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Eurasburg:Das Kloster wird ein öffentlicher Ort

Der Kapitelsaal hat bereits wieder seine frühere Form.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Aus dem Beuerberger Konvent soll ein Kultur- und Bildungshaus werden. Das macht der bewilligte Bauantrag der Erzdiözese München und Freising offiziell. Mit der Umgestaltung soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

Von Benjamin Engel, Eurasburg

Kultur- und Bildungszentren waren die bayerischen Klöster mit ihren umfangreichen Bibliotheken jahrhundertelang. Daran könnte Beuerberg bald wieder anknüpfen. Als die Augustiner-Chorherren im 18. Jahrhundert die Stiftsanlage im Rokoko-Stil neu errichteten, entstanden ein Münz- und ein Naturalienkabinett, eine meteorologische Station meldete Wetterdaten täglich bis nach München, und es begann eine intensive historische Forschungstätigkeit. Die später ins Kloster einziehenden Salesianerinnen betrieben unter anderem ein Mädchenpensionat. Jetzt hat der Eurasburger Gemeinderat den Bauantrag der Erzdiözese München und Freising für die Umgestaltung zum Kultur- und Tagungshaus sowie Seminarzentrum gebilligt.

Langfristig soll Kloster Beuerberg damit zusätzlich zu den seit 2016 erfolgreichen jährlichen Ausstellungen umfassend für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Mit der Planung beauftragt sind die beiden Büros AHG Architekten Haushofer &Gnadke und DAI Dorn Architekten. In den kommenden fünf Jahren sollen die beiden oberen Stockwerke der Anlage oberhalb der Museumsräume im Erdgeschoss denkmalgerecht umgebaut werden.

Angefangen werden soll in einer ersten Phase noch heuer mit dem West- oder Pfortentrakt. Der restaurierte Rokoko-Festsaal in dessen zweitem Obergeschoss soll als Trauungsraum der Kommune dienen und für literarische und musikalische Veranstaltungen mit bis zu hundert Personen genutzt werden können. Zwei weitere Bauabschnitte folgen für Umnutzungen zu Seminarräumen, Wohnräumen für Teilnehmer oder für kirchennahe Einrichtungen. Brandschutztechnisch und statisch muss die gesamte Klosteranlage ertüchtigt werden.

Nachdem die Salesianerinnen vor sieben Jahren ausgezogen waren, hatte die Erzdiözese München und Freising den insgesamt 12 000 Quadratmeter umfassenden Komplex übernommen. Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl (GWV) nennt es eine "glückliche Fügung" für Beuerberg, dass die katholische Kirche die Anlage umfassend entwickle. "Das Gesamtziel haben wir jetzt vor Augen." Er betont den gemeinsam von Erzdiözese, Kommune und Bevölkerung vorangetriebenen Planungsprozess. Mit dem Kultur- und Tagungshaus werde der öffentliche Raum entscheidend belebt. In Kombination mit dem spirituellen Hintergrund könne das Beuerberg nur guttun.

Die Scharnierfunktion zwischen dem Dorf und dem Kloster wird der westlich angegliederte Josefstrakt erfüllen. Der zum Beherbergungsbetrieb samt Café und Kramerladen umgebaute Gebäudekomplex soll die kirchlich-klösterlichen Traditionen in die Gegenwart übersetzen. So hatte sich der Direktor des Diözesanmuseums und Beuerberger Ausstellungskoordinator Christoph Kürzeder bereits vor knapp eineinhalb Jahren geäußert. Wenig später genehmigte der Gemeinderat den Umbau des Josefstrakts.

Die Hauptarbeiten sollen parallel zur ersten Umgestaltungsphase der Gesamtanlage noch in diesem Jahr beginnen. Bis zum Frühjahr 2023 werden im Josefstrakt das Café, der Laden und der Beherbergungsbetrieb laut einem Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats eröffnen. Wichtig ist der Kirche, dass sich auch Familien mit wenig Einkommen das Übernachten in den 24 Zimmern für bis zu 50 Personen leisten können. Für Kürzeder ist der jetzt vorangebrachte Bauantrag zur Nachfolgenutzung der Gesamtanlage ein Riesenschritt, um die gewünschten Nutzungsmöglichkeiten auf den Weg zu bringen. "Zusätzlich zum Josefstrakt ist das der erste große Meilenstein."

So soll ein Kommunikations- und Begegnungszentrum mit einem Mehrwert für Beuerberg entstehen. Das ist ganz im Sinn von Bürgermeister Sappl (GWV). "Es wird ein öffentliches Haus", sagt er. "Das ist das Schöne."Auch die örtlichen Vereine könnten in die spätere Nutzung eingebunden werden. Beispielhaft dafür war der Adventsmarkt Ende 2019, den das Diözesanmuseum gemeinsam mit Vereinen aus dem Ort organisierte.

Der jahrelange Leerstand vieler Klöster nach dem Auszug der letzten Mönche oder Nonnen ist Beuerberg erspart geblieben. Bereits die seit 2016 jährlich wechselnden Ausstellungen in den Sommermonaten entwickelten sich zu Publikumsmagneten. Die diesjährige Schau wird das 900-jährige Bestehen des Augustinerchorherrenstifts und späteren Salesianerinnenklosters thematisieren.

Der Eurasburger Gemeinderat steht hinter den Entwicklungsplänen der Erzdiözese für die ganze Klosteranlage. Ausdrücklich dankbar zeigte sich Grünen-Fraktionssprecher Jakob Koch, wie der Bürgermeister dies zusammen mit der Kirche mache. "Das ist ein Weg, der zusammenführt, den Ort einbindet und nicht hinausführt", sagte er in der jüngsten Sitzung.

© SZ vom 24.03.2021
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