Zehn Minuten können eine Ewigkeit sein. Sie reichen, um ein Leben komplett zu verändern. So geschehen am 26. August 2023, als ein Hagelsturm im Oberland wütete und das Klosterdorf Benediktbeuern zerstörte. Fast ein Jahr danach sind immer noch viele Dächer nicht vollständig repariert. Besonders getroffen hatte es damals das Kloster Benediktbeuern. Mittlerweile ist wieder Leben eingekehrt in die ehrwürdigen Gemäuer. Besucher füllen den Innenhof, Konzerte und andere Veranstaltungen können wieder stattfinden. Zeit, um eine Bilanz zu ziehen.
Eines hat die Unwetterkatastrophe im vergangenen Jahr bewirkt: Die verschiedenen Einrichtungen im Kloster der Salesianer Don Boscos sind noch näher zusammengerückt – galt es doch, in der Stunde der Not einander auszuhelfen. Allerdings sind die Nachwehen immer noch zu spüren, vor allem in finanzieller Hinsicht. Auch wenn etwa das Aktionszentrum bereits drei Wochen nach dem Hagelsturm wieder den Betrieb aufnehmen konnte, sind weiterhin Räume nicht nutzbar. „Aber jeden Tag begrüßen wir junge Menschen“, sagte Niklas Gregull, stellvertretende Bereichsleitung in der Jugendbildungsstätte, bei einem Pressegespräch im Kloster. Man habe durchgängig Angebote. „Gut ausgebucht“ sei die Jugendherberge, betonte Pater Arnes Sohshang, stellvertretende Bereichsleitung der Don-Bosco-Einrichtung. Das Haus sei voll, auch wenn dort nicht alle Räume wieder belegt werden könnten. Pater Sohshang berichtet von sechs Schulklassen, die zu Gast seien.

Das Kloster Benediktbeuern sei ein Ort für die Jugend, hob Einrichtungsleiter Franz Wasensteiner, hervor. Daher sei es so wichtig, dass die Einrichtungen nur wenige Wochen nach der Katastrophe öffnen konnten. „Pro Woche werden an die 500 Jugendliche mit eigenem Personal betreut.“ Auch die Hochschule laufe – mit mehr Studierenden als zuvor.
Wegen der Corona-Pandemie an eine größtmögliche Flexibilität gewöhnt sind die Mitarbeiter des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK). Doris Linke, Bereichsleiterin Bildung, erzählte, dass man relativ schnell wieder ein Programm habe anbieten können. Viele Workshops, Führungen und Ähnliches finden ohnehin im Freien statt, weshalb man nicht zwingend auf Räume angewiesen sei. „Das konnte alles weiterlaufen“, sagte Linke.

Wenn auch Zuversicht beim ZUK-Team großgeschrieben wird, hat es die Umweltbildungseinrichtung hart getroffen. Es geht schlichtweg ums Geld, denn die Einnahmen haben sich halbiert. Das machte ZUK-Leiter Benedikt Hartmann deutlich. Nach der Corona-Pandemie habe man sich „super erholt“, dann kam der Hagelsturm. Das ZUK hat 35 Prozent seiner Fläche verloren. „Ob wir uns einen Wiederaufbau in alter Form leisten können“, möchte Hartmann dahingestellt sein lassen. „Das sind Dinge, die sehr, sehr wehtun.“ Oberste Priorität habe es für ihn als Einrichtungsleiter, die 60 Mitarbeitenden zu halten. „Wir sind stark auf Spenden angewiesen“, sagte Hartmann. Erst in zwei Jahren, so der ZUK-Leiter, werde man wohl die Arbeiten abgeschlossen haben. „Es ist noch nicht alles entkernt. Wir finden immer wieder Wasserstellen.“ Eine Herausforderung werde sein, Denkmalschutz, Statik, Brandschutz und Nutzung unter einen Hut zu bringen. „Was toll ist: Die Leute kommen trotz allem zu uns. Es gibt keine einzige Beschwerde“, freut sich Hartmann.
Kloster, ZUK und Kirchenstiftung hoffen auf Spenden
Spenden benötigt ebenfalls das Kloster Benediktbeuern für den Wiederaufbau. „Wir sind versichert“, sagte Wasensteiner. Doch wo der Bestandsschutz nach den Hagelschäden nicht mehr greife und Statik oder Brandschutz neu gedacht werden müssen, ergebe sich ein finanzielles Delta. Wasensteiner sprach von „enormen Kosten“ und einer „großen Herausforderung“. Die exakte Schadenshöhe sei weiterhin nicht ermittelt.
20 000 Quadratmeter der insgesamt etwa 44 000 Quadratmeter Dachfläche wurden durch den Hagel zerstört. Fünf Tage lang konnte der Regen ungehindert in das Klosterinnere dringen. 10 000 Quadratmeter Fassade wurden beschädigt. Mehr als 300 Bäume mussten zugeschnitten oder gefällt werden. 4000 Fenster wurden zerschlagen. „Es hat sich wahnsinnig viel getan seit dem 26. August“, sagte Verwaltungsleiter Hilmar Gries, der die Bauarbeiten im Auge hat. Bis zum Herbst werde sich die Sanierung der Dächer hinziehen. Die Trocknungsarbeiten seien weitgehend abgeschlossen. Der Innenausbau ziehe sich.

Eine Großbaustelle ist nach wie vor die Basilika, die nicht zum Kloster der Salesianer Don Boscos gehört, sondern zur Pfarrei St. Benedikt. Bei den Untersuchungen der Hagelschäden zeigte sich, dass die seit Jahren bekannten statischen Probleme weitaus dramatischer sind, als angenommen. Inzwischen liegt die Schätzung der Instandsetzungskosten bei 7,3 Millionen Euro. 50 Prozent übernimmt die Versicherung, 75 Prozent die Diözese Augsburg. Voraussichtlich 785 000 Euro muss die katholische Kirchenstiftung selbst aufbringen. Trotz Rücklagen fehlten 465 000 Euro, sagte Pfarrer Bernhard Stiegler. Wenn man schon im August ein großes Gerüst im Kircheninneren aufstellen werde, sollten sechs Asam-Deckenbilder restauriert, wie auch die Elektrik erneuert werden, ergänzte Meßner Christian Höck. „Es wäre jetzt gut, Synergien zu nutzen“, so Pater Stiegler.
Spendeninformation
Kloster Benediktbeuern & ZUK:
Salesianer Don Boscos, Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, IBAN: DE38700543060190006700, Spendenzweck: Zukunft Kloster & ZUK
Kirchenstiftung Basilika St. Benedikt:
Katholische Kirchenstiftung St. Benedikt Benediktbeuern, Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, IBAN: DE07700543060190003863, Spendenzweck: Erhalt Basilika St. Benedikt
