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Kloster Benediktbeuern:Bewahrenswertes Erbe

Kloster Benediktbeuern Zuschuss Südarkaden

Das Kloster Benediktbeuern soll langfristig, nachhaltig und wirtschaftlich erhalten werden. Allein aber die Arbeiten am maroden Südarkadentrakt des Klosters werden zweistellige Millionenbeträge brauchen. Da kommt die Förderzusage aus Berlin in Höhe von gut 7,6 Millionen Euro gerade recht.

Allein die Sanierung des Südarkadentrakts im Kloster Benediktbeuern soll 20,5 Millionen Euro kosten. Möglich wird sie nun dank einer Förderung des Bundes. Geplant ist ein neuer Gäste- und Versorgungstrakt.

Von Alexandra Vecchiato

Alte Mauern mit jungem Leben zu erfüllen - dieser Aufgabe widmen sich die Salesianer Don Boscos seit Jahrzehnten in Benediktbeuern. Doch die barocke Klosteranlage ist nicht nur ein Zentrum der Bildung und Erziehung, sie ist darüber hinaus ein Kulturgut, das es zu bewahren gilt. Sanierungen sind in solch historischen Gemäuern nichts Ungewöhnliches, dafür aber oft umso kostspieliger. Auf 20,5 Millionen Euro werden die Arbeiten am maroden Südarkadentrakt des Klosters geschätzt. Da kommt die Förderzusage aus Berlin in Höhe von gut 7,6 Millionen Euro gerade recht.

Bereits Ende Juni hatte der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) die frohe Kunde überbracht. Am Montag nun luden die Salesianer ins Kloster ein, um den Umfang des Projektes vorzustellen und allen Förderern zu danken. Neben dem Bund beteiligen sich unter anderem die Gemeinde Benediktbeuern (1,3 Millionen Euro), die Diözese Augsburg (vier Millionen Euro), die Erzdiözese München und Freising (4,5 Millionen Euro) und der Bayerische Jugendring (270 000 Euro) an der Finanzierung. Weitere 1,35 Millionen Euro an Zuschuss stehen in Aussicht. Der Bescheid stehe noch aus, sagte Provinzökonom Pater Stefan Stöhr. Knapp 1,5 Millionen Euro schießen die Salesianer aus Eigenmitteln zu.

98 Kommunen hatten sich für das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" beworben, 26 wurden auserkoren - darunter die Gemeinde Benediktbeuern, die den Antrag stellte. Insgesamt werden 75 Millionen Euro in diesem Jahr verteilt. Dass mehr als zehn Prozent der Fördersumme in Benediktbeuern ankämen, sei ein "politisches Lehrbeispiel", sagte Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber (CSU) bei der Präsentation im Barocksaal. Wie ein "edles Schweizer Uhrwerk" hätten Kommunal-, Landes- und Bundespolitik zusammengespielt, um die Mittel für das Kloster einzutüten. Wenn er an die Gespräche mit Pater Claudius Amann, Masterplan-Beauftragter seines Ordens, denke, sei ihm folgendes Bibelzitat eingefallen, das ihm treffend erscheine, meinte Bachhuber: "Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen." So sei es mit Pater Amann, da frühzeitig klar war, dass es eines kleinen Wunders bedürfe, die Finanzierung der Klostersanierung sicherzustellen. "Ich kann nur wünschen, dass alles im Kostenrahmen bleibt", so Bachhuber.

Seit vielen Jahren gebe es Schadensmeldungen im Südarkadentrakt, führte der mit der Sanierung betraute Architekt Knut Prill aus. Die Untersuchung habe ergeben, dass sich das Gebäude nach Norden neigt. Die Fundamente hätten sich nach unten abgesetzt. "Die Ergebnisse sind erschreckend", sagte Prill. Nach 250 Jahren gehe das Gebäude buchstäblich aus dem Leim.

Kloster Benediktbeuern Zuschuss Südarkaden

Pater Claudius Amann ist "Masterplan-Beauftragter" der Salesianer Don Boscos.

In zwei Bauabschnitten soll die Sanierung des Südarkadentraktes vonstattengehen. In einem ersten Schritt wird die Statik des Gebäudes ertüchtigt. Die Gründung, sprich: die Pfeilerfundamente, müssen gesichert, die Deckenbalken verstärkt und Fäulnisschäden beseitigt werden. Dabei gehen die reinen Bauarbeiten Hand in Hand mit jenen Arbeiten der Restauratoren, die die kunsthistorisch bedeutenden Räume im neuen Glanz erstrahlen lassen sollen. Im zweiten Schritt folgt der Innenausbau. Denn der Südarkadentrakt wird eine Umnutzung erfahren, die zugleich eine Wiederbelebung der historischen Zustände ist: Das Gebäude wird wieder als Gäste- und Versorgungstrakt genutzt. Geplant ist eine zentrale Versorgungsküche für alle Gästegruppen im Kloster, Aktionszentrum, in der Jugendherberge und im Zentrum für Umwelt und Kultur (insgesamt etwa 900 Essen). Im Obergeschoss solle in den Prunkräumen "viel Öffentlichkeit" stattfinden, wie Hilmar Gries, der Wirtschaftsleiter des Klosters, sagte. Ein zentraler Tagungsraum für 300 Personen ist vorgesehen. Dort könnte es künftig auch Konzerte geben mit mehr Besuchern, als es im Barocksaal möglich sei.

Alle Maßnahmen seien "sehr kostenintensiv", sagte Natalie Oswald vom Ingenieurbüro, das die Projektsteuerung übernommen hat. Der erste Bauabschnitt läuft bereits und umfasst ein Volumen von 7,6 Millionen Euro; der zweite beläuft sich auf 12,9 Millionen Euro. Fertiggestellt sein sollen die Arbeiten im und am Südarkadentrakt im Juli 2023.

Kloster Benediktbeuern Zuschuss Südarkaden

Architekt Knut Prill ist mit der aufwendigen Sanierung beauftragt.

Damit der Südarkadentrakt saniert und umgebaut werden kann, mussten die Salesianer in Vorleistung gehen. Denn die alten Nutzer mussten umziehen. Unter anderem wurde eine neue Hauskapelle geschaffen. Circa 1,4 Millionen Euro investieren die Salesianer aus eigener Tasche in diese Maßnahmen.

Der "Masterplan Kloster Benediktbeuern 2025ff." ist ein Planungsinstrument mit der Zielsetzung, den Standort Kloster Benediktbeuern in all seinen Facetten langfristig, nachhaltig und wirtschaftlich zu sichern.

© SZ vom 08.07.2020/aip

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