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Klimaschutz in der Region:Bewegung bei der Windkraft

Windräder im Nebel

Pro und contra Windkraft diskutierte die CSU mit Klimaaktivisten.

(Foto: dpa)

Aktivisten von Fridays for Future diskutieren in Bad Tölz mit der CSU über regionalen und nationalen Klimaschutz. Bundestagsabgeordneter Radwan deutet Kompromissbereitschaft bei der 10H-Regel an - aber erst nach der Wahl

Das Thema Windkraft könnte in der Region wieder aufleben: Am Donnerstag gab es Kritik an der 10H-Regel, die einen Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung von rund zwei Kilometern festlegt. "Wenn wir die 10H-Regel nicht hätten, könnten wir in Süddeutschland mehr Strom produzieren und bräuchten keine Stromtrassen", sagte Sarina Haushofer. Mit Wind und Sonne werde genügend Strom erzeugt, nötig seien aber Speicher, sagte die 15-Jährige. Sie war eine von vier Fridays-for-Future-Aktivisten, die zur CSU-Veranstaltung "Klimaschutz regional und national" in den Binderbräu gekommen war. Es war bereits die zweite Runde, zu der die CSU diesmal den Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan eingeladen hatte, "weil Umweltpolitik nicht an der Stadtgrenze endet", wie Bürgermeisterkandidat Ingo Mehner sagte.

Etwa 40 Teilnehmer waren gekommen, auch Vertreter von Scientists for Future und Parents for Future. Die Kritik an der CSU wollte Radwan nicht stehen lassen. Die 10H-Regel sei nicht zuletzt wegen massiver Bürgerproteste erlassen worden. "Da stehen wutentbrannte Menschen, die sagen, 'wir wollen unsere schöne Heimat nicht mit Windrädern zerstören'". Er habe das auch im Landkreis bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Horst Seehofer in Wolfratshausen erlebt, sagte Radwan, bei der der Ton der Windkraftgegner "grenzwertig" gewesen sei. JU-Ortsvorsitzender und Stadtratskandidat Severin Eichenseher verteidigte die Regelung als "sinnvoll", weil sie Rechtssicherheit schaffe und Genehmigung beschleunige - was umgehend für Widerspruch sorgte. Die Flächen würden doch beschränkt, im Vorjahr sei kein einziges Windrad in Bayern gebaut und viele Arbeitsplätze im Bereich Wind- und Solarenergie verloren gegangen, sagte Max Zitzmann von Parents for Future. Radwan deutete Kompromissbereitschaft an. Über die 10h-Regel "in ihrer Absolutheit" könne man diskutieren - allerdings erst nach der Kommunalwahl.

Mehner für Wasserkraft

Ingo Mehner plädierte für den Ausbau der Wasserkraft, die nicht durch zu strenge Umweltauflagen ausgebremst werden dürfe. Als Beispiel nannte er ein Wasserkraftwerk am Loisachkanal, das aus Umweltschutzgründen abgelehnt worden war. Ein wichtiger Baustein beim Klimaschutz ist der ÖPNV. Bei der BOB gibt es bereits einen Halbstundentakt morgens und abends. Allerdings fährt sie mit Dieselloks, die nicht nur CO2, sondern auch Feinstaub ausstoßen. Das soll sich ändern, der Bund habe ein Programm zur Elektrifizierung aufgelegt, sagte Radwan. Ob die Energie durch Strom aus Oberleitungen kommt, per Wasserstoffantrieb, wie bereits in einigen Bundesländern, oder mit Akkus werde derzeit geprüft. Klar sei aber: "Das Ziel ist eine Elektrifizierung." Als "Zwischenlösung" bezuschusst der Freistaat neue, dieselbetriebene Lint-Züge. Sie werden ab Juni die störanfälligen Integralzüge ersetzen und sind laut Bürgermeister Josef Janker mit modernster Dieseltechnologie ausgestattet. Ebenfalls als Übergangslösung sollen kurze Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden, damit sich Verzögerungen nicht so stark aufbauen, weil verspätete Züge aus der Gegenrichtung abgewartet werden müssen. Das Bundesprogramm sehe mittelfristig einen zweigleisiger Ausbau vor, auch auf verschiedenen Abschnitten im Oberland, sagte Radwan. Allerdings formiere sich im Landkreis Miesbach bereits Widerstand gegen dafür nötige Oberleitungen.

Radwan nutzte die Diskussion zu einer Grundsatzkritik: In den vergangenen Jahrzehnten sei eine "Innovationsfeindlichkeit" zu beobachten. Ohne Veränderungen seien die Herausforderungen aber nicht zu bewältigen. Wie das Pariser Klimaziel zu erreichen sei? Durch Unterstützung beim Aufbau einer regenerativen Energieversorgung in Ländern mit großem Bevölkerungswachstum, sagte Radwan. "Da können wir viel mehr erreichen, als wenn wir bei uns die Häuser dämmen." Das sah Anjan Dietl anders. Deutschland habe eine Vorbildfunktion und müsse "hier und jetzt was machen", sagte der 17-Jährige.

© SZ vom 07.02.2020