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Kleiner Radius für Urlaubsreisen:"Den Schaden werden wir erst nach Jahren überstanden haben"

Michaela Gampenrieder

Michaela Gampenrieder ist Geschäftsführerin des Reisebüros Wolf Travel. Trotz Schließung ist sie per Telefon und E-Mail für Kunden erreichbar.

(Foto: privat/oh)

Michaela Gampenrieder betreibt ein Reisebüro in Wolfratshausen und ist derzeit vor allem mit kostenlosen Stornierungen beschäftigt.

Der Radius ist klein in diesen Zeiten: Die Wohnung ist oft Lebens- und Arbeitsbereich in einem, Spaziergänge folgen den immer gleichen Routen. Mit jedem Tag Corona wächst das Fernweh. Lockerungen gibt es zwar, aber der Pfingsturlaub in den Süden fällt heuer ins Wasser, weil die Reisewarnungen bis Mitte Juni verlängert wurden. Michaela Gampenrieder, Inhaberin des Reisebüros Wolf Travel, hat gegen den Lagerkoller Alternativen im eigenen Land parat. Denn Fernreisen werde es frühestens im Herbst wieder geben, glaubt die 53-jährige Tourismuskauffrau.

SZ: Normalerweise verkaufen Sie Urlaubsträume, zurzeit ist Ihr Job wohl eher ein Albtraum?

Michaela Gampenrieder: Bei uns klingelt sehr oft das Telefon, aber dabei geht es hauptsächlich darum, Stornierungen abzuwickeln. Das ist ein Riesenbearbeitungsschlauch, den wir quasi unentgeltlich erledigen. Die meisten Buchungen für Pfingsten, die jetzt storniert werden mussten, gingen zu den klassischen Badezielen Griechenland, Türkei oder Spanien. Bis jetzt haben wir alle Kunden zufriedenstellen können; sie haben von den Veranstaltern ihr Geld zurückbekommen oder Gutscheine akzeptiert. Schwieriger ist es bei den Airlines. Da dauert die Erstattung drei bis sechs Monate.

In Bayern öffnen die Hotels ab 30. Mai wieder. Erwarten Sie jetzt einen Run?

Dass es in Bayern Lockerungen gibt, ist erfreulich. Auch wenn die Hotels nicht zu 100 Prozent belegt werden dürfen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Ich kann mir vorstellen, dass es heuer einen großen Nord-Südaustausch gibt: Bayern, die ihren Urlaub an Nord- oder Ostsee verbringen, Norddeutsche, die in die Berge fahren. Man will im Urlaub ja auch mal etwas Anderes sehen. Auslandsreisen sind wohl bis in den August nicht möglich, weil es keine Flüge gibt oder in den Zielländern Quarantäneregeln nach einer Einreise gelten.

Haben Sie einen Tipp für Leute, die jetzt trotzdem dringend raus wollen?

Ja, es gibt in Deutschland schöne Sachen. Mein Lieblingstipp ist ein Hausboot in Mecklenburg-Vorpommern. Da kann man die Abstandsregeln auf jeden Fall einhalten und ist mobil. Oder Rundreisen per Rad mit ausgearbeiteten Routen und vorgebuchten Hotels, zum Beispiel am Rhein oder in der Fränkischen Schweiz. Auch zu Fuß, auf Fernwanderwegen, kann man Deutschland entdecken. Oder einen Badeurlaub an der Küste machen.

Wie ist für Sie die Situation als Reisebüroinhaberin?

Wir sind mittendrin in der Krise. Hotels und Ferienwohnungen in Deutschland sind im Moment das Einzige, was wir anbieten können. Immerhin eine kleine Chance, den Umsatz aufzubessern. Ich fürchte, dass wir den wirtschaftlichen Schaden erst in zwei, drei Jahren überstanden haben. Meine beiden Mitarbeiter und ein Azubi sind in Kurzarbeit und arbeiten im Homeoffice. Trotzdem sind wir für die Kunden telefonisch oder per E-Mail zu den gewohnten Öffnungszeiten erreichbar. Den Laden halten wir momentan noch geschlossen. Das kann sich aber schnell ändern, wenn die Nachfrage steigt. Wir fahren auf Sicht.

Mal abgesehen von Ihrer Arbeit: Wie sieht es mit Ihren persönlichen Reiseplänen aus?

Ich wollte nach Pfingsten eigentlich einen Sprachkurs in Apulien machen, um meine Uralt-Kenntnisse in Italienisch wieder aufzufrischen. Und Südafrika steht ganz oben auf meiner Wunschliste, wenn das alles vorbei ist.

© SZ vom 18.05.2020/aip

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