Kloster Benediktbeuern Rares für Bares

Doris Brettschneider (rechts) und Karin Bauer vom Förderverein Juwel präsentieren einen alten Tölzer Bauernschrank.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr versteigert der Förderverein "Juwel" wieder mehr als 100 historische Objekte zugunsten des Klosters Benediktbeuern.

Von Benjamin Emonts

Man möchte die Zeit zurückdrehen - zumindest für einen kurzen Moment. Wie sah die junge Frau wohl aus? Wo fuhr sie abends entlang mit ihrem Rad? Und was ging damals in ihr vor? Überliefert ist nur, dass sie an dem Fahrrad sehr hing, welches ihr die Eltern geschenkt hatten. Es war das letzte, das deren Fahrradgeschäft vor Kriegsausbruch angeliefert bekam. Die Tochter fuhr das Velo, bis sie 80 Jahre alt und allmählich zu betagt dafür wurde. "Sie hat das Fahrrad sehr geliebt", sagt die neue Besitzerin.

Der Aufenthaltsort des Fahrrads der Marke Triumph, Baujahr 1936, ist hingegen bekannt. Eine Frau aus Benediktbeuern hatte es der über 80-Jährigen vor etwa 15 Jahren abgekauft, nachdem sie durch eine Kleinanzeige darauf aufmerksam geworden war. In ihrem Keller blieb der Drahtesel zuletzt allerdings meist ungenutzt. Als die Frau dann von einer Versteigerung zugunsten des Klosters Benediktbeuern erfuhr, stellte sie es zur Verfügung. Im prunkvollen Barocksaal des mehr als 1250 Jahre alten Klosters wird das Fahrrad nun am Sonntag meistbietend verkauft.

Oldtimer und Moriskentänzer

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Unter den Hammer kommt auch ein motorisierter Oldtimer der Marke MG, ein schwarz lackierter Roadster, Baujahr 1953, vier Zylinder. Wie schon im vergangenen Jahr haben die Ehrenamtlichen des Vereins "Juwel", der sich seit neun Jahren für den Erhalt des Klosters einsetzt, mehr als 100 Gemälde, Möbelstücke und andere Antiquitäten im Barocksaal zusammengetragen. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Die meisten Objekte stammen von den Vereinsmitgliedern selbst, andere wurden von Dorfbewohnern und Gönnern gestiftet oder gehörten zum Inventar des Klosters. Bei der großen Auktion am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr sollen sie möglichst viel Geld für dessen Erhalt einbringen. Die Erlöse aus dem vergangenen Jahr - immerhin mehr als 10 000 Euro - flossen in die Renovierung des Holzbodens im Barocksaal. In diesem Jahr soll nun das Parkett im Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, an die Reihe kommen. Und die Jugendarbeit der Salesianer Don Boscos, die das ehemalige Benediktinerkloster heute bewohnen und beleben, soll ebenfalls profitieren.

Auf einem Tölzer Bauernschrank traten Heiligenbilder zutage

Die Geschichten hinter den Objekten bleiben - anders als bei dem Fahrrad - oft im Verborgenen. Umso mehr regen sie die eigene Fantasie an. Der gläserne Kronleuchter etwa wirkt, als habe er einst Licht im Landhaus eines Adeligen oder eines Gutsherren gespendet. Der Anblick der zur Versteigerung stehenden edlen Sessel lässt vor dem geistigen Auge einen Gesandten vermuten, der im Bischofszimmer in Benediktbeuern Platz nimmt. Die mehr als 100 Jahre alten Sessel sind handgeschnitzt, auf Samt sind aufwendig Blumenbilder gestickt. Die Polster auf den Armlehnen sind nach Jahrzehnten abgenutzt, was für den regen Besuch im Bischofszimmer spricht. Im Fürstentrakt, in dem sich das Zimmer befindet, wurden damals die wichtigen Gäste empfangen.

Zwischen Tradition und Neubeginn

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Es lohnt sich aber auch die Vorstellung, wo all die kostbaren Schätze bald hingelangen könnten. Etwa der bunt bemalte Tölzer Bauernschrank. Die 80-jährige Elisabeth Keilhacker erinnert sich, dass der Schrank damals auf dem Speicher ihrer Großeltern in Taufkirchen an der Vils stand. Seinerzeit war er noch braun. Als die ehemalige Kirchenmalerin ihn anders streichen wollte, stieß sie unter dem Braun auf blaue, gelbe und rote Farben, Tölzer Bauernrosen. Auf der rechten Schranktür trat ein Bild der Maria Mutter Gottes mit Jesus auf dem Arm zutage, auf der linken Seite der Heilige Josef ebenfalls mit dem Jesuskind. Wie alt der Schrank ist, kann Keilhacker nicht sagen. Sie gibt ihn jetzt ab, weil sie ihr Haus an den Neffen weitergegeben hat. Das Mindestgebot liegt bei 650 Euro.

Die Beliebtheit der Bauernschränke ist groß, schon bei der Versteigerung im vergangenen Jahr waren zwei weitere Exemplare von Elisabeth Keilhacker im Nu verkauft. Im Internet werden historische Bauernschränke für Beträge im hohen dreistelligen und vierstelligen Bereich gehandelt. Beliebt sind die Möbel auch in der Stadt. Einst noch auf dem Speicher eines Landhauses, könnte er nach der Auktion womöglich eine schicke Münchner Wohnung zieren. Zumindest im vergangenen Jahr kamen die Teilnehmer der Auktion bis aus der Landeshauptstadt.

Zu den kleinsten, aber auch lebendig-sten Objekten gehören die Moriskentänzer. Der Name der kleinen geschnitzten Figuren bezieht sich ursprünglich auf einen wohl maurischen Springtanz, der sich im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit in der höfischen Kultur etabliert hatte. Speziell in der Region München sind solche Schnitzereien gefragt, was vermutlich mit der Geschichte der Stadt zusammenhängt und mit kunstgeschichtlichen Kostbarkeiten, in deren Tradition solche Figuren stehen. Der Bildhauer Erasmus Grasser hatte 1480 insgesamt 16 Moriskenfiguren für den damaligen bayerischen Herzog Albrecht IV. geschaffen - als legitimierende Sinnbilder an einer Decke für dessen weit gefassten Herrschaftsanspruch. Zehn der Figuren sind bis heute gut erhalten und zählen zu den berühmtesten Exponaten des Münchner Stadtmuseums.

Der Fundus an Liebhaberstücken im Benediktbeurer Barocksaal ist riesig. Er erstreckt sich von Porzellanwaren, Zinnkrügen über Gemälde, Radierungen und Stahlstiche bis hin zu einer alten Triumph-Schreibmaschine. Die stellvertretende Vorsitzende von Juwel, Doris Brettschneider, Karin Bauer und weitere Mitglieder sind seit Wochen damit beschäftigt, die Verkaufsobjekte zu katalogisieren. Auf einen Experten, der ihren Wert schätzt, müssen potenzielle Käufer - anders als bei den einschlägigen Fernsehsendungen - verzichten. Darin liegt freilich auch eine Chance. Denn es lassen sich gewiss Schnäppchen machen - zugunsten des Klosters.

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