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Kochel am See:Lösungen für den Knotenpunkt

Einwohner von Kochel am See protestieren gegen das hohe Verkehrsaufkommen. Eine Möglichkeit zur Entlastung stellen Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr dar, vor allem ein einheitlicher Fahrplan und mehr Angebote in den Ferien und am Wochenende. Darüber muss aber der Landkreis entscheiden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, die Probleme in Kochel zu bewältigen. Doch Taktverdichtungen und Anbindungen stehen unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit

Von Petra Schneider, Kochel am See

Der Sommer ist vorbei, aber die Bilder von überfüllten Parkplätzen am Walchensee und endlosen Staus durch Kochel wirken nach. Der Öffentliche Personennahverkehr, kurz ÖPNV genannt, spielt bei der Lösung der oft chaotischen Verkehrssituationen in der Kommune eine Schlüsselrolle: Regelmäßige Busverbindungen ohne lange Anschluss-Wartezeiten könnten Fahrgäste zum Verzicht auf das eigene Auto bewegen. In diese Richtung zielt der Nahverkehrsplan des Landkreises, der seit zwei Jahren überarbeitet und voraussichtlich im Frühjahr 2021 vom Kreistag beschlossen wird.

Der Landkreis ist nur für die Regionalbusse zuständig, der Bahnverkehr obliegt dem Freistaat. Für Kochel sei der Nahverkehrsplan wesentlich, sagt Bürgermeister Thomas Holz (CSU), weil die Gemeinde durch die Kochelseebahn ein "Knotenpunkt" sei. Welche Veränderungen sich im Loisachtal ergeben könnten, das hat Matthias Schmid, Fachbereichsleiter ÖPNV im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, kürzlich im Kochler Gemeinderat erklärt. Das Ziel sei ein durchgängiger und einheitlicher Fahrplan ohne große Taktlücken, sowie eine Verbesserung des Angebots an Wochenenden und in den Ferien. "Der ÖPNV soll möglichst eine vollwertige Alternative zum Individualverkehr sein", sagte Schmid.

Im Loisachtal geht es um die Busverbindungen von Kochel in Richtung Walchensee, Schlehdorf und Bad Tölz. Verbesserungen sind sowohl beim Angebot unter der Woche, als auch auf den "Freizeitlinien" geplant. So soll an Werktagen in der Hauptverkehrszeit morgens und abends in Gemeinden mit mehr als 900 Einwohnern ein lückenloser 20- bis 30-Minuten-Takt eingehalten werden, für kleinere Orte ein Stundentakt.

Wesentliche Änderungen sieht das Konzept am Wochenende und in den Ferien vor: Die Busse der Linien 9608 Richtung Walchensee sollen im Sommerhalbjahr zwischen acht und 19 Uhr im Halbstundentakt fahren, im Winter stündlich. Auf der Linie 9611 zwischen Kochel und Schlehdorf könnte es künftig im Sommer einen Stundentakt, im Winter einen Zweistundentakt geben. Richtung Bad Tölz wird auf der Linie 9612 ganzjährig ein stündlichen Angebot empfohlen. Aus Kostengründen müssten Priorisierungen vorgenommen werden, sagte Schmid. Die Fachleute hätten der Busverbindung nach Walchensee Vorrang eingeräumt.

Beschlossen ist das Konzept noch nicht, "jetzt ist die Politik am Zug", sagte Schmid. Auch die Kosten stünden noch nicht fest. "Wir reden hier über Millionen, die über den Kreishaushalt finanziert werden müssen", sagte Bürgermeister Holz. Dass durch die höhere Taktung zusätzliches Personal bei den Busfahrern nötig wäre, sieht Schmid nicht als unlösbares Problem. "Die haben wir noch immer gekriegt", sagte er auf Nachfrage von Frank Sommerschuh (Freie Wähler).

Gemeinderat Klaus Barthel (SPD) mahnte an, dass sich die Gemeinde einbringen und zu den Plänen Stellung beziehen müsse. "Schicken Sie uns Ihre Vorschläge", entgegnete ihm Fachbereichsleiter Schmid. Entscheidend sei freilich die Finanzierbarkeit. Denn der ÖPNV sei "eine freiwillige Aufgabe der Landkreise im Rahmen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit".

© SZ vom 22.09.2020

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