Das Kloster Benediktbeuern ist alles andere als ein Ort, in dem Mönche abgeschieden von der Welt beten und arbeiten. „Es ist voller Leben, voller Menschen“, sagt Franz Wasensteiner, Einrichtungsleiter des Klosters (Klosterbetrieb). Neben der Katholischen Stiftungshochschule, die dort angesiedelt ist, liegt diese Vitalität vor allem daran, dass sich die Salesianer Don Boscos für die Jugendarbeit engagieren. Ebenso wie das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK), das auf dem Klostergelände beheimatet ist. Beide Einrichtungen sind seit Jahresbeginn fusioniert und haben nun als „Don Bosco Kloster Benediktbeuern“ erstmals ein gemeinsames Bildungsprogramm vorgelegt. Das Heft umfasst auf 79 Seiten insgesamt 118 Veranstaltungen für dieses Jahr.
„Mehr als 150 Menschen arbeiten auf dem Gelände, damit wir jungen Menschen Bildung nahebringen können“, sagt Einrichtungsleiter Benedikt Hartmann (ZUK). Jedes Jahr bevölkerten etwa 40 000 junge Menschen das Klostergelände in Benediktbeuern, mehr als 40 Mitarbeitende kümmerten sich um sie. Zu den Angeboten des Bildungsprogramms gesellen sich noch 82 weitere im „Kerngeschäft“ hinzu, wie Hartmann sagt. Das sind etwa Orientierungskurse, Aktionen für Schulklassen und andere Gruppen, Tagungen oder Umweltwochen. Mit alledem erreiche man junge Leute, aber auch Erwachsene, die aus der ganzen Region und bis aus dem Norden von München kommen, sagt er.

Durch die Fusion wolle man „Quantität mit enormer Qualität füllen“, so Hartmann. Das neue Programmheft enthält in seiner ersten Ausgabe wenig Neues. „Wir haben viel zusammengeführt, was schon Bestand hatte“, sagt Doris Linke, Leiterin des Bildungszentrums. Die drei Themenfelder sind Nachhaltigkeit und Naturschutz, Gemeinschaft und Familie sowie Sinnorientierung und Spiritualität. Darunter fallen Veranstaltungen wie Zukunftscamps, Trollkonzerte, Vogelbeobachtungen, Schaftage, Exerzitien oder Moor-Exkursionen, die auch mal in Form eines „Klimakrimis“ als digitale Erlebnisrallye mit Smartphone angeboten werden.
Das Kloster und das ZUK verbinde „das gemeinsame Engagement für Kinder und Jugendliche“, sagt Linke. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sich das Bildungsprogramm lediglich an den Nachwuchs richtet. Im Blick haben die Organisatoren auch Erwachsene, nicht alleine Väter und Mütter, sondern vor allem auch Lehrkräfte, Pädagogen und Multiplikatoren. „Wir wollen Bildung auf einem guten Standard halten“, sagt Linke.
Lars Fendrich gehört zum Team Jugendsozialarbeit. Kindern und Jugendlichen, die aus schwierigen Familiensituationen kommen oder unter anderen Problemen leiden, versuche man „einen Ort zu geben, wo sie Heimat finden“, sagt er. Zum Beispiel bei den „Grow2gether“-Tagen, an denen sie im Garten arbeiten, werkeln, Gemeinschaft erleben und darüber sogar einen Film drehen können. Was Spiritualität angeht, verweist Fendrich auf die Reihe an Exerzitien, die auch schon mal in einer einsam gelegenen Hütte stattfinden und für alle offen sind, egal ob katholisch, evangelisch oder ungetauft. Oder auf die gemeinsamen Feiern für Jugendliche und Familien zu Weihnachten, Silvester und Ostern, die etwas anders ablaufen als zu Hause gewohnt.
Frische Luft, Bewegung, ganzheitliches Lernen: Dies sind die Merkmale der „Draußenschule“. Für Lehrkräfte an Grundschulen und Interessierte werden dazu Fortbildungen angeboten. „Sie können sich austauschen, wie man draußen Unterricht machen kann, auch zum Beispiel in Mathematik“, sagt Martin Malkmus vom Team Erwachsenenbildung. Weitere Offerten sind etwa der Blühbotschafter-Kongress, der sich um Biodiversität und Artenvielfalt dreht, oder auch „Moore im Klimawandel“.

Ein Novum steht dann doch im ersten Bildungsprogramm des „Don Bosco Klosters Benediktbeuern“: Der Fachtag „Demokratie muss erlebbar sein“ findet am Dienstag, 24. März, statt. Eingeladen sind Lehrkräfte und Multiplikatoren. Sie sollen erfahren, „was junge Menschen brauchen, um sich für die Demokratie zu engagieren“, sagt Niklas Gregull, Leiter des Bildungszentrums. Geplant sind Workshops und Impulse – zum Beispiel, wie Jugendliche über Hip-Hop als Teil einer Protestkultur eine Stimme bekommen.
Trotz 40 000 jungen Teilnehmenden pro Jahr sind die Veranstaltungen laut Fendrich keine Selbstläufer. „Es ist wichtig, dranzubleiben, auf die Jugendlichen zuzugehen, Werbung zu machen – dann kommen sie“, sagt er. Viele Angebote sind deshalb kostengünstig, wie Einrichtungsleiter Wasensteiner betont: „Es ist wichtig, das Programm niederschwellig zugänglich zu machen.“ Dazu brauche man allerdings finanzielle Hilfe von Spendern, ergänzt Hartmann. Im nächsten Jahr soll das Bildungsangebot im Übrigen mehr Neues enthalten. „Dafür haben wir schon Ideen“, sagt Fendrich.
Das Bildungsprogramm liegt in Geschäften in der Region und im Kloster Benediktbeuern aus. Im Internet ist es unter www.kloster-benediktbeuern.de abrufbar. Weitere Informationen gibt es auch unter Telefon 08857/88-759.

