins, einen Restbetrag von 14 000 Euro, der kaum noch Probleme aufwerfen wird, das Projekt jedenfalls nicht mehr in Frage stellt. Denn fast 350 000 Euro hat der Verein schon zusammenbekommen. Es war Geld, das unter großem Zeitdruck aufgebracht werden musste, weil knapp die Hälfte der Nettokosten, also 147 000 Euro, über ein befristetes Leader-Programm der EU beigesteuert werden sollten. "Bei diesem Programm handelt es sich um eine Anschlussfinanzierung", sagt Motl, "wir mussten also die anderen 50 Prozent vorweisen, sonst hätten wir überhaupt nichts bekommen." Von September 2011 bis November 2012 sammelte der Verein den Betrag in Höhe von rund 190 000 Euro ein, wobei eine besonders opulente Spende den Durchbruch ermöglichte: 70 000 Euro stellte eine einzige Familie zur Verfügung. Unter den Sponsoren waren auch einheimische Firmen und Bürger, die mit Beträgen von bis zu 1000 Euro zu dem Projekt beigetragen haben. "Wir haben jetzt alles in trockenen Tüchern", freut sich Motl, "ich wundere mich immer noch, dass das geklappt hat". Sponsoren sind aber nach wie vor höchst willkommen, auch wenn der ausstehende Restbetrag über einen Überbrückungskredit finanziert werden könnte. Wer möchte, kann einen Quadratzentimeter Spiegelfläche erwerben oder eine Patenschaft übernehmen. Bei einer Spiegelfläche von rund 2600 Quadratzentimetern ist noch reichlich Platz.

Freuen würde sich Motl aber auch, wenn sich mehr Bürger entschließen würden, dem Verein beizutreten und ihn mit ihren Beiträgen unterstützen. Über einen Mangel an Interesse kann sich Motl gleichwohl nicht beschweren, dem Vorhaben sei viel Wohlwollen entgegengebracht worden, auch von behördlicher Seite und von der Gemeinde. Immerhin handelt es sich - nahe dem Ortsteil Rothenrain - um ein privilegiertes Bauvorhaben, das generell strengen Kriterien unterliegt. "Es gibt sehr viele Leute im Landkreis, die eine große, offene Sternwarte wollen, und das motiviert ungemein", versichert Motl.

(www.isartalsternwarte.de)

© SZ vom 09.07.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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