In Würde alt werden:Zu viel Bürokratie und zu wenig Geld

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Pflegekräfte, pflegende Angehörige und alle, die mit diesem Thema zu tun haben, waren ins Kloster Benediktbeuern zum Austausch eingeladen. (Foto: Hartmut Pöstges)

Beim ersten "Tag der Pflege" im Kloster Benediktbeuern diskutieren Politiker über die Zukunft des Pflegewesens.

Von Arnold Zimprich, Benediktbeuern

Ralf Seifert, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, ist die Dringlichkeit seines Anliegens anzumerken. "Wenn die Bürokratie abgebaut werden würde, wäre schon viel gewonnen", sagt Seifert gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion, die den "Tag der Pflege" abschloss , der am Wochenende zum ersten Mal auf dem Campus der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) im Kloster Benediktbeuern stattfand. Zu umständlich sei es für Pflegebedürftige im Landkreis, sich zurechtzufinden, das Pflegewesen an sich zu intransparent. "Man muss sich aber auch rühren als Betroffener, es gibt keine dummen Fragen", mahnt Seifert. Viele Angebote gebe es schon, viele Bürger wüssten das nur nicht.

Initiiert vom Ausschuss für soziale und kulturelle Angelegenheiten des Kreistags und organisiert vom Kreisbildungswerk, waren von halb elf Uhr vormittags "alle, die sich für das Thema Pflege interessieren, insbesondere beruflich Pflegende, pflegende Angehörige und Ehrenamtliche" am Tag der Pflege zum "Kraft tanken, sich informieren, sich austauschen und neue Ideen bekommen" eingeladen. Die Kreispolitik wolle allen, die mit dem Thema Pflege befasst sind, "mit dieser Veranstaltung besonderen Dank und Anerkennung aussprechen", wie auf der eigens erstellten Website steht. Dank und Anerkennung ist das eine - doch es gibt auch viel zu tun. Das Organisationsteam hatte sich viel vorgenommen, die Politik sollte schließlich Impulse mitnehmen. So sind zur Podiumsdiskussion neben dem Bundestagsabgeordneten Karl Bär (Grüne) auch Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) und die Kreisrätinnen und Kreisräte Barbara Schwendner (Grüne), Reiner Berchtold (SPD), Franz Schöttl (CSU) und Anni Stöckl (FW) erschienen.

Ideen sammeln war ein Ziel der Veranstaltung, die das Kreisbildungswerk organisierte. (Foto: Hartmut Pöstges)

Wenige Minuten vor der Diskussion steht Amanda Enöckl, die die Projektleitung von Seiten des Kreisbildungswerks innehat, noch inmitten von bunt beklebten Stellwänden, auf denen verschiedene Teams die bei einer Zukunftswerkstatt entwickelten Ideen für die Pflege präsentieren. Dort hätten zwei Stunden lang die Köpfe gequalmt, berichtet Einöckl. Die drei besten Ideenkomplexe wurden anschließend gekürt - und vor der Podiumsdiskussion einer Reihe von Vertretern der Politik präsentiert.

Die Idee, einen "Pflegagenten" auf kommunaler Ebende zu installieren, erhielt die breiteste Zustimmung. Er soll sich in einer eigens geschaffenen Stelle um das Thema Pflege kümmern und für Fragen zur Verfügung stehen. Eine weitere Gruppe forderte, speziell alleinerziehendem Pflegepersonal die Arbeit zu erleichtern, indem bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt und die Kinderbetreuung vereinfacht wird. Das dritte Team wünschte sich einen "Pflegeleuchtturm": eine ebenfalls kommunal angesiedelte Anlaufstelle für Angehörige und Berufsgruppen, die ähnlich einer Nachbarschaftshilfe zwischen Profis und Laien vermittelt.

Zwei Stunden lang haben sich verschiedene Gruppen bei einer Zukunftswerkstatt Gedanken darüber gemacht, wie die Pflege in den kommenden Jahren aussehen sollte. (Foto: Hartmut Pöstges)

Landrat Josef Niedermaier ist eines bei der Veranstaltung klar geworden: "Wir müssen mit der Sensibilisierung für das Thema dann beginnen, wenn die Betroffenen noch keine Hilfe brauchen." Aber wie das Thema am besten zu den Menschen bringen, fragte er in die Runde. Für CSU-Mann Franz Schöttl werde in Lenggries im Bereich Pflege schon mehr als genug getan. Mit Markus Ertl habe man einen Inklusionsbotschafter, der die richtigen Impulse geben könne. Ferner würden 22 Millionen Euro in ein neues Pflegeheim gesteckt. "Das ist mehr, als man von einer 10 000-Einwohner-Gemeinde erwarten kann." Reiner Berchtold warnte davor, den Kommunen zu viel aufzubürden. Dem konnte Barbara Schwendner nicht folgen. "Die Kommunen tun zu wenig", kritisierte die Grünen-Politikerin, "es gibt zwar viele Arbeitsgemeinschaften, aber es wird zu wenig umgesetzt." Karl Bär regte zum Schluss der Diskussion zur Partizipation an: "Organisiert euch, gründet einen Verein, geht in den Gemeinderat!"

Auch wenn das Organisationsteam alle möglichen Facetten rund um das Thema Pflege versuchte zu beleuchten, hing eine Frage wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung: Wo soll das Geld herkommen, um die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse im Bereich Pflege zu befriedigen? Keiner der anwesenden Politiker wusste darauf eine Antwort.

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