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Kochel am See:Verstärktes Interesse

Verstärkeramt Kochel

Das 1927 erbaute Verstärkeramt in Kochel steht inzwischen unter Denkmalschutz. Einfach abreißen? Das geht also nicht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das alte Verstärkeramt in Kochel am See weckt viele Begehrlichkeiten. Die Gemeinde würde gerne Wohnungen bauen und den Bauhof dorthin umsiedeln. Denkmalschützer jedoch haben ganz eigene Pläne

Die Zukunft des ehemaligen Verstärkeramts in Kochel am See ist ungewiss. Die Gemeinde, die das 5000 Quadratmeter große Areal an der Bahnhofstraße von der Telekom gekauft hat, möchte dort am liebsten kommunale Wohnungen, Sozialräume und sogar einen Bauhof errichten. Ein entsprechender Bebauungsplan wurde vergangenen Juli rechtskräftig. Doch die Lage ist vertrackt.

Einen Monat nach dem Erlass des Bebauungsplans stufte das Landesamt für Denkmalpflege das 1927 errichtete Verstärkeramt als Baudenkmal ein. Gegen einen Abriss, den die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamts genehmigen müsste, laufen Mitglieder des Denkmalnetzes Bayern Sturm. Die Gemeinde wiederum, die die Planungen aufgenommen hatte, als das Verstärkeramt noch kein Denkmal war, beruft sich auf ihren Vertrauensschutz.

Thomas Holz

Kochels Bürgermeister Thomas Holz kann sich auch einen Erhalt des Verstärkeramts vorstellen.

(Foto: Privat)

Wegen der verfahrenen Situation prüft die Gemeinde derweil auch Alternativen. "Es ist nicht unser oberstes Ziel, das Baudenkmal mit Gewalt abzureißen", sagt Bürgermeister Thomas Holz (CSU). Ein Abrissantrag beim Landratsamt sei noch nicht gestellt, aber in Vorbereitung. Der Bürgermeister möchte Gespräche mit der Regierung von Oberbayern und dem Landesamt für Denkmalpflege abwarten, die für Anfang Juni anberaumt sind. Wohnungen und Bauhof hätten für die Gemeinde Priorität. "Aber wir ziehen das nicht einfach durch", sagt Holz, der sich nicht den Vorwurf der Denkmalschützer gefallen lassen will, er sei "beratungsresistent".

Die Behörden prüften, ob die geplante Bebauung auch an einem anderen Standort möglich wäre. "Wir verschließen uns diesen Gesprächen nicht", sagt Holz. Ein denkmalgerechter Umbau der Garagen auf dem Verstärkeramt-Gelände für eine Bauhofnutzung sei indes nicht möglich. Denn die Garagen wiesen nicht die erforderlichen Maße für Bauhoffahrzeuge auf. Auch alternative Standorte müssten bestimmte Kriterien erfüllen. "Wir können einen Bauhof nicht nach Einsiedl verlegen", sagt Holz. Der Hauptort sei Kochel, und dort fielen auch die meisten Arbeiten an. Insofern wäre aus Sicht der Gemeinde die Bahnhofstraße ideal.

Der Bebauungsplan sieht auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück des Verstärkeramts umfangreiche Baumaßnahmen vor: Der Bauhof soll neu gebaut werden. Am jetzigen Standort an der Triministraße kann dieser nicht erweitert werden. Insgesamt 21 barrierefreie Wohnungen im kommunalen Wohnungsbau sind zudem geplant, zehn Unterkünfte für Obdachlose und Räume für Jugend und Vereine. "Wir brauchen dringend bezahlbare Wohnungen in Kochel", sagt Holz. Auch Probleme mit Obdachlosigkeit nähmen zu: Seit einigen Jahren würden der Gemeinde jeden Monat mehrere Menschen gemeldet, die kurzfristig untergebracht werden müssten. Falls sich für diese Pläne ein anderes Grundstück finden würde, müsste die Gemeinde das Verstärkeramt wohl verkaufen. Denn eine Denkmalsanierung plus Neubau von Wohnungen und Bauhof an anderer Stelle könne sie sich keinesfalls leisten, so Holz.

Architekt Heiko Folkerts, Mitglied im Denkmalnetz Bayern, der mit einer Petition an den Landtag den Eintrag des Verstärkeramts in die Denkmalliste ins Rollen gebracht hatte, begrüßt die Suche nach alternativen Standorten. Einen Käufer für das Verstärkeramt zu finden, hält er für unproblematisch. Beim Denkmalnetz gebe es "Leute, die nicht uninteressiert sind", formuliert er vorsichtig. Er könne sich einen "Freundeskreis" vorstellen, sagt Folkerts und verweist auf ein ähnliches Beispiel in Pfaffenhofen. Auch auf dem freien Markt gebe es "sicher jede Menge Investoren, die das Gebäude denkmalgerecht sanieren und verkaufen", ist der Weilheimer Architekt überzeugt. Denn Wohnungen in denkmalsanierten Häusern seien momentan in Städten wie München "der Renner".

In Verstärkerämtern befanden sich zu Zeiten des analogen Telefonierens Relaisstationen für elektrische Signale.