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Übernachten und einkehren:Doppelbett im Kloster

Im Josefstrakt des Beuerberger Konvents will die Erzdiözese München und Freising ein Café, einen Kramerladen und Gästezimmer einrichten. So sollen die religiösen Traditionen in die Moderne versetzt werden

Der westliche Josefstrakt des Klosters Beuerberg war Mädchenpensionat, Müttergenesungsheim und Anlaufstelle für Spätaussiedler. Jetzt sollen dort ein Café, ein Kramerladen und ein Beherbergungsbetrieb entstehen. Auch Menschen mit schmalem Budget sollen dort übernachten können. Zur Eurasburger Gemeinderatssitzung an diesem Dienstag hat die Erzdiözese München und Freising den entsprechenden Bauantrag gestellt. "Wir wollen die kirchlich-klösterlichen Traditionen in unsere Zeit übersetzen", beschreibt Christoph Kürzeder die Grundidee. "Die Gastfreundschaft ist ein großes Thema."

Der Josefstrakt soll eine Scharnierfunktion zwischen dem Dorf und dem Kloster bilden. So kommen Besucher über Eingänge von der West- sowie erstmals von der Ostseite aus dem Maierhof in den lang gezogenen Gebäudekomplex. Damit erweitere sich der dörfliche Raum. Der intime Charakter des Maierhofs werde als öffentlicher Raum akzentuiert. An eine Fertigstellung ist wohl erst 2022/2023 zu denken. Ein wesentlicher Etappenschritt soll laut Kürzeder aber in zwei Jahren erreicht sein. 2021 feiert die Erzdiözese das 900-jährige Bestehen des Augustinerchorherrenstifts und späteren Salesianerinnenklosters.

Im ersten Stock und dem Dachgeschoss sollen 24 Übernachtungszimmer für bis zu 50 Personen entstehen. Darunter sind laut dem Direktor des Diözesanmuseums Familienräume mit bis zu vier Betten geplant. Auf jeder der beiden oberen Etagen des Josefstrakts ist ein Gemeinschaftsbereich geplant. Die Unterkunft werde aber kein klassischer Hotelbetrieb werden, sagt Kürzeder. Vielmehr sollten die Gäste an einem Ort der Kommunikation zusammenfinden, eine Art der Gemeinschaftsbildung erfahren können. Das knüpfe an kirchliche Traditionen an. Zentral sei der Gedanke der Sozialverträglichkeit, so Kürzeder. "Es soll auch für Familien die Möglichkeit zum Übernachten geben, die sich einen Urlaub sonst nicht leisten können."

Wo im Erdgeschoss jetzt noch viele kleine Zimmer vom zentralen Mittelgang abzweigen, soll ein großer Saal entstehen. Dorthin gelangen die Gäste über Zugänge mit bodentiefen Glastüren. An einen Mini-Gastronomiebetrieb mit Café sei gedacht, sagt Kürzeder. In einer Krämerei könnten lokale Anbieter Produkte verkaufen. Das genaue Konzept sei noch offen. Es müsse sich entwickeln und wachsen. "Wir wollen keine gesunden Strukturen zerstören." Schließlich habe Beuerberg einen Bäcker sowie einen Edeka-Supermarkt. Es solle eine Art Dorfzentrum werden, das dem Ort einen Mehrwert bringe.

Josefstrakt Kloster Beuerberg Sanierung

Aus Altersgründen sind die verbliebenen Salesianerinnen im Jahr 2014 aus dem Kloster ausgezogen. Der Josefstrakt steht bereits seit mehr als zehn Jahren leer und muss saniert werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Für das Projekt arbeitet die Erzdiözese mit dem Architekturbüro Hild und K aus München und Berlin zusammen. Mit dem Wolfratshauser Möbeldesigngeschäft Zeitraum hat sie die Einrichtung entwickelt. Dafür wurde auf den Formenschatz des Klosters zurückgegriffen. In den Zimmern prägen Betten und Tische mit abgerundeten Ecken aus hellem Eschenholz das minimalistisch-lichte Erscheinungsbild. Schmiedeeiserne Relings greifen die Gitterfenster des Klosters auf. Die Einbauschränke orientieren sich an der Ausstattung für die Nonnen. Das klösterliche Prinzip der Einfachheit werde zeitgemäß interpretiert, sagt Kürzeder.

Aus Altersgründen waren die verbliebenen Salesianerinnen vor fünf Jahren aus dem Kloster ausgezogen. Die Erzdiözese München und Freising hatte die Anlage gekauft. Im Kreuzgang des Haupttrakts haben Kürzeder und sein Team seitdem vier Ausstellungen kuratiert. In den Sommermonaten lockten sie damit viele Besucher nach Beuerberg. Eine Fortsetzung ist geplant, laut Kürzeder soll es 2020 um die menschlichen Tugenden gehen.

Die jetzigen Pläne für den Josefstrakt sind ein weiterer Schritt um die Klosteranlage zu entwickeln. Das werde stufenweise geschehen, erläutert der Direktor des Freisinger Diözesanmuseums. "Für uns ist das work in progress." Darin liege aber gerade die große Chance. Schon bisher habe sich im Zuge der jährlichen Ausstellungen ein Stammpublikum entwickelt. Durch den Beherbergungsbetrieb könne eine neue Eigendynamik entstehen.

Erstmals organisieren die Beuerberger Vereine mit dem Diözesanmuseum im Kloster heuer einen Adventsmarkt am 30. November und 1. Dezember. Daran beteiligen sich auch die mitwirkenden Kunsthandwerker der bisherigen Ausstellungen. Zur Premiere wird ein von der Eurasburger Molkerei Pilch hergestellter Klosterkäse angeboten, der künftig im Keller der Anlage reifen soll. Zudem ist ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant.

Für die Entwicklung des Klosters spricht Kürzeder inzwischen von der "Beuerberger Schule": "Wir lernen, wie neue Formen des kirchlichen Lebens aussehen können."