Investition in ein Baudenkmal:Junges Leben in alten Gemäuern

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Investition in ein Baudenkmal: Pater Claudius Amann betreut die Sanierung des Südarkadentrakts im Kloster Benediktbeuern. "Wir wollen damit das Kloster für die Zukunft aufstellen", sagt er.

Pater Claudius Amann betreut die Sanierung des Südarkadentrakts im Kloster Benediktbeuern. "Wir wollen damit das Kloster für die Zukunft aufstellen", sagt er.

(Foto: Manfred Neubauer)

Seit zwei Jahren wird der Südarkadentrakt im Kloster Benediktbeuern von Grund auf saniert. Mit der Umgestaltung der Räume rüstet sich das Konvent für die Zukunft und besinnt sich auf die Ziele Don Boscos.

Von Veronika Ellecosta

Derzeit ruhen die Hämmer, Bohrmaschinen und Akkuschrauber im Kloster Benediktbeuern, im Innenhof plätschert nur der Springbrunnen. Aber die Ruhe trügt: Im Südarkadentrakt wird seit 2020 umfänglich saniert. Die Arbeiten kommen gemäß dem Zeitplan voran, sagt Pater Claudius Amann, der Einrichtungsleiter im Salesianer-Kloster.

Weil das Gebäude unterkellert ist, kam es in besagtem Trakt zu statischen Problemen. Das hätte zur Folge haben können, dass das Gebäude irgendwann einbricht, sagt Pater Claudius. Das aber wurde erst später klar. Bevor die Statiker überhaupt die sogenannten Grundbruchprobleme erkannten und eingriffen, ging es ursprünglich um eine einfache Sanierung von Hauskapelle und Fassade. Pater Claudius muss ausholen: Neben der Begutachtung von Fassade und Hauskapelle prüfte das zuständige Denkmalamt vor etwa zehn Jahren den Trakt auf Herz und Nieren. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Die Balken im Dachstuhl stellten sich als morsch heraus, man entdeckte Risse an der Decke und bemerkte dadurch erst die instabilen Grundpfeiler. Um dieses kostspielige sanierungsbedürftige Gesamtpaket zu finanzieren, beteiligten sich mehrere Förderer: der Bund mit 7,6 Millionen Euro, die Gemeinde Benediktbeuern sowie die Erzdiözese Augsburg und die Erzdiözese München und Freising. 1,5 Millionen Euro decken die Salesianer mit Eigenmitteln, zusätzlich wird das Bauvorhaben vom Bundesprogramm für Städtebau gefördert.

Investition in ein Baudenkmal: In dem prachtvollen Saal im Obergeschoss ist der Boden aufgerissen.

In dem prachtvollen Saal im Obergeschoss ist der Boden aufgerissen.

(Foto: Manfred Neubaur)

Im ersten Schritt ging es um die Statik des Gebäudes: 20 Grundpfeiler im Untergeschoss mussten gesichert und stabilisiert werden. Dazu musste man etwa 15 Meter in die Tiefe bohren, die Bohrstäbe einbetonieren und einen Halteschuh für die Pfeiler fabrizieren, damit unter den Pfeilern Erde ausgehoben und stattdessen Beton eingefüllt werden konnte, erklärt Pater Claudius den komplizierten Vorgang. Diese Arbeiten konnten bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen werden. Mittlerweile ist auch die Infrastruktur, also Strom und Wasser, im Keller eingerichtet. Sobald die Sanierung abgeschlossen sein wird, wird im Untergeschoss, wo bisher die Technikräume untergebracht waren, eine Ausgabeküche in Buffetform Klostergäste mit regionalen und nachhaltigen Gerichten versorgen, schwärmt der Pater. Gekocht wird dann einen Stock höher im Erdgeschoss, wo die ehemals drei Küchen zu einer großen fusioniert werden sollen. Im Erdgeschoss wird allerdings noch gearbeitet: Derzeit geht es dort darum, die unterschiedlichen Höhen in den verschiedenen Räumen auszugleichen.

Im Obergeschoss werden in diesen Monaten die maroden Enden der Bodenbalken ersetzt. "Man kann sich das vorstellen wie bei einer Beinprothese, die ans Knie angebaut wird", erklärt Pater Claudius. Im Gang des Obergeschosses ist der neue Holzboden bereits gelegt und mit frischen Sägespänen übersät. Der Boden in den angrenzenden Sälen zum Gang ist hingegen noch aufgerissen, wie das Skelett des Gebäudes sind die Balken darunter freigelegt. Das Obergeschoss ist merklich Claudius Amanns Stolz auf der Baustelle. Dort hatte zur Zeit der Säkularisation der Physiker Joseph von Fraunhofer seine Werkstätten, machte seine optischen Versuche und entwickelte Linsenschleifmaschinen. "Hier am Ende der Welt", sagt Pater Claudius und lacht. In dieser Beletage des Klosters soll künftig der Tagungsbereich gebündelt werden, das neue Herzstück des Südarkadentraktes.

Investition in ein Baudenkmal: Im Kellergewölbe, wo bislang die Technikräume untergebracht waren, entsteht eine Ausgabeküche mit Buffet für die Gäste.

Im Kellergewölbe, wo bislang die Technikräume untergebracht waren, entsteht eine Ausgabeküche mit Buffet für die Gäste.

(Foto: Manfred Neubauer)

Denn als die Salesianer Don Boscos das Kloster 1930 dem bayerischen Staat in schlechtem Zustand abkauften, richteten sie es Schritt für Schritt ein, nach den Leitgedanken von Don Bosco, der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern: Aus der alten Brauerei wurde eine Jugendherberge, es entstand ein theologisches Ausbildungszentrum und im Südarkadentrakt die Seminarräume. Auf dieses Credo wollen sich die Salesianer mit der Sanierung rückbesinnen und die Räume im Südarkadentrakt für die Arbeit mit jungen Menschen ausbauen. "Wir sind verantwortlich für das Kloster Benediktbeuern, es ist ein Kulturdenkmal", sagt Pater Claudius. "Aber wir wollen dem Trakt vor allem seine ursprüngliche Bedeutung zurückgeben: ein lebendiges Kloster für die Jugend. Wir wollen kein Museum sein."

So soll der Südarkadentrakt nach seiner umfangreichen Sanierung zum Aufenthalts-, Gäste- und Verpflegungsort werden. "Wir wollen damit das Kloster für die Zukunft aufstellen", sagt Pater Claudius. Besagte Zukunft soll planmäßig 2023 beginnen, wenn die Sanierungen abgeschlossen werden - wobei Pater Claudius davon ausgeht, dass es bei eventuellen Verzögerungen wohl eher 2024 werden wird.

Investition in ein Baudenkmal: Blick auf den Südarkadentrakt des Klosters, der spätestens 2024 fertig saniert sein soll.

Blick auf den Südarkadentrakt des Klosters, der spätestens 2024 fertig saniert sein soll.

(Foto: Manfred Neubauer)
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