Ein kleines Haus mit einem schiefen Dach, einer kleinen Tür und einem Tor, das einer Garage ähnelt: Die Lösung für die Altlasten durch die ehemalige Hausmülldeponie in Kochel sieht unscheinbar aus. Seit gut einem Jahr säubert die moderne Reinigungsanlage an der Triministraße das Grundwasser – und schützt damit den Kochelsee und die Loisach vor Schadstoffen. Mehr als 116 000 Kubikmeter belastetes Grundwasser seien seit Oktober 2023 aus dem Boden geholt, gereinigt und in den Kochelsee zurückgeführt worden, teilt Matthias Heulfelder, Bauamtsleiter der Gemeinde Kochel, mit: „Ein Gewinn für Umwelt, Badewasser und die nächste Generation.“
Die Geschichte der Hausmülldeponie reicht zurück in die Fünfzigerjahre. Was dort abgelagert wurde, war seinerzeit legal. Die Hinterlassenschaften sind jedoch schon lange eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit, auch wenn die Deponie, die sich auf dem Gebiet des alten Festplatzes befand, bereits in den Siebzigerjahren geschlossen wurde. 2009 zeigten Untersuchungen, dass sich Rückstände im Boden befinden, die ins Grundwasser sickerten. In der Folge fanden nicht weniger als 91 Bohrungen auf einer rund 115 000 Quadratmeter großen Fläche statt, wobei Teeröl gefunden wurde. Ebendies dürfte der Grund für die erhöhten Konzentrationen an „polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“ (PAK) im Grundwasser gewesen sein, die als krebserregend gelten.
Das Areal komplett oder zumindest teilweise abzutragen, wäre teuer gekommen. Die Kosten hätten sich auf mehr als 22 Millionen Euro belaufen. Deshalb verständigten sich das Tölzer Landratsamt und die Gemeinde Kochel zusammen mit der Gesellschaft zur Altlastensanierung Bayern (GAB) am Ende auf eine technische Lösung: Drainagen fangen das belastete Wasser ab, ehe es in den Kochelsee und die Loisach gelangt, eine moderne Reinigungsanlage filtert es mehrstufig.
Das Verfahren ist auch um einiges billiger. Etwa 2,86 Millionen Euro habe die Gemeinde seit 2020 in die Planung, den Bau und den Betrieb der Reinigungsanlage investiert, teilt Bauamtleiter Heufelder mit. „Möglich wurde das durch ein gemeinsames Förderprogramm des Freistaats Bayern und des Bayerischen Städte- und Gemeinderats, das durch die GAB verwaltet wird.“ Die Fördermittel beliefen sich auf rund 1,82 Millionen Euro.


Das Ganze ist Heufelder zufolge allerdings kein einmaliger Kraftakt, sondern eine dauerhafte Aufgabe. Die Filter der Anlage müssten regelmäßig erneuert, die Technik gewartet werden, erklärt er. 2026 soll noch ein altes Entwässerungsrohr umgebaut und besser in das Gesamtsystem integriert werden. „Das wird noch mal eine größere Baustelle“, so der Bauamtsleiter.

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Die Reinigungsanlage wurde vom Ingenieurbüro Sakosta geplant, das auch die ehemalige Deponie untersucht hat. „Die Technik funktioniert, der Schutz klappt. Wir sind sehr zufrieden“, resümiert René Peters vom Büro Sakosta. Die Anlage schütze Kochelsee und Loisach – und damit auch die Bade- und Erholungsqualität der Gewässer. Schadstoffe aus früheren Jahrzehnten gelangten nicht mehr in den Wasserkreislauf. Der Betriebsstrom soll künftig noch durch eine eigene Photovoltaikanlage erzeugt werden. Die Planungen dafür laufen gerade an.

