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Kochel am See:Pendeln auf den Königsgipfel

Mehr als eine Million Personen hat die Herzogstandbahn seit 1994 ins Tal oder zum Gipfel befördert.

Mehr als eine Million Personen hat die Herzogstandbahn seit 1994 ins Tal oder zum Gipfel befördert.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Vor einem Vierteljahrhundert ging die Kabinenbahn auf den Herzogstand in Betrieb. Sie ersetzte den damals "steilsten Sessellift Europas". Ein Ausflug auf einen der Lieblingsberge Ludwigs II. ist heute so populär wie nie.

Als Torwächter trennt der steil aufragende Herzogstand den Kochelsee im Norden vom Walchensee im Süden. Vom 1731 Meter hohen Gipfel reicht der Blick direkt in das bayerische Alpenvorland - besonders weit an klaren Herbsttagen. Allein schon diese Lage macht den Berg zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Region. Als Jagdgebiet der Wittelsbacher und einer der Lieblingsgipfel Ludwigs II. hat der Herzogstand zudem noch eine besondere Historie. 1954 beflügelte schließlich ein erster Sessellift den Strom der Ausflügler nach oben. Vor 25 Jahren ging die heutige Pendelbahn mit zwei Kabinen in Betrieb - immerhin die erste Public-Private-Partnership im Freistaat Bayern, wie Geschäftsführer Georg Findeisen schildert.

Damals hatte die Kommune Kochel am See die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen als Partner gewonnen. Die beiden Gesellschafter der Bergbahn stemmten das 9,7 Millionen Mark (etwa 4,85 Millionen Euro) teure Projekt in nur neun Monaten Bauzeit gemeinsam. In Betrieb ging die Bahn am 1. August 1994. Zur offiziellen Einweihungsfeier am 27. August sparte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber kaum an Superlativen. "Mit diesem Berg übertrifft Bayern sich selbst", konstatierte er. Mit "majestätischen Aussichten" wirbt die Herzogstandbahn bis heute. Aus Anlass der offiziellen Einweihung vor einem Vierteljahrhundert kommen die Besucher am Dienstag, 27. August, zu besonders ermäßigten Preisen nach oben. An diesem Tag zahlt eine Person pro Fahrt nur 2,50 Euro.

Herzogstandbahn neues Zugseil

Zwei Zentimeter Durchmesser hat ein Zugseil.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wie beliebt die bequeme Fahrt auf den Berg ist, machen schon die nackten Zahlen deutlich: Mehr als eine Million Personen hat die Herzogstandbahn schon seit 1994 ins Tal oder zum Gipfel befördert. In den vergangenen sechs Jahren stiegen die Nutzerzahlen kräftig an. Etwa 161 000 Beförderungsfälle (dafür wird jede Fahrt nach oben oder unten extra eingerechnet) registrierte die Betreiber-GmbH im Jahr 2013. Im Vorjahr waren es schon mehr als 265 000 Beförderungsfälle. Das spiegelt für Geschäftsführer Findeisen den allgemeinen Trend der Menschen zurück in die Natur und auf die Berge wider. "Man ist wieder draußen", sagt er.

Am Herzogstand beobachtet Findeisen zunehmend jüngere Leute zwischen Mitte 20 und Mitte 30. Die Kundschaft verjünge sich, stellt er fest. Das liege am neuen Image des Bergsports, das auch die Freizeit- und Bekleidungsindustrie vermarkte. "Das Berggehen war früher ein Opa-und Oma-Sport." Aus einem Umkreis von 200 Kilometern kommen heute die meisten Gäste laut Findeisen selbst für einen Tagesausflug zur Herzogstandbahn. Aus Augsburg, Ulm und München kommen die Leute genauso wie aus dem Nordtiroler Inntal und sogar aus Südtirol. Wie Findeisen schildert, habe sich der Reisemarkt verändert. "Die Leute bleiben mehr in Deutschland." Mit mehr Urlaubern etwa aus der Schweiz und Frankreich werde das Gästespektrum auch internationaler.

Um die Kapazitäten der neuen Pendel-Kabinenbahn wurde Anfang der 1990er Jahre gerungen. Denn dort gibt es ein Natura 2000 Schutzgebiet. Naturschützer fürchteten einen zu großen, für das Gebiet schwer verträglichen Ausbau. Fahrgeschwindigkeit und -frequenz sowie Kabinengröße seien daher begrenzt worden, berichtet Findeisen. Jede der beiden Gondeln fasst bis zu 30 Personen. In vier Minuten befördert die Bahn die Gäste über eine Höhendistanz von791 Metern zur Bergstation in 1600 Metern Seehöhe. Am steilen Hang mit bis zu 88 Prozent Gefälle tragen nur zwei 28 und 24 Meter hohe Stützen die Zug- und Tragseile.

Als steilster Sessellift Europas galt im Jahr 1954 laut Findeisen die erste Aufstiegshilfe am Herzogstand. Ein Privatmann aus Schönmühl bei Penzberg hatte den damaligen Einersessellift mit seitlichem Einstieg finanziert und errichtet. Doch schon 1955 kam es zu einem folgenschweren Unglück. Das Förderseil riss. Zwei Menschen starben und mehrere Personen wurden teils schwer verletzt. Danach übernahm die Nebelhornbahn AG den Betrieb am Herzogstand. 1973 kaufte schließlich Kochel die Liftanlage.

Auf dem Gipfel bietet sich gelegentlich die Chance auf ein Foto mit dem "Kini" alias König-Ludwig-Darsteller Bernhard Rieger.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Kommune wegen hoher Sanierungskosten für den Bau der neuen Pendel-Kabinenbahn entschlossen. Dafür wurde die Herzogstandbahn GmbH gegründet. Deren Gesellschafter sind bis heute mit 51 Prozent die Gemeinde Kochel sowie die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen mit 49 Prozent. Erst kürzlich haben die beiden Partner für etwa eine halbe Million Euro die Steuerungstechnik der Bahn komplett erneut. Damit sei derzeit alles auf dem neuesten Stand der Technik, sagt Findeisen.

Außer den ermäßigten Preisen hat die Betreiber-GmbH ganz bewusst auf ein großes Fest zum 25-jährigen Bestehen verzichtet. Denn die Region leidet massiv an der eigenen Popularität und dem zunehmenden Gästeansturm. Daher habe man "etwas den Wind aus den Segeln nehmen wollen", sagt Findeisen. Um die Gäste für die Gebirgsumwelt zu sensibilisieren, wurde ein Naturlehrpfad eingerichtet. Nur unweit der Bergstation können die Gäste einkehren. Etwa zehn Minuten brauchen sie bis zum Berggasthaus Herzogstand.

Das Gros der Gäste befördert die Herzogstandbahn im Sommer auf den Berg. Nur etwa 20 Prozent machen die Skifahrer aus. Für Wintersportler gibt es einen Schlepplift am Fahrenberg und eine 4,5 Kilometer lange Piste auf reinem Naturschnee zum Walchensee hinab. Ebenso zieht es Skitourengeher zum Herzogstand. Derzeit arbeiten sieben Mitarbeiter in Vollzeit für die Betreiber-GmbH. Es gibt zwei Teilzeitkräfte und ein bis zwei Aushilfen je nach Bedarf. Groß zu feiern bietet sich für Findeisen besser zum 75-jährigen Bestehen des ersten Lifts am Berg an. "Wenn wir etwas machen, dann generalstabsmäßig", sagt er.